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Für eine unsichere Zukunft gewappnet


Wie können sich Kommunen auf eine immer komplexere Welt vorbereiten? Dieser Frage ging der Kölner Zukunftsforscher Christian Schoon in einem Vortrag für den Gemeinderat nach, der jetzt für alle Herrenbergerinnen und Herrenberger online einsehbar ist. Die Stadträtinnen und –räte diskutierten die Thesen am 28. April in einem informellen Austausch und zeigten sich aufgeschlossen.

Die Welt verändert sich immer rasanter. In Anbetracht von Ereignissen wie der Covid-19-Pandemie oder dem Klimawandel ist guter Rat manchmal teuer. Auch angesichts von Trends und neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz haben viele nur das Nachsehen. Doch auf eine scheinbar chaotische Zukunft kann man sich vorbereiten. Das verdeutlichte Christian Schoon in seinem Vortrag „Zukunft planen in einer VUCA-Welt“. Als Zukunftsforscher bei der Stadt Köln organisiert er sogenannte Foresight-Projekte. Dabei analysiert er die möglichen Entwicklungen der nächsten Jahre. In seinem Vortrag führt er in die Zukunftsforschung ein. Interessierte können sich den Vortrag unter www.herrenberg.de/leitbild ansehen.

Zukunft planen in einer VUCA-Welt
Eingeladen hatten den Zukunftsforscher Vanessa Watkins und Lena Schuldt vom Team Beteiligung und Engagement und das Leitbild-Projektteam. Das Ziel: Gemeinsam Inspiration für kommende Planungen schaffen, zum Beispiel für die Fortschreibung des Leitbilds. Schoons Vortrag “Zukunft planen in einer VUCA-Welt” bietet eine Einführung in die Zukunftsforschung. Der Begriff VUCA, der eigentlich aus dem Militär und der Organisation stammt, beschreibt die Welt, in der wir leben. Er setzt sich aus den Worten Unbeständigkeit (“volatility”), Unsicherheit („uncertainty"), Komplexität („complexity") und Mehrdeutigkeit („ambiguity") zusammen. Trotz dieser Eigenschaften könne man in der Welt Strukturen erkennen und Zukunftsszenarien entwerfen. Dabei gelte es, frühzeitig Trends zu erkennen, aber auch Unvorhergesehenes in Überlegungen miteinzubeziehen.

Zukunftsforschung hilft bei Stadtplanung
In Workshops mit Foresight-Experten können auch Kommunen Trends verstehen und bewerten lernen. Dabei lassen sich verschiedene Arten von Zukunft unterscheiden, etwa wahrscheinliche oder spekulative Perspektiven. Die Teilnehmenden erarbeiten gemeinsam, welche Perspektiven sie brauchen und wie sie damit umgehen. Die Zukunftsforscher entwerfen dann verschiedene Szenarien. Allgemein empfiehlt Schoon Kommunen mehr Kooperation – in der Verwaltung selbst, mit anderen Gemeinden, aber auch in Form von Bürgerbeteiligung. Sein Rat: Eine moderne, agile und diverse Verwaltung schaffen, die sich fortwährend erneuert und neue Technologien nicht außen vor lässt. Als weitere wichtige Stichworte nannte er eine aktive, ganzheitliche und nachhaltige Herangehensweise und Bürgerorientierung im Service. Mit Hilfe von Trend-Workshops solle sich die Kommune die mittel- und langfristige Zukunft immer wieder vergegenwärtigen und sich mit deren Risiken und Chancen auseinandersetzen.

Screenshot von Vortrag des Zukunftsforschers Christian Schoon

Der Vortrag von Christian Schoon kann unter herrenberg.de/leitbild angesehen werden.

Herrenberg auf gutem Weg
„Sie sind ja schon sehr weit“, konnte Schoon den Herrenbergerinnen und Herrenbergern zu Beginn seines Vortrags bescheinigen. Später wies der Referent darauf hin, dass es Kommunen bei der Zukunftsplanung oftmals hilft, allgemeingültige Ziele zu verfolgen. Die Stadtverwaltung Herrenberg tut dies bereits, indem sie das künftige Leitbild an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ausrichtet. „Diese Ziele sind sehr trendbasiert und haben eine globale Gültigkeit“, sagte Schoon. Indem sich Herrenberg an ihnen orientiert, verankert sie die Nachhaltigkeit im kommunalen Handeln.

Austausch der Gemeinderatsmitglieder
In einer Online-Konferenz am 28. April tauschten sich die Stadträtinnen und –räte mit Christian Schoon aus und äußerten ihre Gedanken zum Vortrag. Wie etwa Flexibilität in die Verwaltung bringen, ohne gesetzliche Vorgaben zu verletzen? „Es ist eine Tradition, dass wir stark in Silos denken“, sagte der Experte und riet zu einem Kulturwandel hin zu mehr Kooperation, Offenheit und Interdisziplinarität. Die Stadträtinnen und -räte wollten auch von Erfahrungen mit Angeboten für die Kölner Stadt hören. Hier verwies Christian Schoon auf einen Trend-Workshop mit dem Kölner Jugendamt, das anschließend Medienpädagogen einstellte. Auf die schwäbische Bescheidenheit anspielend sagte Vanessa Watkins am Schluss der Diskussion: „Wir müssen auch mal sehen, wie viel wir schon umgesetzt haben.“ Auch Oberbürgermeister Thomas Sprißler zog ein Fazit: „Auf die Köpfe kommt es an. Wenn man Kultur verändern will, braucht man Mitstreiterinnen und Mitstreiter – in der Verwaltung, im Gemeinderat und in der Bürgerschaft.“ Die Herrenbergerinnen und Herrenberger zumindest sind gespannt auf die Zukunft und bereit, über den Tellerrand hinauszublicken, um ihr zu begegnen.