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Kommunale Inklusionsvermittler stehen in den Startlöchern


Herrenberg hat jetzt zwei kommunale Inklusionsvermittler (KIV). Thomas Dingel und Rolf Klein unterstützen in dieser Funktion die Stadt Herrenberg dabei, Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen und Barrieren abzubauen. Für dieses Ehrenamt haben sie eine Basisqualifizierung absolviert. Gepaart mit ihrem großen persönlichen Erfahrungsschatz schafft das die besten Voraussetzungen für diese Rolle.

Rolf Klein und Thomas Dingel wissen viel über die Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichen Formen von Einschränkungen. „Dieses Wissen möchten wir der Stadtverwaltung gerne zur Verfügung stellen“, sagt Thomas Dingel beim Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Sprißler und Baubürgermeisterin Susanne Schreiber im Rathaus. Bei diesem Auftakt-Treffen wurden erste Grundlagen für die erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt. Das Wissen und ihr großes Verständnis, sowohl für Inklusionsthemen als auch für die Bedingungen in der Stadt Herrenberg, bringen die beiden kommunalen Inklusionsvermittler (KIV) aus unterschiedlichen Bereichen mit.

Zur Person: Thomas Dingel

Thomas Dingel (60 Jahre) ist von Geburt an contergangeschädigt und führt ein selbstbestimmtes Leben. Er absolvierte eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter, arbeitete von 1983 bis 2004 bei der Stadtverwaltung Herrenberg und war über 20 Jahre lang als Leistungssportler im Rollstuhlbasketball und Rollstuhltennis aktiv. Von 2014 bis 2019 saß er im Herrenberger Gemeinderat und engagiert sich weiterhin in diversen politischen und sportlichen Ämtern.

Zur Person: Rolf Klein

Rolf Klein (77 Jahre) ist von Beruf Diplom-Bauingenieur mit Fachrichtung Straßen-, Städtebau und Verkehr. Seit circa 10 Jahren ist er ehrenamtlich als Wohnberater beim Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Böblingen, Soziale Dienste, tätig und berät dort Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Einschränkungen zur Anpassung ihrer Wohnungen. Weiter engagiert er sich bei barrierefreien Busreisen als Reisebegleitung und in der Betreuung von Demenzpatientinnen und –patienten. „In dieser Kombination von Beruf und Ehrenamt sehe ich die ideale Voraussetzung und Grundlage für meine ehrenamtliche Aufgabe als kommunaler Inklusionsvermittler“, sagt Rolf Klein.

Beim Vorstellungstermin im Rathaus stellten die beiden Vermittler ihre Expertise vor. Schwerpunkte des Gesprächs mit der Rathausspitze waren die Wichtigkeit von Barrierefreiheit und Inklusion, die Bedarfe innerhalb der Stadtverwaltung sowie das künftige Einsatzfeld der KIV. Thomas Sprißler betont: „Es ist wichtig, seinen eigenen Blickwinkel zu verändern und dadurch ein größeres Bewusstsein für die Bedarfe von Menschen mit Behinderung zu erlangen. Wir sind froh, dass die beiden Experten uns hier mit ihrem Wissen unterstützen werden“. Auch Susanne Schreiber freut sich über das neue Projekt: „Wir werden in kontinuierlichem Austausch mit den KIV bleiben, um Barrierefreiheit dauerhaft in unseren Projekten mitzudenken und umzusetzen“.

Wie geht es weiter?

Rolf Klein und Thomas Dingel werden auf Anfrage aus den Ämtern oder auf eigene Nachfrage städtische Vorhaben ehrenamtlich begleiten. Sie können dabei Impulse für die Planung geben, um die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung rechtzeitig aufzuzeigen und einfließen zu lassen. Dadurch werden Prozesse inklusiver gestaltet und alle Beteiligten sensibilisiert. Innerhalb der Gruppe von Menschen mit Behinderung gibt es oft sehr unterschiedliche Interessen; blinde Menschen benötigen beispielsweise andere Hilfen als Gehörlose oder Menschen im Rollstuhl.

„Wann auch immer es Fragen aus der Verwaltung gibt, können wir sehr gerne angesprochen werden. Wir kommen mit, wir hören und schauen es uns an. Wir möchten gemeinsam pragmatische Lösungen finden“, sagen die beiden KIV. In den nächsten Wochen werden sie ihre ehrenamtliche Arbeit aufnehmen. Sie unterstützen direkt vor Ort und bleiben aktiv im Austausch mit anderen Kommunen. Dadurch entstehen wertvolle Netzwerke. Langfristig soll innerhalb der Stadtverwaltung eine Wissensdatenbank angelegt werden, damit die Kolleginnen und Kollegen schnell und unkompliziert auf wichtige Informationen und Ansprechpersonen zugreifen können.

Über das Projekt

Das Projekt Kommunale Inklusionsvermittler wird getragen von der Akademie Himmelreich und der Beratungsgesellschaft 1a Zugang aus Gärtringen. Das Konzept ist seit 2014 erprobt und 18 Kommunen sind bereits beteiligt. Der Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Landkreis, Reinhard Hackl, hat das Projekt für den Landkreis Böblingen angestoßen. Insgesamt neun Kommunen nehmen aktuell teil: Herrenberg, Jettingen, Aidlingen, Leonberg, Ehningen, Holzgerlingen, Rutesheim, Weil der Stadt und Gärtringen. Die Stadt Herrenberg hat sich für eine Teilnahme am Projekt mit zwei Ehrenamtlichen entschieden. Ursprünglich angestoßen wurde die Idee durch das Gebäudemanagement und die Quartiersmanagerin Ines Böttcher. Die notwendige interne Organisation und die Begleitung der Engagierten hat nun Werkstudentin Teresa Sauter aus dem Team BE übernommen.