Station

01 Ursachen des NS

Schulstraße
71083 Herrenberg
Stadtteil: Kernstadt
Historische Aufnahme vom Textilhaus Niethammer

Ansicht Textilhaus Niethammer



Bei der letzten freien Wahl vor Hitlers Diktatur 1932 erlangte die NSDAP einen klaren Wahlsieg in Herrenberg. Obwohl die Stadt anfangs nicht mit Hitler sympathisierte, war schon kurz vor der Machtübernahme eine überdurchschnittlich große Begeisterung vorhanden.

Dies lag vor allem an der Ablehnung gegenüber der jungen Demokratie in Herrenberg. Selbst in wirtschaftlich stabilen Lagen vor 1929 wurde diese nicht befürwortet und ihr die Schuld an der Kriegsniederlage und den „knechtenden“ Konditionen des Versailler Vertrags zugeschoben. So verfasste auch der Herausgeber des Gäuboten Theodor Körner einen emotionalen Aufruf gegen den Young-Plan.
 
Obwohl Herrenberg aufgrund seiner ländlichen Prägung nicht zu stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen war, gab es innerhalb der Stadt trotzdem viele Arbeitslose. Die Bauern in den umliegenden Dörfern fühlten sich vernachlässigt. Die Stadtverwaltung war überfordert und fürchtete um den Finanzhaushalt. Das eher konservative Herrenberg wurde durch die Gründung der NSDAP-Ortsgruppe in seiner Unzufriedenheit bestärkt.

Sympathieträger wie NSDAP-Kreisleiter Lechler versprachen eine Volkgemeinschaft und eine deutsche Wiedergeburt in ein stolzes Volk. Mit weiteren Heilversprechen gewannen sie viele Wähler für sich, hauptsächlich Erst- und Nichtwähler.
 
Auf diese Weise verwandelte sich Herrenberg in eine NS-Hochburg.
„Der Schwabe ist im Allgemeinen langsam und bedächtig und allem neuen abhold (…). Was von den Schwaben im Allgemeinen gilt, das gilt von den Herrenbergern zweimal (…). Aber es ist gelungen, und wir dürfen mit Stolz bekennen: Sogar vor der Machtergreifung. Heute gibt es wenige Kreise in Württemberg, die so von innen heraus nationalsozialistisch denken und fühlen wie der Kreis Herrenberg.“

Quelle: Gäubote vom 04.08.1934, Sonderbeilage zum Kreisparteitag, Beitrag von Lechler


Sie hören ein fiktives Gespräch im Februar 1931 auf dem Marktplatz Herrenberg: