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Partnerschaft für Demokratie Herrenberg startet ins neue Förderjahr


Mittleres Alter, gut gebildet, obere Mittelschicht: Städtische Beteiligungsprojekte erreichen oft nur eine begrenzte Zahl von Teilnehmern. So bleibt Bürgerbeteiligung unter ihren Möglichkeiten. Mit Hilfe des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ haben sich die Stadtverwaltung Herrenberg, der Stadtjugendring und ein buntgemischter 20-köpfiger Begleitausschuss auf den Weg gemacht, neue Wege auszuprobieren. Zum Jahresbeginn gibt die Fachstelle von „Demokratie leben!“ einen Rück- und Ausblick zu den verschiedenen Aktionen, Maßnahmen und Ideen.
 
„Vielfältiger, bunter, inklusiver und mittendrin – so wünschen wir uns Beteiligung in der Zukunft“, fasst Lia Stöffler, die neue Referentin für „Demokratie leben!“, die Vision des vierjährigen Projekts zusammen. Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, haben sich vielfältige Menschen zusammengeschlossen: Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft und der Stadt mit zwei gleichberechtigten Fachstellen (Städtisches Team Beteiligung und Engagement/BE und Stadtjugendring) bilden zusammen eine Herrenberger Partnerschaft für Demokratie. Die Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft entstammen den Bereichen Bürgermentorat, Regionale Wirtschaft, Bildungsarbeit, Jugendarbeit, Städtepartnerschaften, Bildungseinrichtungen, Migranten/innenselbstorganisation, Polizei, Glaubensgemeinschaften, Schulen, Fairer Handel, Spitalkirche, Generationenübergreifende Projekte.
 
Vielfalt bei Beteiligung erhöhen
Wie aber wollen sie die ambitionierten Ziele erreichen? Zum einen geht es ihnen darum, mit verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung, dem Team BE und dem Stadtjugendring die Vielfalt in den Beteiligungsprozessen zu erhöhen. „Wir wollen Menschen erreichen, die sich von allein nicht beteiligen würden und zwar Erwachsene und Jugendliche“, erklärt Vanessa Watkins als städtische Vertreterin der Partnerschaft für Demokratie. Die nächste Gelegenheit bietet sich hierfür 2021 im Rahmen der Überarbeitung des Herrenberger Leitbilds. Um dieses zu erneuern, werden Bürgerinnen und Bürger über eine digitale Umfrage befragt und auf dieser Grundlage die Handlungsfelder in Zusammenarbeit mit Vereins- und Jugendvertretern aktualisiert. Begleitet wird der Prozess durch ein Gremium aus Zufallsbürgerinnen und –bürgern. So soll sichergestellt werden, dass möglichst viele unterschiedliche Perspektiven in das neue Leitbild einfließen. Außerdem möchte die Herrenberger Partnerschaft für Demokratie die Zivilgesellschaft stärken und Aktionen rund um Demokratie, Toleranz und Vielfalt fördern.
 
Fachstelle „Demokratie leben!“
Lia Stöffler, studierte Sozialwissenschaftlerin aus Kuppingen, hat die Fachstelle von „Demokratie leben!“ seit dem Sommer inne. In dieser Funktion begleitet und berät sie als Mitglied des Teams BE Beteiligungsprojekte hinsichtlich „Mehr Vielfalt“. Anfang 2021 wird Helene Schächtele Nachfolgerin für Chris Nagler (Stadtjugendring). Helene Schächtele kümmert sich um Jugendliche und die Weiterbildungsreihe „Jetzt HEBT´S!“. Lia Stöffler und Helene Schächtele bilden dann zusammen die Herrenberger Fachstelle „Demokratie leben!“.
 
Foto von Lia Stöffler
Lia Stöffler, studierte Sozialwissenschaftlerin, hat die Fachstelle von „Demokratie leben!“ seit dem Sommer inne.


Rückblick aufs Jahr 2020
2020 hat sich der Herrenberger Begleitausschuss von „Demokratie leben!“ für die zweite Förderphase zusammengefunden und neue Vertreterinnen und Vertreter aufgenommen. Insbesondere sind nun auch unterrepräsentierte Gruppen und Personen dabei. Drei Treffen konnten live stattfinden, zwei weitere online. Außerdem veranstaltete Dr. Thomas Kuder in Kooperation mit dem Sinus-Institut für alle Interessierten eine Online-Weiterbildungsreihe. Kuder ist langjähriger Experte für das Thema Beteiligung, leitet den Arbeitskreis Breite Beteiligung und ist für die vhw, den Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung, tätig. Bei der Weiterbildungsreihe wurde die Frage behandelt, wer die beteiligungsfernen Gruppen sind und welche Gesellschaftsmilieus sich eher beteiligen bzw. zurückhalten. Es wurde festgehalten, wer sich gerne beteiligen würde, aber durch Barrieren im Alltag daran gehindert wird. „Die gewonnenen Erkenntnisse werden in künftige Beteiligungsprozesse einfließen“, so Lia Stöffler.
 
Internes Weiterbildungsangebot zu Beteiligung
Da sich die Aktualisierung des Leitbildes 2035 coronabedingt auf 2021 verschoben hat, bot sich für das Team BE letztes Jahr die Chance, ein anderes Projekt vorzuziehen. Gemeinsam mit der Universität Stuttgart wurde als Ergänzung zur städtischen Beteiligungsstrategie eine digitale Lernplattform und Weiterbildungen rund um das Thema Beteiligung für Mitarbeitende der Stadtverwaltung aufgebaut. „Als Mitmachstadt haben wir uns mit vielen Beteiligungs-Leuchtturmprojekten überregional einen Namen gemacht. Aber Leuchtturmprojekte allein sind uns nicht genug - wir wollen Beteiligung im täglichen Verwaltungshandeln verankern und alle Projektleitungen der Stadtverwaltung Herrenbergs befähigen, richtig gute Beteiligungsprojekte planen und umsetzen zu können“, so Oberbürgermeister Thomas Sprißler dazu. Die Bürgerbeteiligung ist das erste Programmziel.

Screenshot von der Lernwelt zum Thema Beteiligung im städtischen Intranet
Eine digitale Lernplattform und Weiterbildungen rund um das Thema Beteiligung für Mitarbeitende der Stadtverwaltung wurde im städtischen Intranet aufgebaut. 

Mehr Jugendbeteiligung
Hand in Hand haben Stadtjugendring und Stadtverwaltung als zweites Programmziel mehr Jugendbeteiligung vorangetrieben: Für den Herrenberger Klimafahrplan, die Leitbildentwicklung und die Kulturkonzeption fanden Jugendworkshops statt oder die Akteurinnen und Akteure planten die Jugendbeteiligung für 2021 vor. Im Rahmen der verwaltungsinternen Lernwelt entstand mit Jugendlichen ein Video, welches das Herrenberger Modell der Jugendbeteiligung erklärt. Beim Projekt „Mein – Dein – Unser Herrenberg“ ging es besonders darum, die Jugendbeteiligung vielfältiger zu gestalten. Zusammen mit der Mobilen Jugendarbeit wurden Jugendliche über kreative Aktionen ermutigt, sich für ihre Interessen einzusetzen, und es wurden auch wenig beteiligungsaffine Teenager aktiv eingebunden.
 
Stärkung der Zivilgesellschaft
Zur Stärkung der Zivilgesellschaft hinsichtlich Toleranz, Demokratie und Vielfalt als drittem Programmziel fand die erfolgreiche Weiterbildungsreihe „Jetzt Hebt‘s!“ in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Herrenberg ihre Fortsetzung: So gab es eine Veranstaltung zum Umgang mit Verschwörungsideologien, einen Workshop für Neuerungen während der Pandemie für Vereine und Vorstände und einen Kurs zur Gestaltung virtueller Gruppentreffen. Auch Projekte, die die Demokratie fördern, haben stattgefunden oder stehen an. Im März wird sich die Partnerschaft für „Demokratie leben!“ an den Internationalen Wochen gegen Rassismus beteiligen. „Wir haben uns große Ziele gesetzt für die kommenden Jahre und im ersten Jahr der Förderphase richtig gute Grundlagen geschaffen. Ich freue mich nun darauf, mit so vielfältigen Menschen in der Herrenberger Partnerschaft daran zu arbeiten, Beteiligung für alle einfacher und zugänglicher zu gestalten“, ist Stöfflers Resümee.
 
Die Partnerschaft für Demokratie Herrenberg wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesfamilienministerium gefördert.
Logos zur Herrenberger Partnerschaft von Demokratie Leben