Herri Station 11: Evangelische Stiftskirche St. Marien

Stiftskirche St. Marien

Wenn man auf Herrenberg zufährt, sieht man von fast überallher die Stiftskirche mit der Zwiebelhaube und mit dem wuchtigen Turm.  Manchmal nennt man sie auch „die Glucke vom Gäu“, weil sie wie eine dicke Henne beschützend über ihren Küken, nämlich den Häusern der Stadt, sitzt. „Gäu“ heißt hier die Gegend, in der Herrenberg liegt. Die Kirche wurde schon vor über 700 Jahren erbaut. Dummerweise auf einem instabilen Untergrund, aber das wussten die Leute damals nicht. Durch den sogenannten „wandernden Berg“ rutscht die Kirche im Jahr 1 mm auf die Stadt zu. Außerdem entstanden immer wieder Risse im Mauerwerk, so dass die Kirche oft renoviert und gesichert werden musste. Anfangs hatte sie einmal zwei Türme. Aber vor 270 Jahren hat der Blitz in die Türme eingeschlagen und man musste sie abbrechen. Man hat dann nur noch einen Turm aufgebaut, weil das stabiler ist. Und weil zu dieser Zeit gerade Zwiebelhauben „in“ waren, bekam die alte Kirche nun eine neumodische Zwiebelhaube.
Eigentlich ist die Kirche der Maria, der Mutter von Jesus, geweiht.
Meistens nennt man sie aber „Stiftskirche“, weil an der Kirche ein sogenanntes „Chorherrenstift“ ansässig war. Das war eine Gruppe Geistlicher, die für den Gottesdienst und die Seelsorge zuständig waren und die mehrmals täglich Chorgesang in der Kirche hielten. Innen gibt es ein schönes geschnitztes Chorgestühl zu sehen; das war der Platz der Chorherren, wenn sie sangen. Außerdem ist die aus Stein gemeißelte Kanzel und der Taufstein in Form eines Kelches interessant. Der Taufstein ist übrigens so tief, damit man bei der Taufe ein Baby ganz ins Wasser tauchen konnte. Alle diese Sachen sind ungefähr 500 Jahre alt.