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Weitere Obstbaumpflanzaktion in der Schwarzwaldsiedlung


Die Obstbaumfreunde stehen beim neuen BäumchnVor gut drei Jahren hatte sich eine Gruppe von engagierten Bürgern überlegt, wie man in der Schwarzwaldsiedlung dem Insektensterben vor der eigenen Tür entgegenwirken könnte. Ein schmaler Grünstreifen entlang des Schauinslandweges bot sich da an. Regelmäßig kamen dort die Mäher der Gartenabteilung der Technischen Dienste Herrenberg zum Einsatz. Blüten von wilden Kräutern hatten hier keine Chance. Das sollte im Interesse von Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingen anders werden. Das Stück wurde aus dem Mähplan der TDH herausgenommen und in der Folgezeit selbst gemäht. Das hatte den Vorteil, dass man den Blühzeitraum von wild wachsenden Kräutern und Gräsern abwarten konnte. Abgesehen vom Fußweg wurde die Hauptfläche nur noch zwei Mal gemäht, auch ließ man abgeblühte Blütenstände bewusst stehen. Dort lebende Insekten legen an ihren Stängeln ihre Eier ab. Auch Vögel bedienen sich im Winter gerne an den getrockneten Samenständen.

Nachdem nun nicht mehr mit großem Gerät gemäht werden musste, konnte man die Fläche auch ohne Probleme mit Apfelbäumen und Beerensträuchern bepflanzen. Die Bäume sind gut angewachsen und erste Äpfel konnten geerntet werden.

Derart ermutigt wurde im Frühjahr dieses Jahres ein weiteres „Ödland“, das bisher 8- bis 10-mal pro Jahr gemäht wurde und somit für die Natur ein Totalausfall war, zur Revitalisierung ins Auge gefasst. Das „Stückle“ liegt nicht weit weg vom bisherigen, nämlich an der Schwarzwaldstrasse, gleich unterhalb des U-Bogens.

Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen bei der Stadt, dem Amt für Technik und Grün (TUG), Herrn Rolf Bühler, die das neue Projekt wieder gerne unterstützten, wurde von TUG zunächst ein Streifen mit heimischer Blühmischung eingesät. Nach anfänglich zögerlicher Entwicklung wegen der anhaltenden Trockenheit im Frühsommer – die Saat sollte ohne Gießen auskommen - begann dann doch noch ein wahres Blütenfeuerwerk auf dem bislang nur von Hunden für ihr „Geschäft“ genutzten Streifen entlang des Gehweges an der Schwarzwaldstrasse. Selbst jetzt, Mitte November, blühen dort noch einige Pflanzen und beleben mit ihren Farbtupfern die vorher wenig ansprechende Grünfläche.

Zum Projekt, das finanziell vom Team Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Herrenberg gefördert wird, gehörte auch die Bepflanzung mit alten Apfelsorten durch die Mitglieder der Gruppe. So wurden Anfang November in einer nach dem Mondkalender günstigen Zeit neun verschiedene alte Apfelsorten gepflanzt: Jakob Fischer, Melrose, Pilot, Gravensteiner, Goldparmäne, Roter Berlepsch, Gerlinde, Roter Boskoop und Topaz kamen in die Erde. Man verbesserte das Substrat in den Pflanzlöchern mit abgelagertem Pferdemist, Pflanzerde, BSH-Dünger und Steinmehl. Die Halbstamm-Bäume sollen bis in ein paar Jahren im Frühjahr nicht nur Bienen und andere Insekten mit ihren Blüten ernähren, sondern auch die Menschen mit ihrer Blütenpracht erfreuen, von den reifen Äpfeln ganz zu schweigen.

Erschwert wurde die Baumpflanzung dadurch, dass wegen der Coronaeinschränkungen nur mit begrenzter Anzahl an Helfern gearbeitet werden konnte. Den Beteiligten hat die Arbeit dennoch sehr viel Spaß gemacht. Bestärkt wurden ihre Bemühungen um das Gemeinwohl durch die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Passanten und Nachbarn.

Ein Schild, das auf die Vorteile einer naturnahen Bewirtschaftung hinweist, wird noch aufgestellt. Es soll die Besitzer von Privatgärten ermuntern, den eigenen Drang zum Aufräumen, d.h. Entfernen von Verblühtem einmal hintanzustellen und im Sinne von Insekten und Vögeln mehr „Wildnis“ auch bei sich zuzulassen.

Die „Obstbaumfreunde Schwarzwaldstrasse“ sind keine geschlossene Gruppe. Interessierte sind jederzeit willkommen.

Vielleicht animiert dieses Bürger-Projekt ja auch andere Herrenberger, weniger attraktive, bislang ungenutzte Brachflächen in ihrer Umgebung in ökologische Biotope zu verwandeln.

Interessierte, die sich in ihrem Umfeld ähnliche Aktionen vorstellen können, sollten sich an Vanessa Watkins, Referentin für Bürgerprojekte, v.watkins@herrenberg.de oder Tel. 07032/201-8971 wenden.

Grün ist gut, bunt ist besser!

Jetzt müssen sie nur noch anwachsen.

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Redakteur / Urheber
Wolfgang Zwick