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Von autonomen Drohnen bis zur Gäustrom-Gesellschaft


Was verbindet ADFC, AK Energie, BUND, Gemeinwohl Ökonomie, Kreisbauernverband, NABU, Stadtjugendring und Verkehrsclub Deutschland? Alle acht Gruppen engagieren sich für mehr Klimaschutz in Herrenberg und gehören dem Klimabeirat an. Unterschiedlich sind dagegen ihre Ideen für ein klimaneutrales Herrenberg bis spätestens 2050. Diese reichen von der Versorgung mit autonomen Drohnen über mehr Bioprodukte in städtischen Mensen und mehr Grün in der gesamten Stadt bis zur Etablierung einer Gäustrom-Gesellschaft.

ADFC – Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club

Für eine Verkehrswende mit dem Fahrrad im Mittelpunkt setzt sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, ADFC, ein. Seine Vision für 2050: Durch eine Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrende und eine Reduzierung des Auto- und Lieferverkehrs hat sich die Lebensqualität in Herrenberg spürbar verbessert, die Innenstadt ist abgas- und lärmfrei, autonom fahrende Drohnen übernehmen die Ver- und Entsorgung in der Stadt. Um dieser Vision näher zu kommen, sind aus Sicht des ADFC unter anderem ein schneller, konsequenter Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur und mehr Radabstellanlegen in der Stadt wichtig.

Arbeitskreis Energie

Klimaneutralität ist dringend, unausweichlich und lohnend – dies ist die Überzeugung des Arbeitskreis Energie. Seine Vision: Energie-Ressourcen möglichst sinnvoll und nachhaltig in Herrenberg nutzen. Insbesondere durch den Ausbau von PV-Anlagen und thermischen Solaranlagen sowie die Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge könnte dies laut AK Energie gelingen. Außerdem sollen Gas- und Ölheizungen auf strombetriebene Wärmepumpen umgestellt werden. Bereits heute tragen die Herrenberger Sonnendächer und die Energieberatung des AK-Energie zu mehr Klimaschutz vor Ort bei.

BUND – Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland

Der BUND – Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland ist einer der großen Umweltverbände der Bundesrepublik. Die Vision des Ortsverbands Herrenberg und Umgebung für 2050 lautet: Wärmen, Kühlen und Stromerzeugung erfolgen ausschließlich aus regenerativer Energie, der motorisierte Verkehr wird treibhausgas- und schadstoffneutral. Die Verpflichtung zum Bau von Photovoltaikanlagen für Neubauten beziehungsweise zum Bezug von Fernwärme aus regenerativer Energie spielen hierbei laut BUND eine entscheidende Rolle. Durch mehr Begrünung in der Kernstadt und den Stadtteilen soll bereits heute mehr Klimaschutz erreicht werden.

GWÖ – Gemeinwohl Ökonomie

Ziel der GWÖ – Gemeinwohl Ökonomie ist es, ein neues Wirtschaftssystem zu etablieren, das Unternehmen nicht nur an der finanziellen Performance misst, sondern auch an anderen Werten wie ökologische Nachhaltigkeit. Da der nachhaltige Umgang mit Ressourcen der Erde auch im Klimabeirat Thema ist, engagiert sich die Regionalgruppe Herrenberg in dem Gremium. Zu ihrer Vision für 2050 gehört, dass Unternehmen in Herrenberg ausschließlich nicht-fossile Energie nutzen. Die Gruppe fordert deshalb unter anderem die Einrichtung eines Büros, das Unternehmen und Privatpersonen über die Möglichkeiten nicht fossiler Energieträger und weitere Themen berät.

Kreisbauernverband Böblingen

Der Kreisbauernverband Böblingen vertritt die landwirtschaftlichen Betriebe in den Herrenberger Stadtteilen. Im Klimabeirat setzt er sich für einen Klimaschutz ein, der auch den Natur- und Artenschutz im Blick hat. Die Vision des Kreisbauernverbands: Im Jahr 2050 gibt es immer noch eine regionale Landwirtschaft in allen Herrenberger Stadtteilen, die Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln erfolgt über traditionelle und neue Wege. Für den Kreisbauernverband kommt es hierbei vor allem auf zwei Punkte an: die Reduzierung der Versiegelung fruchtbarer Flächen und den Einsatz moderner Technik in der Landwirtschaft.

NABU – Naturschutzbund Deutschland

Da der Klimawandel eine Gefahr für Menschen, Tiere und Pflanzen bedeutet, ist Klimaschutz für den NABU – Naturschutzbund Deutschland ein elementares Anliegen. So fordert die Ortsgruppe Gärtringen-Herrenberg-Nufringen etwa, dass städtische Klimaschutzmaßnahmen die Belange des Natur- und Artenschutzes mitberücksichtigen. Ihre Vision: Herrenberg erreicht seine Klimaschutzziele deutlich vor 2050 und hat überregionalen Vorbildcharakter. Hierfür sind laut NABU der Konsum von Bio-Lebensmitteln und weniger tierischer Produkte sowie der Ausbau von Photovoltaik zentral. Zu mehr Klimaschutz heute könnte beitragen, dass Schulmensen verstärkt auf regionale Bioprodukte und vegetarische Angebote setzen und die lokale Vermarktung von Lebensmitteln gestärkt wird.

Stadtjugendring, Projektgruppe Klimafahrplan

„Prävention statt Klima-Eskalation“ lautet ein Leitgedanke der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich im Klimabeirat als Projektgruppe des Stadtjugendrings engagieren. Das klimaneutrale Herrenberg 2050 besteht aus lebendigen Quartieren mit kurzen Wegen und einem gut ausgebauten, kostenlosen ÖPNV sowie fahrrad- und fußgängerfreundlichen Straßen mit weniger Platz für Autos. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen laut Projektgruppe vor allem Emissionen reduziert werden, insbesondere durch die Mobilitätswende. Ein weiteres zentrales Anliegen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Klimabildung, denn: Nur wer über die Klimakrise Bescheid wisse, werde auch etwas dagegen tun.

VCD – Verkehrsclub Deutschland

Der VCD – Verkehrsclub Deutschland vertritt im Klimabeirat die Interessen von umweltbewussten, mobilen Menschen. Künftig soll der Fuß- und Radverkehr in der Städte- und Verkehrsplanung mit höchster Priorität behandelt werden, der Verkehr vor Ort soll klimafreundlich und menschlicher werden. So soll das Auto im Jahr 2050 den öffentlichen Raum nicht mehr dominieren, sondern ein Fortbewegungsmittel unter vielen sein. Aus Sicht der Herrenberger Gruppe des VCD kommt es deshalb darauf an, Straßen rückzubauen, um Platz für Rad- und Fußverkehr und Grünland zu schaffen, den Busverkehr auszubauen und ein Shuttle-Netz für Lieferungen, etwa für Einkäufe, zu etablieren.

Klimabeirat

Der Klimabeirat wurde im Herbst 2020 ins Leben gerufen und wirkt aktiv bei der Erarbeitung des Klimafahrplans mit. 33 Personen sind in dem Gremium vertreten: Stadtpolitik, Verwaltung, Wirtschaftsförderung, Energieversorger, BUND und NABU, gemeinnützige Initiativen, wie der Runde Tisch Radverkehr, sowie Vertreter der Jugenddelegation. Das erste Treffen fand am 24. September statt, seitdem tagt der Klimabeirat regelmäßig. Nach der Verabschiedung des Klimafahrplans durch den Gemeinderat soll der Klimabeirat als Gremium etabliert werden, um die Umsetzung der Klimafahrplan-Maßnahmen zu kontrollieren und weiterhin neue Impulse zum Klimaschutz in Herrenberg zu setzen.

Mehr erfahren: www.herrenberg.de/klimabeirat

Über den Klimafahrplan

Die Stadt Herrenberg hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Hierfür erarbeitet die Stadtverwaltung unter Einbindung der Politik und Stadtgesellschaft einen Klimafahrplan. Im Rahmen des Beteiligungsprozesses haben bereits mehrere Workshops und Veranstaltungen sowie zwei Klimawerkstätten stattgefunden. Kürzlich hat die Stadtverwaltung einen neuen Entwurf für den Klimafahrplan mit knapp 100 Maßnahmen vorgelegt; Ende Juli wird der Klimabeirat hierüber beraten.

Mehr erfahren: www.herrenberg.de/klimafahrplan