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05 Kirche im Nationalsozialismus

Kirchgasse 7
71083 Herrenberg
Stadtteil: Kernstadt
Ansicht der Stiftskirche Herrenberg
Ansicht der Stiftskirche Herrenberg


Es gab sowohl Befürworter als auch Gegner des 3. Reichs:
Pfarrer Rudolf Richter riskierte sehr viel, um klarzustellen, dass die Vergöttlichung des Staates, die Gleichstellung Adolf Hitlers mit Gott und der Antisemitismus nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren waren, denn „der Rassenhass ist gewiss nicht christlich“. Diese Meinung blieb für den Stadtpfarrer nicht ohne Folgen, er wurde am 28. Oktober 1938 verhaftet und seines Amtes enthoben. Allerdings konnte er einer Haftstrafe durch seine Position als Kirchenvertreter entgehen.
 
Dekan Eugen Schmid, erster Stadtpfarrer Herrenbergs, hielt am 1. Mai 1933 in der Stiftskirche eine Predigt, in welcher er Gott für die aktuelle politische Wendung ausdrücklich dankte und sagte, dass „zuletzt alle Fäden des Geschehens in [Gottes] Händen [sind], und so wollen wir nicht säumen, auch unserem Gott herzlichen Dank für diese Wendung zu sagen“. Seiner Meinung nach waren die Nationalsozialisten die von Gott beauftragten Retter des Vaterlandes.
 
Diese zwei Einstellungen unterschieden sich enorm, denn es gab sowohl Gläubige die sich der Regierung anpassten, was man am Beispiel des Dekans E. Schmid sehen kann, als auch Gläubige die Widerstand leisteten, was man an der Meinung des Pfarrers R. Richter erkennen kann. An den Konsequenzen die Rudolf Richters Handeln hatte, sieht man, dass die Kirchenvertreter einem teils direkten, teils indirekten Druck ausgeliefert waren.
 
Der Plan der Nationalsozialisten für die Kirche war, die Bedeutung der Kirche
zurückzudrängen und ihre eigene Ideologie an deren Stelle zu setzen.

Sie hören den Ausschnitt einer Rede von Pfarrer Waßer aus Kayh zum Kirchenbezirkstag 1933: