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Eidechsen werden umgesiedelt


Für die Erschließung des Baugebietes Gartenäcker in Gültstein sind artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. Vor knapp einem Jahr sind die ersten Maßnahmen angelaufen; in den kommenden Wochen wird die Umsiedlung von streng geschützten Zaun- und Mauereidechsen, die im Bereich eines Steinhaufens vorkommen, weiter vorbereitet. Parallel dazu treibt die Stadtverwaltung die Planung für die Entwicklung des neuen Wohnbaugebietes weiter voran.

Vorrangig wird versucht, den Lebensraum der Eidechsen zu erhalten. Dort, wo dies nicht möglich ist, weil an diesen Stellen Bauflächen entstehen, werden Ersatzquartiere für die Eidechsen errichtet – so auch im Falle des Steinhaufens.

Da der Steinhaufen und die Eidechsen für die Baumaßnahme und den davor anstehenden archäologischen Grabungen weichen müssen, sind entsprechende Ausgleichmaßnahmen und eine Umsiedlung erforderlich. Konkret wird im südöstlichen Bereich des geplanten Wohnbaugebietes in Verlängerung des Langwegs ein Ersatzquartier für die Eidechsen geschaffen. „Hier wurden bereits im letzten Sommer Steine abgelagert, die auf einer städtischen Baustelle in Kuppingen ausgegraben wurden“, blickt Simone Ehinger, zuständig für die städtische Landschaftsplanung, zurück. „Nun werden die Steine so in die Böschung eingebaut, dass sich die Eidechsen dort wohlfühlen.“ Steinhaufen sind extrem trockene und warme Lebensräume. Da die Steine die Sonnenwärme speichern und nachts abgeben, dienen sie als Ruhe- und Jagdplatz für viele Insekten und Kriechtiere, wie etwa für die Zaun- und Mauereidechsen. „Die Eidechsen sonnen sich gerne auf den Steinhaufen und verstecken sich darin“, weiß die Landschaftsplanerin.

Streng geschützte Arten

„Gesichtet wurden bisher zwei Eidechsen“, berichtet Simone Ehinger weiter. „Ausgehend von dieser Zahl und der Größe des Steinhaufens gehen wir davon aus, dass bis zu fünf Zaun- und Mauereidechsen im Bereich des Steinhaufens vorkommen.“ Beide Arten sind streng geschützt, da die Biotope, in denen sie vorkommen, immer seltener werden, insbesondere Trockenmauern.

Umsiedlung im Herbst

Die Umsiedlung der Eidechsen und des Steinhaufens erfolgt dann im Herbst. Dabei richtet sich der Termin nach der Biologie der Tiere. „Wir warten den Zeitpunkt ab, bis die Jungtiere der Eidechsen geschlüpft sind und bevor sie sich für die Winterruhe wieder in die Verstecke im Boden zurückziehen“, erläutert Simone Ehinger. „Das wird voraussichtlich im September sein.“ Der Termin sei jedoch auch wetterabhängig, denn: „Wenn es regnet, verstecken sich die Tiere und dann können wir sie für die Umsiedlung nicht abfangen.“

Weitere Ausgleichsmaßnahmen

Für das geplante Wohngebiet Gartenäcker erfolgten bereits weitere artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen: Da im Februar dieses Jahres im Bereich des künftigen Wohnbaugebietes mehrere Bäume gefällt werden mussten, wurden im Herbst 2020 als Ersatzquartiere mehrere Nistkästen für Vögel in der näheren Umgebung am Langweg bis zum Talweg/Kanalstraße angebracht. Voraussichtlich im Oktober dieses Jahres werden weitere Bäume gefällt.

Alle Maßnahmen werden im Rahmen einer sogenannten ökologischen Baubegleitung durch einen von der Stadtverwaltung beauftragten Diplom-Biologen begleitet und mit der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Böblingen abgestimmt.

Fläche frei für Erschließung

Mit den letzten Baumfällungen und der Umsiedlung der Eidechsen wird das Areal frei für die Erschließung des Baugebietes Gartenäcker. Zuvor sind jedoch archäologische Rettungsgrabungen erforderlich. Parallel dazu wird mit Hochdruck an den Beratungsunterlagen für die weiteren Beschlüsse des Gemeinderates gearbeitet, die nach der Sommerpause getroffen werden sollen. Zudem sind Änderungen am Bebauungsplan erforderlich. „Ende des Jahres sind dann hoffentlich alle Formalitäten abgehandelt, sodass das kommende Jahr ganz im Zeichen der Umsetzungsmaßnahmen zur Erschließung des Baugebietes Gartenäcker stehen kann“, blickt Stephanie Penka-Sterzik, Leiterin Amt für Stadtentwicklung, nach vorne. In dem neuen Wohngebiet am östlichen Rand des Stadtteils Gültstein sollen etwa 60 Gebäude entstehen mit rund 110 Wohneinheiten, darunter Einzel-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser.