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„Vier Jahreszeiten“ werden restauriert


Von Juni bis Ende August finden im Fruchtkasten Restaurierungsarbeiten statt: Die „Vier Jahreszeiten“ - ehemalige vier Eckfiguren der Ammermühle von Johann Jacob Khönle aus dem 17. Jahrhundert - werden auf Vordermann gebracht. Die restaurierten Figuren werden nach der Sanierung des Fruchtkastens wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Fruchtkasten sind derzeit Restauratoren am Werk: Die freiberufliche Diplom-Restauratorin Antoaneta Ferres aus Böblingen und ihr Team haben im Juni mit der Restaurierung der so genannten „Vier Jahreszeiten“ begonnen. Diese Eckfiguren aus Eiche von einem/r unbekannten Künstler/in stammen von der Außenfassade der von Kaufmann Johann Jacob Khönle (1652 bis 1731) gekauften von neu aufgebauten dritten Ammermühle in Herrenberg. Die vier geschnitzten Eckpfosten stellen Johann Jakob Khönle und zwei seiner vier Ehefrauen als Verkörperungen der Jahreszeiten dar. Die Figuren von Frühling und Sommer entstanden 1699 und sind aus massiven Eichenbalken gefertigt. Die im Jahr 1707 hinzugefügten Darstellungen von Herbst und Winter wurden dagegen auf die massiven Eckbalken vorgeblendet. Die Restaurierung wird vermutlich bis Ende August dauern. Die Kosten von rund 32.000 Euro für die Restaurierung trägt zur Hälfte die Stadt Herrenberg. Der andere Teil wird durch Fördermittel der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg abgedeckt. „Wir konnten diesen wichtigen Fördermittelgeber für uns gewinnen”, freut sich die städtische Fruchtkasten-Projektsteuerin Jessica Dubovski.

Geschichte der „Vier Jahreszeiten“
Nach dem Abbruch der Ammermühle im Jahr 1968 wurden die Eckfiguren im Erdgeschoss des Fruchtkastens ausgestellt. Die Stadt Herrenberg plant, die derzeit stark verwitterten Bildwerke nach deren Restaurierung und Zwischenlagerung in einem Außendepot ab dem Jahr 2024 im dann sanierten Fruchtkasten, voraussichtlich im ersten Dachgeschoss, wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Figuren befinden sich aktuell in einem schlechten Erhaltungszustand mit stets fortschreitendem Substanzverlust. Die Holzoberfläche ist stark bis sehr stark verwittert, die Holzsubstanz ist durch Pilz- und Schädlingsbefall in den oberen Schichten der Skulpturen in beachtlichem Maße geschwächt oder bereits abgebaut. Die Fassung, die aus mehreren Farbanstrichen besteht, ist nur noch in einem fragmentierten Zustand vorhanden.

Blick in den Fruchtkasten auf die Figurengruppe "Vier Jahreszeiten"

Die "Vier Jahreszeiten" stehen aktuell noch im Erdgeschoss des Fruchtkastens. Sie werden vor Ort restauriert.

Details zu den Restaurierungsarbeiten
Bei diesen Restaurierungsarbeiten werden die Figuren lediglich konservatorisch gesichert, um sie vor dem weiteren Zerfall zu bewahren. Hierfür werden gelockerte Partien und Brüche im Holz stabilisiert, die angegriffenen Bereiche der Holzsubstanz werden gefestigt. Auf weiterführende Maßnahmen wie Ergänzungen oder Rekonstruktionen von fehlenden Elementen im Holz wird verzichtet. Nur besonders störende Flecken und Fehlstellen im Holz oder in der Fassung werden retuschiert. „Diese Erhaltungsstrategie geht bewusst puristisch mit dem vorgefundenen Zustand der Objekte um“, erklärt Dubovski. Entsprechend dem Wunsch des damaligen Auftraggebers soll die Verwendung der Figuren als Fassadenfiguren, welche Jahrhunderte der Witterung ausgesetzt waren, auch heute klar ablesbar bleiben.

Hintergrund-Infos zum Fruchtkasten und dem Sanierungs-Projekt
Der Fruchtkasten in der Tübinger Straße mit seiner Fachwerk-Fassade ist eines der ältesten Gebäude in der Herrenberger Altstadt. Er wurde 1683/84 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Ursprünglich diente der Fruchtkasten als Lager für den „Zehnt“, also die Abgaben des landwirtschaftlichen Ertrags an die Herrschaft. Nachdem der Zehnt im Jahre 1848 abgeschafft wurde, erwarb die Stadt 1851 das Gebäude, das lange Zeit überwiegend als Lagerraum genutzt wurde.

Der Fruchtkasten soll in den nächsten Jahren saniert und neu genutzt werden. Im Herbst 2018 hat der Gemeinderat einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst. Im Oktober 2020 wurde beim Architekturwettbewerb der Beitrag des Stuttgarter Ateliers Brückner als Siegerentwurf gekürt. Der Gemeinderat hat im Dezember 2020 beschlossen, den Auftrag zur Ausführung der Sanierung an diesen Wettbewerbssieger zu vergeben. Im März 2021 wurde bekannt, dass Herrenberg für das Projekt vier Millionen Bundesmittel erhält. Im April 2021 vergab der Gemeinderat Leistungen an verschiedene Fachplanungsbüros. Die Vorentwurfsplanung ist Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung am 6. Juli 2021.

Weitere Infos: www.herrenberg.de/fruchtkasten.