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Die mobile Vesperkirche


Die Tafel in Deutschland warne vor einem dramatischen Anstieg der sozialen Not durch die Corona-Kriese. Aufgrund von Jobverlusten und Kurzarbeit seien schon jetzt zusätzlich Tausende von Menschen auf die Versorgung gespendeter Lebensmittel angewiesen. Auch mit einer weiteren Zunahme sei zu rechnen.

Der Probelauf der "normalen" Vesperkirche hätte am 20.03.2020 starten sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese aber ausfallen. Dabei sollte man es in dieser schweren Zeit aber nicht belassen. Somit entschieden sich die Verantwortlichen der Vesperkirche aktiv zu werden. Die Vesperkirche wurde der Situation angepasst und es wurde die mobile Vesperkirche ins Leben gerufen. Ziel des mobilen Essenservice war es, bedürftigen Menschen in der aktuellen Lage zu unterstützen und ein kleines Zeichen der Aufmerksamkeit zu schenken. Menschen in Not konnten bei der evangelischen Erwachsenenbildung ein Essen bestellen. Das Essen wurde von einem Caterer  gekocht und von freiwilligen VesperkirchenmitarbeiterInnen an die bedürftigen Empfänger kostenlos oder zu einem geringen Beitrag verteilt. Finanziert wurde die Aktion durch Spendengelder aus der Aktion Vesperkirche des Gäuboten miteinander füreinander.

Jeden Samstag von Mitte April bis Anfang Mai war die mobile Vesperkirche von Herrenberg unterwegs. Die mobile Vesperkirche war ein großer Erfolg in der Corona-Pandemie. Auch wenn die Bedürftigen zu Beginn noch etwas zurückhaltend bei den Bestellungen waren, konnten die gute Essensqualität und die persönlichen, liebevollen Kontakte der VesperkirchenmitarbeiterInnen sehr schnell überzeugen. So verdreifachten sich die Bestellungen am darauffolgenden Samstag. Für alle, die ein Essen erhielten war es ein kleiner Lichtblick der Hoffnung und der Freude, in der doch oft sehr schweren letzten Wochen mit wenig Kontakten. An einem Samstag gab es neben dem Essen auch etwas Seelennahrung in Form einer Karte mit einem Gruß der Vesperkirche.

Mit diesem Essen wurden viele Menschen in der Obdachlosenunterkunft erreicht. Darunter auch eine Familie, die ihre Wohnung verloren hat und derzeit in einem Zelt hausen muss. Auch Menschen, deren Strom abgeschaltet wurde oder die Angst vor Ansteckung haben und nicht mehr aus  dem Haus gehen möchten, konnten mit der mobilen Vesperkirche erreicht werden. Wir durften Menschen kennen lernen, die am Rande der Gesellschaft leben und für die solch ein Essen ein ganz besonderer Lichtblick in dieser schweren Zeit dargestellt.

Und so wäre dann diese Aktion Anfang Mai ausgelaufen, weil die Finanzierung nicht mehr über die Spendengelder der Vesperkirche laufen durfte. Der Grund ist inhaltlich, das Modell Vesperkirche (also nicht die "mobile" Vesperkirche) hat inhaltlich eine andere Ausrichtung und dafür haben die Menschen gespendet. Die Verantwortlichen für die Vesperkirche konnten deshalb für die mobile Vesperkirche nur einen einmaligen Betrag bereitstellen, der nach vier Wochen ausgeschöpft war.

Aufgrund der zahlreichen positiven Rückmeldungen von den ehrenamtlichen Ausfahrern und den Menschen, die das Essen bekamen wurde ein Antrag an den Herrenberger Projektepool gestellt und die Presse informiert. Durch die Unterstützung konnte die Zeit überbrückt werden, bis erste Spenden eingingen. Inzwischen hat sich aus der Aktion ein richtig nachhaltiges Format entwickelt, welches in Kooperation mit dem Gabenzaun arbeitet.

An jedem Samstag bis Anfang August gibt es etwas zu Essen für Menschen in Not in Herrenberg. Einmal ein Brunch oder ein Vesperteller und jeden zweiten Samstag ist die mobile Vesperkirche unterwegs. All dies ist ein Schimmer der Hoffnung, welcher bedürftigen Menschen in dieser Zeit Mut schenkt. Es bleibt spannend, wie es ab August weitergeht.

Johannes Söhner

Diakon/ Bildungsreferent

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Redakteur / Urheber
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