Station

09 Euthanasie

Marienstraße 25
71083 Herrenberg
Stadtteil: Kernstadt
Kreisleiter Dr. Lechler

Kreisleiter Dr. Karl Ludwig Lechler


„Auf die Dauer gesehen, hilft gegen das Untermenschentum nur die Ausmerze“
 
Solche Sätze wie die des ehemaligen Herrenberger Kreisleiters Dr. Karl Ludwig Lechler im deutschen Ärzteblatt von 1940 waren in dieser Zeit des NS-Regimes nicht ungewöhnlich, sondern sogar typisch. Der Gedanke der Rassenhygiene war in den Köpfen der Menschen fest verankert. Schon 1900 nach der Aufstellung der Mendelschen Vererbungsregel und der Formulierung des Begriffes „Eugenik“, sahen viele Menschen und auch Hochgelehrte Unterschiede der Rassen und befürchteten die Fortpflanzung Erbkranker. Als Folge des verlorenen ersten Weltkrieges wuchs das Bestreben, sich von Leistungsschwachen zu befreien, da man es sich nicht mehr leisten könne „Lebensunwerte“ zu versorgen.
 
Das NS-Regime vertrat diese Ansicht und die Förderung der Starken und Unterordnung der Schwachen. Das Ziel war es „lebensuntüchtiges und unwertes Leben gar nicht erst entstehen [zu] lassen“. Das Mittel hieß Sterilisation. Nach ersten Tötungsermächtigungen folgte zu Kriegsbeginn das Ermächtigungsschreiben Hitlers für die „Euthanasie“ und leitete die Aktion T4 ein. Dabei wurden nicht nur Erbkranke, sondern auch Alte, Kriminelle, Alkoholiker und Prostituierte systematisch in „Heilanstalten“, wie beispielsweise Grafeneck vernichtet, da sie angeblich zu teuer waren und die Stärke des deutschen Volkes gefährdeten. Diese Aktionen geschahen meistens ohne gesetzliche und medizinische Grundlage.
 
Auch der damalige Kreisleiter und Beauftragte für Rassenpolitik im Gäu Dr. Karl Ludwig Lechler folgte den Hitlerischen Maximen der Rassenhygiene. In mehreren Artikeln und Büchern sprach er sich für die Ausmerzung der Lebensunwerten aus. Der Euthanasie fiel auch der junge Ernst F. aus Oberjesingen zum Opfer. Der geistig Eingeschränkte wurde im Kindesalter in eine Heilanstalt gebracht und dort getötet.

Sie hören eine nachgesprochene Aussage von Friedrich F. über seinen Sohn Ernst vom 3. August 1948 vor dem Landespolizei-Kommissariat Böblingen: