Nachricht

Weltladen bietet an neuem Standort erweitertes Sortiment an


Die UN-Agenda 2030 setzt sich für eine ökologische und sozialere Entwicklung in der Welt ein und hat dazu 17 Nachhaltigkeitsziele (englische Abkürzung: SDGs) festgelegt. Die Stadt Herrenberg hat diesen Impuls aufgenommen und schreibt das Leitbild Herrenberg 2035 im Sinne dieser Ziele fort. Zur lokalen Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele trägt der Weltladen Herrenberg schon seit Jahrzehnten maßgeblich bei. In diesem Artikel steht die Arbeit des Herrenberger Weltladens für eine gerechtere Welt im Fokus.

1974 gründete eine Gruppe Engagierter den Verein Partnerschaft Dritte Welt e. V. Kurze Zeit später eröffnete der Verein in der Stuttgarter Straße einen Weltladen. Der Herrenberger Weltladen war einer der ersten seiner Art in Deutschland. Am verganenen Samstag ist er von seinem zweiten Domizil in der Stuttgarter Straße 12 in die Bronngasse 2, direkt an den Marktplatz gezogen. Mit dem Unverpackt-Laden und der Markthalle, in der auch das E-Lastenfahrrad steht, bildet der Herrenberger Weltladen ein in deutschen Städten wohl einzigartiges “Ensemble der Nachhaltigkeit”. Der Weltladen und der Verein Partnerschaft Dritte Welt setzen gleich mehrere SDGs in die Tat um: Zuvorderst natürlich das SDG 1 „Armut in jeder Form und überall beenden“. Auch das SDG 5 „Gleichstellung der Geschlechter“, das SDG 12 „Nachhaltiger Konsum“ und das SDG 17 „Partnerschaft zu Erreichung der Ziele“ bringen sie mit ihrem Engagement voran.

Verein Partnerschaft Dritte Welt in Herrenberg
Hanne Ueltzen, Vorständin des Vereins, beschreibt die drei Säulen der Vereinstätigkeit: „Zum einen verkaufen wir fair gehandelte Produkte und zum anderen vermitteln wir Information und Bildung. Drittens treiben wir die politische Kampagnenarbeit voran – wie derzeit etwa mit unserem Einsatz für das Lieferkettengesetz.“ Ein Team von 15 bis 20 Personen führt den Laden und organisiert die Bildungs- und Kampagnenarbeit. Der gesamte Verein dahinter zählt rund 100 Mitglieder. „Alle bringen ehrenamtlich unzählige Stunden ein, um der Vision nachzugehen, dass die Welt sozialer und gerechter wird“, sagt Katja Klaus, auch sie ist Vorständin im Verein. Anders als konventionelle Lebensmittelhändler garantiert der Weltladen, dass je nach Produkt bis zu 25 Prozent der Preise bei den Produzenten ankommen. Das ist wichtig, denn in den Herstellungsländern existiert oft keine Sozialgesetzgebung. Arbeits,- Umwelt- und Menschenrechte werden nicht eingehalten.Vielfach fehlt das Nötigste zum Leben, wie Nahrung oder ein Dach über dem Kopf. Die Auswirkungen sind Migration und Landflucht. „Der Mensch steht beim fairen Handel im Mittelpunkt und nicht der Profit“, erklärt Klaus das Prinzip des Weltladens.

Klein beginnen, Großes bewirken
Wenn Käuferinnen und Käufer die Produzenten unterstützen wollen, müssen sie bereit sein, einen Aufpreis zu zahlen. Hanne Ueltzen weist aber darauf hin, dass in die Preise der Ressourcenverbrauch mit eingerechnet ist, weil die Produzenten nachhaltig wirtschaften. „Wir haben echte Preise“, betont sie. “Um den Bauern in den Ländern des globales Südens zu helfen, kann man mit dem Kauf von einem Alltagsprodukt aus dem fairen Handel anfangen – wie etwa Kaffee oder Kakao“, rät Katja Klaus. “Sobald man sich mit dem Thema beschäftigt, sieht man auch die Dringlichkeit, etwas am Welthandel zum Positiven zu verändern. Jede Entscheidung, sei sie auch noch so klein, kann etwas bewegen“, meint Ueltzen. Mit Überschüssen aus dem Laden unterstützt der Verein verschiedene soziale Projekte weltweit, so etwa den Förderverein Nordkenia Jambo!, das Projekt „Wasser für Bedogo“ im Tschad oder das Village Pioneer Project in Nigeria; aber auch Projekte in Asien und Lateinamerika.

Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele
Wie treiben der Verein und der Weltladen die anderen SDGs voran, zum Beispiel die Gleichstellung von Frauen? Dies tun sie mit Unterstützung von Partnerorganisationen, indem bei den Produzentengenossenschaften und Projekten auf Gleichberechtigung und Beratungs- und Bildungsangebote für Frauen geachtet wird. „Entwicklungsarbeit muss auf gleicher Augenhöhe stattfinden“, bemerkt Ueltzen zum SDG 17 – Stärkung von Partnerschaften. Die Engagierten setzen sich zum Beispiel dafür ein, dass Rohstoffe dort verarbeitet werden, wo sie abgebaut werden. Auch der Faire Handel ist von der Corona-Krise stark betroffen. „Wir haben aber viele Stammkunden, die uns über die ganzen Jahre in unseren Zielen unterstützen“, sagt Hanne Ueltzen. Außerdem hat sich der Verein an der Aktion #fairwertsteuer beteiligt und die Mehrwertsteuerabsenkung an einen Fonds zur Unterstützung von betroffenen Handelspartnern weitergegeben. Im Unterschied zum konventionellen Lebensmittelhandel hat der geprüfte Faire Handel, der zum Beispiel Mitglied in der World Fair Trade Organization oder im Lieferantenkatalog der Weltläden aufgenommen ist, während der Krise den Bauern Vorauszahlungen geleistet und keine Aufträge storniert.

Foto von der Eröffnung des Herrenberger Weltladens am neuen Standort Marktplatz.

Reger Besuch am Eröffnungstag des Weltladens: Seit Anfang Juli ist das Geschäft für fair gehandelte Produkte direkt am Marktplatz zu finden.

Neuer Laden ist auch Lernort
Den Umzug in den neuen Laden finanzierte der Verein aus eigenen Überschüssen. „Das ist für uns ein ziemlicher Kraftakt“, meint Ueltzen. In der neuen Bleibe freuen sich das Ladenpersonal und der Verein über weitere Unterstützerinnen und Unterstützer, denn die Räumlichkeiten erfordern mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und direkt am Markt ist natürlich die Miete deutlich höher. In den Veranstaltungen des Weltladens, etwa in Kooperation mit der Stadtbibliothek und der evangelischen Erwachsenenbildung, kann man sich über die Situation der Kleinbauern und Fairen Handel informieren – künftig auch in weitläufigeren Räumen. Regelmäßig laden die Engagierten Produzenten ein, nutzen den Laden mit eigenen Lehrmaterialien als Lernort für Schüler und andere Gruppen oder erklären in Kooperation mit den Bananologen anschaulich den Fairen Handel. Im neuen Laden gibt es zusätzlich eine Infoecke, in der man bei einem Kaffee Bücher und  Zeitschriften zum Thema lesen kann, sich über die Hintergründe der Produkte informieren oder sich Dokumentationen anschauen und Podcasts hören kann. Mit Mitteln des Herrenberger Projektepools, der Bürgerstiftung Herrenberg und der Kreissparkasse Böblingen ist es den Engagierten gelungen, diese Ecke zu finanzieren.

Weitere Infos: weltladen-herrenberg.de