Station

08 Zwangsarbeit bei Walter Knoll

Bahnhofstraße 25
71083 Herrenberg
Stadtteil: Kernstadt

Herrenberg Firma Walter Knoll im Januar 1991 / Foto: Gabriel Holom

Fabrikansicht der Firma Walter Knoll, 1991


Walter Knoll ist ein Möbelfabrikant, dessen Hauptsitz sich in Herrenberg befindet. In der Zeit des zweiten Weltkrieges musste Knoll seine Räumlichkeiten zur Flugzeugproduktion für die Firma Klemm bereitstellen. Klemm stellte nämlich Bauteile für eine der sogenannten Wunderwaffen her, mit welchen ein Umschwung im Krieg geschaffen werden sollte. Die Produktion von Klemm musste gestoppt werden, da ihr Firmengebäude am Hauptsitz in Böblingen bombardiert und zerstört worden war. Walter Knoll blieb während dieser Übernahme durch Klemm der Geschäftsführer der Fabrik in Herrenberg.
 
Knoll/Klemm wird in einigen übereinstimmenden Zeitzeugenaussagen vorgeworfen, dass zu dieser Zeit Zwangsarbeiter bei ihnen beschäftigt worden seien, die teils unmenschlich behandelt wurden. Stark im Fokus hierbei ist der damalige Werkschutzleiter Deines, welcher auch als Aufseher im Haslacher Arbeitslager tätig war. Einige Zeugenaussagen stehen im starken Kontrast zu Walter Knolls Aussagen. Dieser behauptete, er habe nichts von körperlichen Übergriffen an ausländischen Zwangsarbeiter mitbekommen. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass Knoll nichts von ihnen wusste.
 
Vertreter der Herrenberger Parteien (CDU, DVP, SPD & KPD) sagten in einem
Spruchkammerverfahren am 25.09.1946 gegen Walter Knoll aus: „Wäre Knoll so harmlos wie er sich ausgibt, so hätten in seinem Betrieb [keine] [...] Misshandlungen an Fremdarbeitern vorkommen dürfen, auch wenn er als Chef nicht unmittelbar [daran] beteiligt war.“

Sie hören eine fiktive Szene über die Situation ausländischer Zwangsarbeiter: