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Herrenberg im Zeichen des Regenbogens


Hissen der Fahne am vergangenen Montag mit OB Thomas Sprißler (links), Jugendlichen der „pride flag“-Gruppe und Gleichstellungsbeauftragte Birgit Hamm (zweite von links). Bild: Gabriel HolomHissen der Fahne am vergangenen Montag mit OB Thomas Sprißler (links), Jugendlichen der „pride flag“-Gruppe und Gleichstellungsbeauftragte Birgit Hamm (zweite von links).

Oberbürgermeister Thomas Sprißler hat am vergangenen Montag gemeinsam mit der Projektgruppe „pride flag“ und der Gleichstellungsbeauftragten Birgit Hamm die Regenbogenflagge am Oberamt gehisst. Sie steht als Symbol für die Vielfalt und die Anerkennung der „LGBTQ+ -Community“, die verschiedene Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen umfasst.

„Respekt und Toleranz im Umgang miteinander gehören zu den Grundwerten unserer Gesellschaft“, sagte OB Thomas Sprißler beim Hissen der Regenbogenfahne, „deshalb unterstützen wir als Stadt die Initiative der Jugendlichen sehr gern.“ Das Hissen der Fahne, das coronabedingt in kleinem Rahmen stattfand, ist der Auftakt für weitere Aktionen in Herrenberg. Die „pride flag“-Gruppe unter dem Dach des Stadtjugendrings und Jugendhauses will Wissen über die „LGBTQ+-Community“ vermitteln und damit Vorurteile abbauen sowie zum Dialog einladen. Die Stadt unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe in den sozialen Medien mit Posts auf den städtischen Kanälen und Artikeln im Amtsblatt. Auf der Website des Gleichstellungsbüros gibt es zudem eine Pinnwand, auf der Fragen zum Thema beantwortet werden.

Die Fahne

Die Abkürzung LGBTQ steht für „Lesbisch, Gay (Schwul), Bisexuell, Transgender und Queer“. „Queer“ wird auch als Überbegriff verwendet und fasst verschiedene sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten außerhalb der gesellschaftlich vorherrschenden Norm zusammen. Als Zeichen für die LGBTQ+-Community“ gilt die elffarbige Fahne. Sie weht bis Ende Juni an fünf Standorten in Herrenberg: an Bahnhof, Musikschule, Andreae-Gymnasium Herrenberg (AGH), Schickhardt-Gymnasium Herrenberg (SGH) und Marktplatz. Die sechs Streifen in Regenbogenfarben stehen für die Hoffnung auf Veränderungen, für Frieden, Toleranz, Sehnsucht und Akzeptanz. Angeordnet in einem Pfeil werden die Regenbogen-Farben durch Weiß, Pink und Blau aus der „Transgender-Fahne“ ergänzt. Mit Braun und Schwarz wird zusätzlich ein besonderes Augenmerk auf Menschen gelegt, die durch ihre Hautfarbe oder eine AIDS-Erkrankung mehrfach diskriminiert werden.

Warum feiert die Gemeinschaft im Juni?

Der Juni gilt als sogenannter Pride Month und geht zurück auf die „Stonewall-Proteste“ in New York im Juni 1969. Sie gelten als Wendepunkt im Kampf für die Gleichberechtigung von „queeren“ Menschen. Heute wird weltweit im Juni die bunte Vielfalt der Menschen und der Kampf für Gerechtigkeit gefeiert. In Deutschland standen homosexuelle Handlungen bis 1994 unter Strafe, erst dann wurde der Paragraph 175 abgeschafft. Die vollständige Gleichberechtigung ist bis heute nicht erreicht.

Diskriminierung im Alltag

Die Jugendlichen der „pride flag“-Gruppe berichten vor allem von persönlichen Diskriminierungen im Alltag, die belastend seien. Diese reichten von schockierten Blicken bis hin zu körperlicher Gewalt. Oft geschehe dies auch unterschwellig, etwa mit den Worten „Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…“. Viele seien sich auch nicht bewusst, dass sie diskriminierend handelten. Zum Beispiel, wenn nicht-heterosexuellen Menschen die Fähigkeit abgesprochen wird, sich ihrer eigenen Sexualität bewusst zu sein, etwa mit den Worten „das ist doch bloß eine Phase“. Heterosexualität werde als Standard angesehen – für alles andere müsse man sich oft rechtfertigen, sagen die Jugendlichen. Dabei wird geschätzt, dass sich zwischen sieben und zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland zur „LGBTQ+ Community“ zählen.

Aufklärung tut Not

Wichtig sei es, auf die eigene Sprache und das Verhalten zu achten, um andere Menschen nicht zu verletzen, ist sich die „pride-flag“-Gruppe einig. Auch die Tatsache, dass viele Menschen Angst hätten, ihre eigene Sexualität zu zeigen und sich zu outen, zeige, dass Beziehungen abseits von Mann-Frau noch nicht weit genug in der Gesellschaft angekommen sind. Oft werde eine Diskriminierung auch als Meinung getarnt. Spricht eine Meinung aber anderen Menschen ihre eigene Identität, Sexualität oder ihr Grundrecht auf ein selbstbestimmtes Leben ab, sei sie diskriminierend, sind die Jugendlichen überzeugt.

Mensch im Mittelpunkt

Mit ihrer Aufklärungskampagne in den sozialen Medien wollen sie anregen, die eigene Haltung zum Thema Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierungen zu hinterfragen, Erwartungen voneinander abzulegen und sich gegenseitig zu akzeptieren, sprich: den Menschen zu sehen ohne Vorurteile und Stereotypen.

Zur Pinnwand für Fragen und Kommentare geht es unter www.herrenberg.de/aktuelles. Unter dem Hashtag #HerrenbergZeigtFlagge gibt es auf Instagram weitere Infos.

Über den Stadtjugendring

Der Stadtjugendring Herrenberg e.V. setzt im Auftrag der Kommune die Kommunale Jugendbeteiligung um. Diese wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“