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Dem neuen Jahr entgegen: Solidarisch, achtsam und optimistisch


„Bestaunen, begegnen, beginnen“ – unter diesem Motto steht der gemeinsame Neujahrsempfang von Kirchen und Stadt, der am vergangenen Sonntag, 17. Januar, bereits zum neunten Mal stattfand. Coronabedingt wurde der sonst in der Stadthalle abgehaltene Empfang durch eine digitale Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Thomas Sprißler ersetzt. Musikalisch umrahmt wurde diese durch das Cello-Ensemble der Musikschule Herrenberg. Der ökumenische Gottesdienst fand mit einer begrenzten Anzahl an Gästen und unter Auflagen in der Stiftskirche statt.
 
In seiner Neujahrsansprache warb Oberbürgermeister Thomas Sprißler für einen optimistischen Blick in die Zukunft: „Obwohl die Lage momentan sehr ernst ist, haben wir eine Perspektive“, betonte das Stadtoberhaupt. Er blickte aber auch nachdenklich auf die Geschehnisse des vergangenen und aktuellen Jahres, Corona sei eine nie dagewesene Herausforderung für unsere Gesellschaft und jeden Einzelnen, „manche müssen gegen die Krankheit und ihre Folgen kämpfen, andere den Verlust geliebter Menschen betrauern, wieder andere stehen vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen oder verzweifeln an der Belastung und fehlenden Perspektiven“. Dennoch: Es gebe ausreichend Gründe, zuversichtlich zu sein, bekräftigte das Stadtoberhaupt und verwies auf das überwältigende Miteinander und das Übernehmen von Verantwortung füreinander, das sich die Herrenbergerinnen und Herrenberger seit Beginn der Pandemie zuteilwerden lassen: „Von Affstätt bis Kuppingen, von Oberjesingen über Haslach und Gültstein bis Mönchberg und Kayh und in die Kernstadt reicht der lange Arm der Solidarität“, so Sprißler.
 

Projekte 2021

„War denn 2020 alles nur Corona?“, fragte Sprißler und gab auch die Antwort: „Das war es nicht.“ Viel wurde im vergangenen Jahr geschafft. Was man gut sehen könne, wenn man den Blick von der Stiftskirche aus über die Stadt schweifen lasse: Seeländer, die umgebaute Seestraße, die zentralen Straßenachsen mit der Hindenburgstraße und der Horber Straße, das ehemalige Stabi- oder das Leibfried-Areal und auch im Affstätter Tal – in Herrenberg habe sich viel getan und sei in Entwicklung, so der OB. Und 2021 ginge es damit weiter. Kinderbetreuung, soziales Wohnen und Verkehr nannte das Stadtoberhaupt als Schwerpunkte auch für das neue Jahr. Zwei neue Kitas seien bereits in Betrieb, drei weitere in Kayh, im Längenholz und Gültstein in Planung. Auch der sozialen Frage des Wohnens begegne Herrenberg weiter mit einer großen Wohnungsbauoffensive: Das Baugebiet Gartenäcker, Nachverdichtungsprojekte in den Stadtteilen, am Aischbach, der Schäferlinde und das große Baugebiet Herrenberg-Süd nannte OB Sprißler als Orte, an denen neuer Wohnraum entstehen wird. Er freut sich darüber hinaus auf den Abschluss der Modellstadt-Maßnahmen und die Wirkung, die diese sodann entfalten werden.

Herausforderungen begegnen

Als eine weitere, zentrale Aufgabe sprach der OB über die städtischen Finanzen, die durch die Pandemie mit voller Wucht getroffen wurden. Es sei eine herausfordernde Aufgabe, die Entwicklungen der Stadt weiter voranzubringen, statt sie mangels Finanzkraft mit einer Vollbremsung abzuwürgen, „auch hier kommt es auf das vielbeschworene Prinzip der Solidarität an“, so Sprißler. Weitere wichtige Zielsetzungen für die kommende Zeit seien der Klimafahrplan für Herrenberg oder das Leitbild Herrenberg 2035, mit denen den Herausforderungen des Klimawandels auf lokaler Ebene und den Entwicklungen der Stadt in den kommenden Jahren begegnet werden solle.
 

Per Stream ins Wohnzimmer

Wenn auch das „Begegnen“ beim diesjährigen Neujahrsempfang anders ausfiel, so durfte doch eines nicht fehlen: Die musikalische Umrahmung, die im Anschluss an die Neujahrsansprache live ins heimische Wohnzimmer übertragen werden konnte. Dazu spielte das Cello-Ensemble der Musikschule Herrenberg, bestehend aus Annika Mester, Andrés Ruiz-Sará, Lia Schrull und Lisa Stängle, das Concert „Le Phenix“, 1. Satz, Allegro, von Michel Corrette.
 

Ökumenischer Gottesdienst

Wie gewohnt hatte der gemeinsame Jahresauftakt auch dieses Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche begonnen. Unter dem Thema „Ein gutes Zeichen setzen“ fand der Gottesdienst am vergangenen Sonntagvormittag mit einer begrenzten Teilnehmerzahl und unter verschiedenen Auflagen statt. Die Predigt hielt Pastor Alfred Schwarzwälder von der Evangelisch-Methodistischen Kirchengemeinde. Er machte gemeinsam mit Dekan Eberhard Feucht, Evangelische Kirche, und Pfarrer Markus Ziegler von der katholischen Kirche Mut für das neue Jahr. Ein junges Paar erzählte von den Erfahrungen rund um die Verschiebung ihrer Hochzeitsfeier und aus der biblischen Geschichte der Hochzeit zu Kana zog Pastor Schwarzwälder Parallelen zu unserer heutigen, durch das Corona-Virus veränderten Zeit: Abgesagte Feste und Zusammenkünfte, kaum Gründe oder Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu feiern, die gedämpfte Freude auf die Zukunft. Aber eben auch die Einladung, über Einsichten und Erfahrungen der Pandemie nachzudenken, darüber, was man künftig mehr achten wolle. Vielleicht, so der Pastor, erlebe man auf diesem Weg dann auch das Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein, wie es auch bei der Hochzeit zu Kana geschehen war. Die musikalische Untermalung übernahm ein Ensemble der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde. Aufgrund der Corona-Auflagen wurde in diesem Jahr auf die Übertragung des Gottesdienstes in Gebärdensprache verzichtet.
 

Online abrufbar

Das Video der Neujahrsansprache sowie das des Gottesdienstes und auch die Rede von OB Sprißler zum Nachlesen finden sich unter www.herrenberg.de/neujahrsempfang. Um die Rede des Oberbürgermeisters auch Gehörlosen zugänglich zu machen, wurde sie von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.