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Mit intelligenter Verkehrssteuerung Schadstoffe reduzieren


Nach dem Umbau der beiden Hauptverkehrsachsen in der Herrenberger Innenstadt folgte nun als letzte große Maßnahme des Projektes „Modellstadt für saubere Luft“ die Inbetriebnahme einer neuen, dynamischen Verkehrssteuerung. Intelligente Ampeln lenken jetzt die Fahrzeuge je nach Verkehrsaufkommen durch Herrenberg, um Stop-and-Go-Verkehr zu vermindern und Schadstoffe zu reduzieren.

Ziel der dynamischen, also von der Verkehrsmenge abhängigen Verkehrssteuerung ist es, den Verkehr mit möglichst wenig Stop-and-Go und optimierten Grünphasen auf den Hauptrouten durch die Stadt zu leiten. Denn flüssiger Verkehr hilft dabei, Schadstoffe zu reduzieren. Der Bus als umweltfreundliches Verkehrsmittel erhält an den neuen Ampeln Vorrang. „Für diejenigen, die mit dem Auto in der Herrenberger Innenstadt unterwegs sind, macht sich die intelligente Verkehrssteuerung insbesondere dadurch bemerkbar, dass sie seltener anhalten und anfahren müssen“, erläutert Erster Bürgermeister Stefan Metzing und fügt hinzu: „Niemand wird Dauergrün haben, wir werden das Grün möglichst gerecht an alle Verkehrsteilnehmenden – Fußgänger, Radfahrende, Busse und Autofahrer – verteilen.“

Noch sei eine intelligente Verkehrssteuerung für eine Stadt mit der Größe Herrenbergs selten. „Dank des Modellstadt-Projektes und der damit verbundenen finanziellen Förderung durch den Bund konnten wir unsere Hauptachsen innerhalb eines guten Jahres umbauen und die neue Ampelsteuerung aufsetzen“, sagt Metzing. Trotz des sportlichen Zeitplans sei dies gelungen: „Alle Beteiligten haben großes Engagement gezeigt – von den Planern bis zu den ausführenden Firmen.“

Nachjustierungen erforderlich

Alle Modellstadt-Maßnahmen zielen in erster Linie darauf ab, Stickoxide in Herrenberg zu reduzieren: „Hierzu trägt die neue Ampelsteuerung einen wesentlichen Teil bei.“ Mit Blick auf notwendige Nachjustierungen in den kommenden Wochen bittet der Erste Bürgermeister alle Verkehrsteilnehmenden noch um etwas Geduld: „Bis alles rund läuft, dauert es noch“, betont er. „Mithilfe der über den neuen Verkehrsrechner ermittelten Daten wird das System in den kommenden Wochen nach und nach optimiert.“ So gilt aktuell noch auf der Tübinger Straße, Hindenburgstraße und Horber Straße Tempo 40 fest und auf der Nagolder Straße, Mühlstraße, Zeppelinstraße und Daimlerstraße Tempo 50. Erst im zweiten Schritt wird die Geschwindigkeitsregelung dann dynamisch, also von der Verkehrsmenge und von den querenden und einmündenden Verkehren abhängig. „Das System wird also in Stufen in Betrieb genommen“, erläutert Metzing weiter. Heißt konkret: Für den Kfz-Verkehr auf der Tübinger Straße, Hindenburgstraße, Horber Straße und Seestraße gilt künftig – je nach Verkehrsmenge – Tempo 30 oder 40; auf der Nagolder Straße, Mühlstraße, Zeppelinstraße und Daimlerstraße wird Tempo 30, 40 oder 50 gelten. Die neuen elektronischen Anzeigetafeln geben jeweils an, welches Tempo aktuell gefahren werden darf.

Cloudbasierte Technik

Hinter der neuen Ampelsteuerung steckt eine moderne, digitale Steuerungs- und Regelungstechnik: Der neue Verkehrsrechner namens „my city“ ist cloudbasiert, das heißt: Die Anwendungen, auf die er zurückgreift, sind nicht auf eigenen Hardware-Komponenten installiert, sondern werden online – unter Einhaltung der gültigen Datenschutzbestimmungen – zur Verfügung gestellt. „Unser neuer Verkehrsrechner sitzt also sozusagen in einer Wolke“, sagt Sandra Böhme, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes, mit einem Augenzwinkern. „Von dort steuert er die Ampeln in der Herrenberger Innenstadt.“

An seiner Seite hat er drei „Kolleginnen“, die mit den Ampelanlagen gekoppelt sind: Ines, Anna und Lisa. Ines verantwortet die intelligente Netzsteuerung – hiervon leitet sich ihr Name ab – und entscheidet, wie der Verkehr gesteuert werden soll. So erkennt sie etwa nicht genutzte Grünzeiten und verteilt diese um. Anna analysiert die Verkehrsströme mit dem Ziel, die Ampelsteuerung zu optimieren. Ihr Name ist eine Anspielung auf das Wort Analyse. Lisa assistiert bei der Planung der Ampelsteuerung, indem sie beispielswese Verkehrsabläufe simuliert. Ihr Name geht auf das Wort Lichtsignalanlage zurück.

Ampeln reagieren flexibel

Die neue, intelligente Verkehrssteuerung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie flexibel auf aktuelle Verkehrsströme reagiert: „Bisher haben die Ampeln je nach Uhrzeit ein entsprechend hinterlegtes Programm abgespielt“, erläutert Sandra Böhme. „Jetzt haben wir ein flexibles System, das auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen reagiert und die Ampeln entsprechend schaltet.“ Hierfür werden das Verkehrsaufkommen in der Stadt und der Verkehr, der nach Herrenberg fließt, erfasst. Je nach Verkehrsmenge wechselt der Verkehrsrechner dann in das entsprechende Programm.

Busse werden bevorrechtigt

Eine weitere Neuerung ist, dass Busse bevorrechtigt werden, um schneller an ihr Ziel zu kommen. Hierzu tauschen sie Informationen mit den intelligenten Ampeln aus. „Die Busse kommunizieren über den Verkehrsrechner mit den Ampelanlagen und bekommen bevorrechtigt Grün, wenn sie sich einer Ampel nähern“, erläutert Klaus Maisch, der als Leiter des Amts für Tiefbau und Entwässerung für die neue Verkehrssteuerung mitverantwortlich ist. Außerdem werden Busse bereits auf ihrem Weg zu einer Ampelanlage beschleunigt, indem beim Überfahren eines Referenzpunktes der nächsten Ampel angekündigt wird, dass ein Bus kommt und dann die Ampeln entsprechend geschaltet werden. Darüber hinaus gibt es nun an den Bushaltestellen in der Hindenburgstraße auf Höhe Volksbank ein eigenes Signal für Busse: „Über das Signal wird der fließende Verkehr für kurze Zeit aufgehalten, damit die Busse bevorrechtigt ausfahren können“, erklärt Maisch weiter.

Zukunftsfähiges System

„Wir haben nun für die Verkehrssteuerung auf den Hauptachsen der Stadt ein leistungsfähiges System, mit dem wir für die Zukunft technisch gut gerüstet sind“, betont Klaus Maisch. Doch auch der neuesten Technik sind Grenzen gesetzt: „Unvorhergesehene Ereignisse, wie Unfälle, kann auch das neue System nicht abfangen.“

Neue Verkehrsführung

Damit der Kfz-Verkehr möglichst flüssig durch die Innenstadt kommt, wurde die Verkehrsführung an zwei Stellen geändert: Zum einen darf man von der Horber Straße stadtauswärts nicht mehr links in die Bismarckstraße einbiegen. Mit dieser Änderung wurde auch ein Unfallschwerpunkt beseitigt. Nun kann der Kfz-Verkehr, der bisher links in die Bismarckstraße eingebogen ist, entweder über die Alzentalstraße fahren oder über die Bahnhofstraße – Eisenbahnstraße – Walter-Knoll-Straße. Zum anderen darf der Kfz-Verkehr von der Hindenburgstraße nicht mehr in die Gültsteiner Straße abbiegen. Wer von der Hindenburgstraße in die Gültsteiner Straße möchte, muss über die Marienstraße – Markusstraße fahren. Aus dem gleichen Grund – um abbremsen und anfahren zu reduzieren – wurden auch die Parkplätze entlang der Horber Straße und Hindenburgstraße entfernt.

Kosten

Die Kosten für den Verkehrsrechner und die neuen Ampelanlagen auf den Hauptachsen der Innenstadt und den Zufahrtsstraßen betragen zirka 1,5 Millionen Euro. 95 Prozent der Kosten finanziert der Bund im Rahmen des Projektes „Modellstadt für saubere Luft“. Die Stadt finanziert also rund 75.000 Euro.