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Themen der Bürgerschaft sind Themen der Stadt


Bei der Bürgerbefragung im Mai haben die über 2700 Teilnehmenden Herrenberg gute Noten verteilt, aber auch Kritik in verschiedenen Bereichen geäußert. Die mit der Durchführung und Auswertung dieser Befragung beauftragte Agentur translake aus Konstanz präsentiert den Gemeinderäten die Ergebnisse in der heutigen Sitzung (19.30 Uhr, Stadthalle Herrenberg). Diese Erkenntnisse fließen in den weiteren Prozess der Fortschreibung des Herrenberger Leitbilds ein.

„Die Themen, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind – etwa Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum, die Stärkung der Altstadt oder auch Verbesserungen beim Verkehr – decken sich mit unseren aktuellen politischen Schwerpunkten. Für uns bedeutet das, dass wir inhaltlich auf dem richtigen Weg sind, wenngleich es weiterhin viel zu tun gibt“, resümiert Oberbürgermeister Thomas Sprißler. „Es freut mich weiter zu hören, dass nahezu 80% der Teilnehmenden gerne in Herrenberg wohnen und sich hier wohlfühlen“, so das Stadtoberhaupt weiter. Mit dem Miteinander in Herrenberg allgemein sehr zufrieden bis zufrieden sind über 75%, in den Stadtteilen sind es sogar fast 85 %. Zahlreiche Rückmeldungen gab es beispielsweise auch bei der offenen Frage zu den Stärken von Herrenberg: die Verkehrsanbindung, der landschaftliche Reiz aber auch die persönliche Verbindung zur Stadt wurden häufig genannt. Auch die kulturellen Einrichtungen in Herrenberg sind durchweg sehr positiv bewertet worden: „Ein Hinweis auf die tolle Arbeit dieser Institutionen“, lobt OB Sprißler.

Umfrage-Teilnehmende
Über 2.700 Menschen haben den umfangreichen Fragebogen ausgefüllt. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden wohnt in der Kernstadt. Die Anzahl der Teilnehmenden aus den Stadtteilen entspricht in etwa ihrem Anteil an der Herrenberger Gesamtbevölkerung. „Damit sind alle Stadtteile unserer Stadt gut vertreten“, schließt Sprißler. An der Befragung haben viele jüngere Menschen teilgenommen, ältere Menschen sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weniger repräsentiert. Erfreulicherweise konnten sehr viele Familien mit Kindern erreicht werden. 10 % der Teilnehmenden haben einen Migrationshintergrund. Es haben prozentual mehr Personen mit höherem Bildungsabschluss an der Umfrage teilgenommen. Dieses Antwortverhalten ist bei Umfragen und bei Bürgerbeteiligung häufig der Fall. In Zusammenarbeit mit der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. und der Partnerschaft für Demokratie wurden deshalb im Vorfeld Maßnahmen entwickelt, um viele Menschen für eine Teilnahme zu gewinnen, die in Beteiligungsprozessen sonst weniger erreicht werden. „Uns war es wichtig, uns selbst im Hinblick auf die Breite unserer Beteiligung zu überprüfen. Dabei ist klargeworden, dass wir trotz großer Werbeaktionen bestimmte Milieus unserer Stadtgesellschaft nur teilweise erreicht haben. Wir hätten uns gewünscht, noch mehr Menschen in die Befragung einbeziehen zu können. Daher ich bin dankbar, dass wir im Rahmen vom Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ weiter gemeinsam daran arbeiten, Bürgerbeteiligung in Herrenberg möglichst inklusiv zu gestalten“, erklärt Sprißler.

Kritische Anmerkungen und Unbekanntes
Als größte Schwäche von Herrenberg wurde das umfassende Thema „Verkehr“ mit den Unterthemen Verkehrsführung, Radinfrastruktur und Parksituation genannt. „Diese Rückmeldung bestärkt uns, den begonnenen Stadtumbau mit Nachdruck weiterzuführen. Vom Verkehr sind alle Herrenbergerinnen und Herrenberger betroffen. Mit dem Integrierten Mobilitätsplan IMEP 2030 haben wir eine Richtschnur für Entwicklungen im Verkehrsbereich bis zum Planungshorizont 2030 und darüber hinaus,“ erklärt Sprißler dazu. Als verbesserungswürdig wurden weiter zum Beispiel die Einkaufsmöglichkeiten in den Stadtteilen, die Situation in der Altstadt mit Leerständen sowie fehlende Angebote im Kultur- und Freizeitbereich – etwa ein Kino – genannt. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Angebote für ihre Altersgruppe. Überrascht hat die Liste von Unbekanntem: So kennen viele Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben, beispielsweise das Stadtnavi, den Schadensmelder, das Stadtarchiv oder die Ehrenamtsberatung nicht. „Vieles ist für uns als städtische Mitarbeitende mehr als selbstverständlich, während es den Bürgerinnen und Bürgern unbekannt ist. Nun wissen wir, zu welchen Themen wir unsere Öffentlichkeitsarbeit noch weiter ausbauen können“, sagt Sprißler zu.

Zahlen, Daten, Fakten zur Umfrage
Vom 1. bis 31. Mai 2021 konnten die Bürgerinnen und Bürger in Herrenberg an der digitalen Bürgerbefragung teilnehmen. Diese Befragung ist ein Teil des derzeit laufenden Prozesses zur Fortschreibung des bestehenden Leitbilds in Herrenberg. Fragen wie „Fühlen Sie sich wohl in Herrenberg? Welche Stärken hat Herrenberg aus Ihrer Sicht? Oder: Wie zufrieden sind Sie mit dem kulturellen Angebot?” galt es dabei zu beantworten. 2.715 Menschen hatten an der Umfrage teilgenommen. Dies entspricht circa neun Prozent aller Herrenbergerinnen und Herrenberger ab 14 Jahren.

Ausblick
Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sind ein wichtiger Meilenstein im derzeit laufenden Prozess der Fortschreibung des Herrenberger Leitbilds. Diese Ergebnisse werden nun nach Themenfeldern sortiert von der Verwaltung aufgearbeitet und dienen als Diskussionsgrundlage im nächsten Schritt. Dies sind vier so genannte „Leitbild-Trialoge“ im Oktober. Bei diesen Veranstaltungen diskutieren die inhaltlich Verantwortlichen der Stadtverwaltung mit Expertinnen und Experten aus der Kommunalpolitik, aus der Vereinslandschaft und mit Jugendlichen über Projekte und Maßnahmen des Leitbilds. Dieses Zwischenergebnis wird verwaltungsintern im November bei einem Speeddating-Format bearbeitet. Es folgt im Februar 2022 ein Bürgergremium. Zu diesem Termin werden Zufallsbürgerinnen und –bürger eingeladen, die dann noch offene oder kritische Punkte miteinander diskutieren, bevor das Leitbild abschließend ausformuliert wird. Die Beschlussfassung des Gemeinderats zum Leitbild Herrenberg 2035 als Nachfolge-Dokument zum Leitbild Herrenberg 2020 – laut OB Sprißler „dem roten Faden für unser Handeln“ – ist im 2. Quartal 2022 vorgesehen.

Mehr Informationen
Weitere Details zu den Umfrage-Ergebnissen gibt es unter herrenberg.de/umfrage-ergebnis. Interessierte können dort ab sofort den gesamten Bericht von translake sowie die Präsentation der heutigen Gemeinderatssitzung abrufen. Weiter sind dort die wichtigsten Erkenntnisse aus den fünf Themenfeldern zusammengefasst.

Zusätzlich wird das Leitbild-Werbe-Haus in der Bahnhofstraße am 21. September mit einer Art „Zeitungsseiten-Ausstellung“ rund um die Umfrageergebnisse neugestaltet.

Allgemeine Infos zum Leitbild-Prozess: herrenberg.de/leitbild.