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Zwei neue Kindertageseinrichtungen und eine Zwischenlösung


Mehrere Neubauten von Kindertageseinrichtungen behandelte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. Juli: Den Neubau einer fünfgruppigen Einrichtung im südlichen Längenholz, den Neubau der Kita im Stadtteil Kayh sowie die Einrichtung eines Interimsgebäudes auf dem ehemaligen Reitgelände. Diese Maßnahmen sind aufgrund des steigenden Bedarfs an Kinderbetreuungsplätzen in Herrenberg und den Stadtteilen dringend notwendig.

Um dem weiter steigenden Bedarf an Kita-Plätzen in Herrenberg zu begegnen, hatte sich der Gemeinderat bereits Anfang des Jahres für den Neubau einer weiteren Kindertageseinrichtung mit fünf Gruppen im südlichen Längenholz ausgesprochen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag wurde es konkret.

Das Gremium beschloss mehrheitlich, aufgrund der Komplexität des Vorhabens und anvisierter Synergieeffekte für die Vergabe der Arbeiten an diesem Gebäude erstmals eine sogenannte zweistufige Generalübernehmer-Ausschreibung anzuwenden. Demnach sollen in einer ersten Stufe geeignete Bieter gefunden und ausgewählt werden. Dieser fünfgruppige Kita-Neubau soll als Vorbild für weitere Kitabauten dienen. Deshalb müssen die Bieter im Verfahren nachweisen, dass ihr Konzept auch in eine viergruppige oder sechsgruppige Einrichtung umgewandelt werden kann.

In der zweiten Stufe müssen ausgewählte Bieter anhand einer Konzeptplanung nachweisen, dass diese auf ihr System angewendet werden kann. Zudem wird ein technisches Aufklärungsgespräch mit Verhandlung geführt. Am Ende ist ein Pauschalangebot abzugeben und ein Fertigstellungstermin zuzusichern. Die Ergebnisse der zweiten Stufe werden ausgewertet und ein Vorschlag zur Umsetzung gemacht. Diese Vorgehensweise ist neu bei der Stadt Herrenberg. Deshalb hat der Gemeinderat weiter beschlossen, dieses Vergabeverfahren extern – durch das Stuttgarter Büro Wolfram – begleiten zu lassen. Das Büro wird im Anschluss auch die Bauherrenvertretung für die Stadt übernehmen. Diese Auslagerung ist durch die hohe Auslastung des städtischen Gebäudemanagements durch weitere Projekte notwendig.

Eine erste grobe Kostenschätzung für diesen Neubau liegt bei 5,1 Millionen Euro. Der Zeitplan sieht vor, im zweiten Halbjahr 2021 nach der Submission den Baubeschluss zu fassen. Die Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung soll bis Juni 2022 stehen. Gebaut werden soll im Zeitraum September 2022 bis Frühjahr 2023, sodass die neue Kindertageseinrichtung im Längenholz im April 2023 erste Kinder aufnehmen kann.

Neue Kita in Kayh

Bereits seit Dezember 2020 beschlossene Sache ist der Umbau und Neubau der Kindertageseinrichtung in Kayh. Erste vorbereitende Maßnahmen wurden ausgeschrieben, vergeben und zum Teil schon begonnen (landschaftsgärtnerische Arbeiten, Heizungstausch im Altbau, begleitende Elektroarbeiten und neuer Hausanschluss für den Neubau).

Bei der Ausschreibung des ersten Pakets zum Neubau machte sich allerdings die derzeitige Situation sehr hoher Preise im Bauhandwerk bemerkbar: Nach der Submission lagen die Ergebnisse der günstigsten Angebote rund 20 Prozent über der Kostenberechnung. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu, trotz dieser Kostensteigerung die Aufträge zu erteilen, da die entstehenden Kitaplätze sehr dringend benötigt werden und die maximale Standzeit der am bisherigen Gebäude angebauten Interimsmöglichkeit im Sommer 2023 ausläuft. Damit kann - wie geplant - zum Ende der diesjährigen Sommerferien mit dem Rohbau begonnen werden.

Gleichzeitig wurde entschieden, dass das zweite Paket erst im vierten Quartal 2021 ausgeschrieben wird. Normalerweise ist diese Jahreszeit der beste Zeitpunkt. Die Verwaltung hofft, dass sich die angespannte Situation am Markt bis dahin entspannt hat und günstigere Angebote eingehen werden.

Durch diese Verschiebung verzögert sich die Inbetriebnahme der Kita bis ins Frühjahr 2023. Hinsichtlich der Kosten befindet sich das mit rund 4,3 Millionen veranschlagte Projekt derzeit noch im eingeplanten Finanzierungsrahmen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieser durch die weiteren Gewerke nicht eingehalten werden kann. Je nach Ergebnissen der weiteren Submissionen müssen die Finanzierungsraten in den Haushaltplänen der kommenden Jahre angepasst werden.

Interimskita und Waldgruppe

Grundsätzlich grünes Licht gab der Gemeinderat einstimmig für die Errichtung eines Interimsgebäudes zur Kinderbetreuung auf dem Gelände des ehemaligen Reitplatzes. Ein solches Gebäude ist notwendig, um kurzfristig zusätzliche Kita-Plätze anbieten zu können. Denn trotz der in jüngster Zeit rund 150 geschaffenen neuen Plätze – zusätzliche Gruppe in der Kita Haslach, neue Kita Aischbachstraße und neue Kita Seeländer – ist weiter ein hoher Platzbedarf gegeben. Je nachdem, wie viele Gruppen beim alten Reitplatz untergebracht werden können, werden sogar weitere Standorte erforderlich. Aus dem gleichen Grund wird die Oberjesinger Kita Mahdenstraße um eine Waldgruppe erweitert.

Derzeit bestehen für die nächsten Jahre folgende rechnerische Defizite: Im Kindergartenjahr 2021/2022 fehlen 169 Plätze; im Jahr 2022/2023 sind es 86 Plätze, die fehlen; und im Jahr 2023/2024 63 fehlende Plätze. Mit diesen Defiziten kann die Stadt entsprechende Rechtsansprüche der Eltern nicht erfüllen. Neubauten benötigen eine lange Vorlaufzeit. Kurzfristigere Lösungen verspricht sich die Stadt mit Interimseinrichtungen. Aber auch hierfür sind Personalkapazitäten und Mittel einzuplanen. Die Verwaltung prüft nun im nächsten Schritt, was in welcher Größe und zu welchem Preis auf dem alten Reitplatz und eventuell an weiteren Standorten schnellstmöglich realisiert werden kann.