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Richtungsentscheidung für Masterplan Schulen


Schulraumschaffung, Ganztagesangebote, Inklusion – der Masterplan für die Herrenberger Schulen soll die großen Linien der Entwicklung in den kommenden Jahren aufzeigen. Eine Richtungsentscheidung hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien getroffen. Das Gremium folgt dabei den Vorschlägen des Begleitgremiums und legt fest, welche Grundsätze in den einzelnen Themenbereichen gelten sollen.

Sanierungsbedarf, Barrierefreiheit und Brandschutz, Ausbau der Ganztagsbetreuung, neue Unterrichtsformen und pädagogische Ansätze – die vielfältigen Entwicklungen in den Schulen machen aus dem Masterplan Schule eine hochkomplexe Angelegenheit. „Die Schulentwicklung ist eine enorm wichtige Zukunftsaufgabe für Herrenberg und zugleich eine große Herausforderung nicht zuletzt in Sachen Finanzierung. Der Masterplan Schulen ist eine Weichenstellung dafür, was mit den 15 Schulgebäuden in der Stadt passiert und wie man sie fit macht für die künftigen Aufgaben“, betonte Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Dabei gehe es immer um eine schwierige Abwägung zwischen dem, was in den Schulen gewünscht und benötigt werde und dem Machbaren.

Um der Themenfülle und Komplexität der Zusammenhänge Herr zu werden, hatte sich der Gemeinderat zuvor mehr Zeit für das Thema gegeben und ein Begleitgremium eingerichtet, das aus der Vorarbeit, die Verwaltung und Schulen geliefert hatten, Vorschläge für die Richtungsentscheidungen erarbeitet hat. In insgesamt sieben Workshops berieten sich Fraktionsmitglieder des Schulbeirats, gewählte Vertretungen der Schulen und des Gesamtelternbeirats sowie Mitglieder der Projektgruppe Masterplan Schulen von Oktober 2020 bis Mai 2021.

Nach der Richtungsentscheidung müssen die Machbarkeitsuntersuchungen für einzelne Schulen aktualisiert und bis spätestens Anfang 2022 fertiggestellt werden. Mit diesen Grundlagen lassen sich anschließend die Fahrpläne für jede einzelne Schule fertigstellen und der Masterplan Schule kann nach einer erneuten Beteiligungsrunde der Schulen und Gremien endgültig verabschiedet werden. Die Umsetzung einzelner Vorhaben bedarf neben zusätzlicher finanzieller Fördermittel jeweils einzelner Umsetzungsbeschlüsse des Gemeinderats – auf Basis der im Masterplan festgelegten Reihenfolge und Prioritäten.

Ganztagesangebote

Derzeit gibt es nur an den Schulen der Kernstadt die Möglichkeit der Ganztagesbetreuung. Um der wachsenden Nachfrage zu begegnen und die Schulen in der Kernstadt zu entlasten, sieht der Masterplan Schulen den Ausbau der Ganztagesangebote vor. Nicht zuletzt der geplante Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung ab dem Jahr 2025 macht einen flächendeckenden Ausbau der Angebote nötig. Der Gemeinderat beschloss, das Angebot mithilfe eines Stufenplans flächendeckend auszubauen. Auch die Ergebnisse aus den Machbarkeitsstudien sollen darin einfließen. Sie raten dazu, die Vision, alle Grundschulen in Ganztagesschulen umzuwandeln, weiterzuverfolgen.

Inklusion

Beim Thema Inklusion soll jeweils eine Schule pro Schulart vollständig rollstuhlgerecht werden. Demnach soll die Infrastruktur an geeigneten Gebäuden weiterentwickelt und nachhaltiger werden. Das gilt für die bestehenden Schulgebäude, bei Neubauten sind die geltenden Standards zur Barrierefreiheit grundsätzlich vollständig umzusetzen. Inklusion an Schulen bedeutet jedoch nicht nur Barrierefreiheit, sondern auch, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können. Damit jedes Kind entsprechend seiner Begabung einen Schulabschluss machen kann, sollen mehr Außenklassen eingerichtet werden, also Klassen für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung. Dazu braucht es Kooperationen, mehr Klassenzimmer und Räume für die individuelle Förderung.

Sanierung

Auch die Frage nach der Sanierung städtischer Schulen soll im Masterplan Schulen festgehalten werden. Der Gemeinderat folgte der Empfehlung, den Sanierungsbedarf an Schulen weiter abzubauen und dabei die Themen des Schulentwicklungsplanes zu berücksichtigen. Dabei soll der Sanierungsprozess transparent gestaltet werden und einer logische Abfolge der Maßnahmen folgen. Die Maßnahmen im Masterplan Schule zeigen mögliche Synergien auf und sind nach Dringlichkeit sortiert.

Finanzierung

Mit einer Erweiterung der bisherigen Ergebnis Finanzierungsstrategie soll der Sanierungsstau abgebaut und gleichzeitig Neubauprojekte ermöglicht werden. Ein erhöhter Finanzierungstopf im Ergebnishaushalt steht für kleinere Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung. Größere Investitionen und Schulbaumaßnahmen werden für jede Einzelmaßnahme im Gemeinderat diskutiert und beschlossen. Mit einer Zusammenstellung der Investitionen im Schulbereich als Gesamtsumme in der Haushaltsplanung sollen diese Summen stärker ins Bewusstsein rücken.

Schulraum schaffen

Schulen benötigen zusätzliche Räume für steigende Schülerzahlen und zur Verbesserung der pädagogischen Qualität des Unterrichts. Der Gemeinderat beschloss eine zielgerichtete Schülerlenkung und die gezielte Planung und Konzentration des Raumbedarfs. Damit dies gelingt, könnten die Schulbezirke angepasst werden. Außerdem sollten Synergien genutzt und Grundschulen grundsätzlich am Wohnort der Schülerinnen und Schüler gebaut werden.

Gemeinsamer Antrag

Für die Beratung stand kurzfristig ein Fraktionsantrag zur Situation in Kayh-Mönchberg zur Debatte: Nach aktuellen Prognosen ist es in den kommenden Jahren nicht mehr möglich, alle Mönchberger Erstklässlerinnen und Erstklässler in der Schule vor Ort aufzunehmen, daher wird in einer Machbarkeitsstudie der Bau einer gemeinsamen Grundschule für Kayh und Mönchberg geprüft. Freie Wähler, Grüne und SPD haben gemeinsam und mit Unterstützung der Kayher und Mönchberger Ortschaftsräte beantragt, dass die Machbarkeitsstudie für eine neue Grundschule Kayh-Mönchberg an der Grafenberghalle bis zum 30. November 2021 fertiggestellt wird. Dieser Vorschlag wurde von der Verwaltung unterstützt, da sie die Dringlichkeit ebenfalls bejaht. Sobald die Machbarkeitsstudie vorliegt, folgt die Bewertung und Ausarbeitung eines Vorschlags durch die Verwaltung.