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Straßenaktion und Workshop zum fairen Handel


Studierende aus Tübingen haben am 5. Oktober mit einem Infostand in der Bronngasse anschaulich auf den fairen Handel aufmerksam gemacht. Abends veranstalteten sie einen Workshop in den Räumen der Volkshochschule. Sie kooperieren mit den Herrenberger Bildungsreferenten der Bananologen und finep, Forum für internationale Entwicklung und Planung, einer Projektorganisation zu entwicklungspolitischer Bildungsarbeit aus Esslingen.  

Das Lastenrad der Bananologen und die kleine Kommode beim Infostand in der Bronngasse lenken am 5. Oktober die Blicke auf sich. Immer wieder bleiben Passanten und Schülerinnen und Schüler stehen. Das Rad ist an diesem Tag ein mobiler Bildungsstand und die Kommode stellt eine „Neo-Kolonialwarenhandlung“ dar, mit der Tübinger Studierende auf die Folgen des Kolonialismus aufmerksam machen wollen. Julian Lotz, Jonas Pauthner und Christoph Kuckat sind Teilnehmende des „Studiums Oecologicum“ und erwerben Praxiserfahrungen. Sie haben für die Gruppe der Bananologen, die schon seit vielen Jahren entwicklungspolitische Bildungsarbeit an Herrenberger Kindergärten und Schulen macht, Lehrmaterialien für die 8. bis 13. Klasse entwickelt. Von den Bananologen stammt auch die Weltspielplane, mit der sich Lieferketten veranschaulichen lassen. Die Studierende sind hinsichtlich ihrer Kooperationspartner voll des Lobs: „Da hatten wir viel Glück, da sie sehr gut vernetzt sind und viele Tipps für uns hatten“, meinen sie. Projektleiterin der Aktion ist Anna-Maria Schuttkowski von der Projektorganisation finep. „Unser Projekt ‚Engagement 2030‘ bringt entwicklungspolitische Vereine und Studierende zusammen“, erklärt Schuttkowski. „Es war sehr interessant, mal in die die Vereinsarbeit reinzuschauen“, finden die Studierenden.

Fairtrade interaktiv kennenlernen
Abends veranstalteten die Studierenden für acht Interessierte einen Workshop unter dem Titel „Ver Fair handeln“. Die Herrenberger Volkshochschule hat dazu kostenlos einen Raum zur Verfügung gestellt. Als Einstieg diente ein Film über die erst spanische, dann britische Kolonie Jamaica. „Neues Land brachte mehr Macht, Besitz mehr Möglichkeiten“, beschreiben die Studierenden die Motive der Kolonialisten. Aus den Schubladen des Mini-Kolonialwarenladens können die Teilnehmenden Produkte wie Bananen, Schokolade und Kaffee entnehmen. Auf kleinen Schildchen findet sich alles Wissenswerte über die Kolonialgeschichte und die Ausbeutung heute. Nur 17 Prozent der Bananen in den Läden werden heute fair gehandelt, steht dort zum Beispiel. Weitere Fakten, die vielen nicht bewusst sind: Deutschland war zeitweise die drittgrößte Kolonialmacht. Heute ist das Land der größte Röstkaffee-Exporteur. Welche Produkte mit welchem Siegel aber nun wählen, wenn man Fairtrade anstrebt? Bekannte Marken sind zum Beispiel „Fairtrade“ und „Gepa“. Natürlich wissen die Studierenden und Bananologen, dass auch Siegel nicht perfekt sind und es bei einigen Siegeln Kontrolllücken gibt. „Aber es ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, meint die Bananologin Kathrin Thiele. Die Studierenden empfehlen außerdem Produkte aus dem direkten Handel kleiner Produzierender ohne Siegel.

Teilnehmer des Workshops am Fairtrade-Aktionstag am 5. Oktober 2021

Die Workshop-Teilnehmenden probieren die von den Studierenden entwickelten Materialien aus.

Spielerische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit
Als nächstes geht es um die Baumwolle. Für das Thema haben die Studierenden ein Spiel mit neun Kärtchen entwickelt. Dabei gilt es, Zahlen und Herkunftsorte einzuschätzen: Wie viel Kleider kauft ein Deutscher jährlich? Woher kommt die meiste Baumwolle? Außerdem macht das Spiel die Teilnehmenden mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und den Verarbeitungsschritten von Baumwolle vertraut. Wie wenig die Erzeuger an einem konventionell produzierten T-Shirt verdienen, veranschaulichen die Studenten mit Hilfe von Diagrammen auf T-Shirts. Zum Schluss spielen die Teilnehmenden „Mango-Fußball“, ein Quiz, bei dem zwei Gruppen gegeneinander antreten. Wer Fragen richtig beantwortet, befördert ein Mangoplättchen auf einem Spielplan in Richtung Tor. Die verschiedenen Aufgaben und Spiele führen zu angeregten Diskussionen: Es geht um die Transparenz von Kosten, Siegeln und Lieferketten, um Subventionen, Geiz-ist-geil-Mentalität, Greenwashing und spottbillige Lebensmittel. Auch ökologische und soziale Aspekte kommen zur Sprache: So kann sich nicht jeder ein fair produziertes T-Shirt leisten. Am Schluss dürfen die Teilnehmenden den Workshop bewerten: Die Resonanz ist sehr positiv.

Hintergrund
Der Aktionstag wurde über finep vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von „Brot für die Welt“ gefördert. Auch die Stadt Herrenberg hat den Tag aus dem Fairtrade-Stadt-Budget unterstützt. Die Herrenberger Volkshochschule hat kostenlos den Raum zur Verfügung gestellt. „Kooperationen wie diese bringen allen Beteiligten neue Perspektiven,“ freut sich Lena Schuldt, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik bei der Herrenberger Stadtverwaltung.