Nachricht

Richtungsentscheidung für Masterplan Schulen


Schulraumschaffung, Ganztagesangebote, Inklusion – der Masterplan für die Herrenberger Schulen soll die großen Linien der Entwicklung in den kommenden Jahren aufzeigen. Eine Richtungsentscheidung des Gemeinderats ist für die letzte Sitzungsrunde vor den Sommerferien geplant, zuvor berät der Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am 21. Juli. Die Vorschläge, welche Grundsätze in den einzelnen Themenbereichen gelten sollen, hat ein Begleitgremium vorbereitet.

Sanierungsbedarf, Barrierefreiheit und Brandschutz, Ausbau der Ganztagsbetreuung, neue Unterrichtsformen und pädagogische Ansätze – die vielfältigen Entwicklungen in den Schulen machen aus dem Masterplan Schule eine hochkomplexe Angelegenheit. „Die Schulentwicklung ist eine enorm wichtige Zukunftsaufgabe für Herrenberg und zugleich eine große Herausforderung nicht zuletzt in Sachen Finanzierung. Der Masterplan Schulen ist eine Weichenstellung dafür, was mit den 15 Schulgebäuden in der Stadt passiert und wie man sie fit macht für die künftigen Aufgaben“, betont Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Dabei gehe es immer um eine schwierige Abwägung zwischen dem, was in den Schulen gewünscht und benötigt werde und dem Machbaren.

Um der Themenfülle und Komplexität der Zusammenhänge Herr zu werden, hat der Gemeinderat sich mehr Zeit für das Thema gegeben und ein Begleitgremium eingerichtet, das aus der Vorarbeit, die Verwaltung und Schulen geliefert hatten, Vorschläge für die Richtungsentscheidungen erarbeitet hat. In insgesamt sieben Workshops berieten sich Fraktionsmitglieder des Schulbeirats, gewählte Vertretungen der Schulen und des Gesamtelternbeirats sowie Mitglieder der Projektgruppe Masterplan Schulen von Oktober 2020 bis Mai 2021.  In seiner Sitzung am 27. Juli entscheidet der Gemeinderat über die Empfehlungen des Begleitgremiums.

Nach dieser Richtungsentscheidung müssen die Machbarkeitsuntersuchungen für einzelnen Schulen aktualisiert und bis Anfang 2022 fertiggestellt werden. Mit diesen Grundlagen lassen sich anschließend die Fahrpläne für jede einzelne Schule fertigstellen und der Masterplan Schule kann nach einer erneuten Beteiligungsrunde der Schulen und Gremien endgültig verabschiedet werden. Die Umsetzung einzelner Vorhaben bedarf neben zusätzlicher finanzieller Fördermittel jeweils einzelner Umsetzungsbeschlüsse des Gemeinderats – auf Basis der im Masterplan festgelegten Reihenfolge und Prioritäten.

Schulraum schaffen

Wie kann in Zukunft weiterer Schulraum geschaffen werden und welche Strategie soll dabei verfolgt werden? Das diskutierte das Begleitgremium bei seinem ersten Workshop im Oktober 2020. Schulen benötigen zusätzliche Räume, zum einen, weil die Schülerzahl stetig steigt, zum anderen, um die pädagogische Qualität des Unterrichts zu verbessern. Die Teilnehmenden einigten sich darauf, dem Gemeinderat eine zielgerichtete Schülerlenkung und die gezielte Planung und Konzentration des Raumbedarfs zu empfehlen. Damit dies gelingt, könnten die Schulbezirke angepasst werden, zum Bespiel, indem die Wohngebiete statt zur Pfalzgraf-Rudolf-Schule zur Vogt-Heß-Gemeinschaftsschule zugeordnet werden. Außerdem sollten Synergien genutzt werden: Schulen sollten Fachräume gemeinsam nutzen. Weiter empfiehlt das Gremium dort Grundschulen zu bauen, wo die Schülerinnen und Schüler herkommen.

Ganztagesangebote

Derzeit gibt es nur an den Schulen der Kernstadt die Möglichkeit der Ganztagesbetreuung. Um der wachsenden Nachfrage zu begegnen und die Schulen in der Kernstadt zu entlasten, sieht der Masterplan Schulen den Ausbau der Ganztagesangebote vor. Nicht zuletzt der geplante Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung ab dem Jahr 2025 macht einen flächendeckenden Ausbau der Angebote nötig. Wie dieser Ausbau gestaltet werden kann, besprach das Begleitgremium in einem weiteren Workshop im Oktober. Die Mitglieder entwickelten dabei die Empfehlung, das Angebot mithilfe eines Stufenplans flächendeckend auszubauen. Auch die Ergebnisse aus den Machbarkeitsstudien sollen darin einfließen. Sie raten dazu, die Vision, alle Grundschulen in Ganztagesschulen umzuwandeln, weiterzuverfolgen.

Inklusion

Auch beim Workshop zum Thema Inklusion im November 2020 erarbeitete das Gremium einen Vorschlag. Pro Schulart soll jeweils eine Schule vollständig rollstuhlgerecht werden. Demnach soll die Infrastruktur an geeigneten Gebäuden weiterentwickelt und nachhaltiger werden. Das gilt für die bestehenden Schulgebäude, bei Neubauten sind die geltenden Standards zur Barrierefreiheit grundsätzlich vollständig umzusetzen. Inklusion an Schulen bedeutet jedoch nicht nur Barrierefreiheit, sondern auch, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können. Jedes Kind sollte entsprechend seiner Begabung einen Schulabschluss machen können. Deswegen raten die Mitglieder des Begleitgremiums dazu, in Zukunft mehr Außenklassen einzurichten, also Klassen mit Kindern mit und ohne Beeinträchtigung. Dazu gelte es, Kooperationen zwischen Regelschulen und sonderpädagogischen Förderzentren und –Projekten weiter voranzutreiben. Zudem würden mehr Klassenzimmer und sogenannte Differenzierungsräume benötigt. Dabei handelt es sich um Räume, in denen Kinder individuell gefördert werden können.

Sanierung

Auch die Frage nach der Sanierung städtischer Schulen soll im Masterplan Schulen festgehalten werden. Im Januar 2021 diskutierte das Begleitgremium die Möglichkeiten in einem vierten Workshop. Die Teilnehmenden stimmten dabei für die Empfehlung, den Sanierungsbedarf an Schulen weiter abzubauen und dabei die Themen des Schulentwicklungsplanes zu berücksichtigen. Wichtig dabei sei es, den Sanierungsprozess transparent zu gestalten und für eine logische Abfolge der Maßnahmen zu sorgen. Hierfür sollte je nach Dringlichkeit pro Schule ein eigener „Fahrplan“ erstellt werden.

Finanzierung

Ergebnis des Workshops zur Finanzierung im Februar 2021 war, die bisherige Strategie zu erweitern. Damit soll der Sanierungsstau abgebaut und gleichzeitig Neubauprojekte ermöglicht werden. Bisher ist ein erhöhter Finanzierungstopf im Ergebnishaushalt vorgesehen, womit kleinere Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Größere Investitionen werden für jede Einzelmaßnahme im Gemeinderat diskutiert und beschlossen. Dabei kommt es oftmals zu langfristigen Entwicklungsplanungen. Das Begleitgremium hat daher vorgeschlagen, keinen Topf für Schulbaumaßnahmen zu bilden, sondern diese stattdessen einzeln zu planen. Im Rahmen des Haushaltsplans sollen die Investitionen im Schulbereich als Gesamtsumme ausgewertet werden. Das Gremium sieht den Vorteil darin, so mehr Bewusstsein für schulische Investitionen zu schaffen. Grundsätzlich sollen große Investitionen weiterhin in der freien Entscheidung des Gemeinderats liegen.

Synergien

An zwei Terminen im Mai diskutierte das Begleitgremium abschließend, welche Maßnahmen im Masterplan Schulen berücksichtigt werden sollten und welche Synergien dabei genutzt werden können. Ziel war es, die Wichtigkeit der Themen abhängig von der Dringlichkeit nochmals zu bestätigen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Dazu ordneten die Mitglieder im ersten Schritt die Themen nach ihrer Wichtigkeit. Darauf basierend erstellten sie bei einem zweiten virtuellen Treffen eine Übersicht über die Maßnahmen, die in den einzelnen Schulen anfallen.