Station

03 Ambivalenz zwischen Anpassung und Ablehnung

Reinhold-Schick-Platz 1
71083 Herrenberg
Stadtteil: Kernstadt
Historische Aufnahme von Reinhold Schick

Reinhold Schick


Bürgermeister Reinhold Schick war vor der Machtergreifung 1933 ein überzeugter Demokrat, der sich öffentlich gegen die NSDAP aussprach. 1933 trat er jedoch der NSDAP bei, um sein Amt nicht zu verlieren. Dadurch geriet er in einen Zwiespalt: Er war ein ehemaliger Feind der NSDAP, der jetzt selbst ein Mitglied war.
 
Im Privaten lehnte er die Ideologie der NSDAP ab, was ihm Probleme in der Partei brachte. In der Öffentlichkeit passte er sich aber, aus dem Wunsch seine politische Karriere weiterführen zu können, der Hoffnung durch dieses Amt seine Meinungsfreiheit zu behalten und aufgrund von Einschüchterungen der Gestapo an. So hielt er eine Rede zu Ehren von Hitlers neuem Deutschland, wurde aber, weil er später Kritik am Gauleiter geübt hatte von der Gestapo verhört.
 
Viele demokratische Bürgermeister verhielten sich auf diese Weise ambivalent. Sie passten sich dem Nationalsozialismus öffentlich an, lehnten ihn aber privat ab. So entstand eine Ambivalenz zwischen Anpassung zum Schutze des eigenen Berufs und Wohls und der Ablehnung der Weltanschauung der NSDAP.

Sie hören einen Ausschnitt aus Reinhold Schicks Schrift "Meine politische Gesinnung vor und nach 1933":