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Anpacken und mithelfen sind 112 Prozent Ehrensache


Acht Mitglieder der Herrenberger Feuerwehr waren am Wochenende im Einsatz in den rheinland-pfälzischen Überschwemmungsgebieten und packten mit an, um Gefahren zu beseitigen und der Schlamm- und Wassermassen Herr zu werden. Ein herzlicher Empfang wartete bei der Rückkehr am Sonntag auf die ehrenamtlichen Helfer.

„Mit großem Dank und höchstem Respekt haben wir unsere Einsatzkräfte am Sonntag wieder in Herrenberg in Empfang genommen“ sagt Oberbürgermeister Thomas Sprißler und lobt die Feuerwehrleute für ihr kompetentes und schnelles Anpacken. „Herrenberg hilft – bei kleinen und großen Einsätzen zuhause und überall dort wo Hilfe nötig ist. Das ist nur möglich, weil wir so engagierte Feuerwehrleute haben, die sich 365 Tage im Jahr für die Menschen einsetzen“, dankt der Rathauschef.

Nächtlicher Aufbruch zum Einsatz

Wenn der Katastrophenalarm erklingt, gibt es kein Zögern mehr – innerhalb von Minuten rüsteten sich Teile der Gesamtwehr Herrenberg am späten Donnerstagabend für den Hilfseinsatz in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz. Getreu ihrem Motto „112 Prozent Ehrensache“ ließen die Feuerwehrleute alles stehen und liegen und machten sich als Hochwasser-Zug des Landkreises Böblingen gemeinsam mit anderen Feuerwehrkameraden aus Böblingen und Holzgerlingen mit mehreren Fahrzeugen auf den Weg.

Nach einer kurzen Einweisung in die Lage in Rheinland-Pfalz durch den Kreisbrandmeister Guido Plischek brach der Zug als Verband mit Sonderrechten in Richtung Trier bzw. Hermeskeil auf. Nach rund vierstündiger Fahrt traf der Zug dann nach Mitternacht an der alten Kaserne in Hermeskeil ein. Die dortige Sporthalle war kurz zuvor durch das Technische Hilfswerk zum Schlafraum umfunktioniert worden.

Erschütternde Bilder der Verwüstung

Feuerwehrmann Tom Henschke berichtet: „Nach einer kurzen und unruhigen Nacht brach der Zug dann am Freitagmorgen um sieben Uhr zum Meldepunkt an der Luxemburgischen Grenze auf. Dort erhielten wir die letzten Infos und fuhren ins zugewiesene Einsatzgebiet, die Gemeinde Langsur. Vor Ort bot sich ein erschütterndes Bild. Das Flüsschen Sauer hatte sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu einem riesigen und reißenden Fluss entwickelt. Das Treibgut hat Häuser und Brücken massiv beschädigt. Die Häuser in der ersten und zweiten Reihe – normalerweise rund 20 Meter vom Ufer entfernt – standen bis zum ersten Obergeschoss im Wasser.“

Bis in die späten Abendstunden halfen die Feuerwehrleute tatkräftig mit: Wasser absaugen, Schlamm beseitigen, Wohnungen ausräumen und akute Gefahren beseitigen. Dabei arbeiteten die Hochwasserzüge aus dem Landkreis Böblingen und Esslingen sowie die örtliche Wehr Hand in Hand.

Neuer Tag, neuer Einsatzort

Am Samstagmorgen um sieben Uhr früh ging der Einsatz weiter: Zusammenpacken und in ein anderes Gebiet fahren lautete der Auftrag. Am Mittag ging es weiter im Kreis Ahrweiler, den das Unwetter am schlimmsten getroffen hat. „Auch hier am Einsatzort in der Stadt Sinzig boten sich schlimme Bilder der Verwüstung. Die Hauptaufgabe bestand auch an diesem Einsatzort darin, Gebäude von zurückgebliebenen Wassermassen zu befreien sowie kaputte Einrichtungsgegenstände und Treibgut aus den betroffenen Räumen zu bergen“, berichtet Feuerwehrmann Henschke weiter. „Neben den schlimmen Anblicken, welche die Zerstörungswut der Wassermassen hinterlassen hatte, gab es aber auch sehr erfreuliche Momente: Es war enorm anzusehen, welche Dankbarkeit und Freundlichkeit den fremden Helfern entgegengebracht wurde! Die vom Hochwasser betroffenen Bewohner hatten trotz ihres enormen Leids, das sie erfahren haben, noch die Kraft eine riesige Gastfreundschaft an den Tag zu legen.“

Am Sonntagmorgen ging der Einsatz im gleichen Gebiet weiter und es hieß wieder: Keller auspumpen und Gebäude leerräumen. Diese Arbeit wurde bis gegen Mittag erledigt, so dass um kurz vor halb eins die Reise in die gut dreihundert Kilometer entfernte Heimat angetreten werden konnte. Nach einer reibungslos verlaufenen Fahrt erreichte der Konvoi gegen 17 Uhr die Feuerwache in Böblingen. Nach einer Dankesrede durch Landrat Roland Bernhard und den Kreisbrandmeister des Landkreises Böblingen starteten die beiden Feuerwehrfahrzeuge aus Herrenberg auf ihre letzte Reise für diesen Tag. Gegen 17.30 Uhr fuhren der Mannschaftstransportwagen und der Rüstwagen mit Sondersignal in die Stadthallenstraße in Herrenberg ein und brachte die Kameraden aus den Abteilungen Gültstein, Herrenberg und Oberjesingen nach Hause.

Herzlicher Empfang und Dank für die Heimkehrer

Die zurückgebliebenen Kameraden hatten da schon die Fahrzeuge im Spalier aufgestellt und erwiderten die Ankunft ebenfalls mit lauten Sirenen und blinkenden blauen Lichtern. Dieser Empfang in der Heimatfeuerwehr war für die Heimkehrer ein echter Gänsehautmoment. Knapp fünfzig Kameradinnen und Kameraden darunter auch Oberbürgermeister Thomas Sprißler, der Oberjesinger Ortsvorsteher Tobias Pfander und der stellvertretende Stadtbrandmeister André Weiß empfingen die erschöpften Reiserückkehrer mit lautem Applaus. Der Herrenberger Oberbürgermeister dankte sichtlich bewegt den freiwilligen Helfern für ihr außergewöhnliches Engagement. Er dankte aber auch den anwesenden Feuerwehrmitgliedern, dass sie in der Zeit der Abwesenheit den Feuerwehrbetrieb so gut am Laufen gehalten hatten. Einen ganz besonderen Dank sprach der Oberbürgermeister dann noch den Angehörigen der mitgereisten Feuerwehrleute aus: Sie ließen ihre Ehemänner, Väter und Söhne ziehen und stärkten ihnen von zu Hause aus den Rücken. Auch der stellvertretende Feuerwehrkommandant André Weiß fand in seiner Dankesrede nur lobende Worte für diesen nicht alltäglichen Einsatz. Gespannt lauschten die Anwesenden dann den Erzählungen der Heimkehrer, ehe diese wohlverdient nach Hause zu ihren Familien entlassen wurden.