Waldweide

Auf einer rund sieben Hektar großen Fläche im Herrenberger Stadtwald grasen in den Sommermonaten Galloway-Rinder und schaffen dort einen lichten Weidewald. Damit machen die Galloways eine historisch bedeutende Waldnutzungsform für die Besucher des Naturparks Schönbuchs sicht- und erlebbar.

Voraussichtlich noch bis Oktober kann man die Galloways auf der Waldweide sehen – solange das Futter reicht, denn zugefüttert wird auf der Waldweide nicht. Wenn alles weggefuttert ist, kehren sie zu ihrer Herde zurück. Die grast ganzjährig in der Natur- und Kulturlandschaft des Heckengäus. Der entstehende lichte Weidewald ist aber auch ohne Rinder das ganze Jahr über einen Ausflug wert

Fragen & Antworten zur Waldweide

Mitte Juni 2019. Initiiert hat das Projekt Reinhold Kratzer, der Leiter des Kreisforstamts Böblingen. Der Start der Waldweide wurde langer Hand vorbereitet.
Die Waldweide befindet sich im Herrenberger Stadtwald im Gewann Sauhägle bei Kayh-Mönchberg. Die Waldweide gehört zum Forstrevier Haslach.
Ja, der weitaus größte Teil der Fläche ist aufgrund der günstigen örtlichen Gegebenheiten von den Waldwegen Kayhertalsträßle, Ludwig-Volz-Sträßle und Urschelrainweg aus einsehbar. Der Bau einer Beobachtungsplattform zur besseren Beobachtung und das Anbringen von weiteren Infotafeln zur Information für die Waldbesucher sind vorgesehen.

Es gibt aber auch kleinere Bereiche, in denen die Rinder von Waldbesuchern nicht gesehen werden können.
Wer die Waldweide besuchen möchte, kommt vom Parkplatz am Schönbuchturm bzw. Waldfriedhof Herrenberg aus dorthin, indem er dem Sommertalsträßle bis zur Freßeiche in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen auf rund drei Kilometern Fußweg folgt.

Deutlich näher ist es vom Wanderparkplatz „Mönchberger Sattel“ oberhalb von Mönchberg aus. Von dort gelangt man über das Kayhertalsträßle in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen nach gut einem Kilometer zur Waldweide.

Kombiniert ergeben die beiden Strecken einen schönen Rundweg: Vom Waldfriedhof Herrenberg gestartet, durch das Sommertal zur Waldweide und dann über den „Mönchberger Sattel“ zurück.

Anfahrt Wanderparkplatz Mönchberger Sattel (PDF)
Über einen langen Zeitraum war die Waldweide für Mensch und Tier eine prägende Waldnutzungsform. Bis ins 19. Jahrhundert grasten Pferde, Esel, Rinder, Ziegen und Schafe im Wald, Schweine gruben nach Eicheln und die Hirten und Gemeinden stritten sich um die besten Weideplätze. Nicht nur Namen wie „Sauhägle“ oder „Rosshau“ erinnern heute noch daran, dass die Waldweide auch im Herrenberger Stadtwald über viele Jahrhunderte eine übliche Nutzungsform darstellte.

In der Ortschronik von Gültstein, die anlässlich der 1250-Jahr-Feier entstanden ist, wird die historische Bedeutung der Waldweide beschrieben. So gab es im Jahr 1714 im Schönbuch (ohne den Bebenhäuser Klosterwald) 15.046 Stück Weidevieh in 117 Herden, wie forstgeschichtliche Dokumenten belegen. Im Gegensatz zu damals umgibt heute ein solar-gespeister Elektro-Zaun die Waldweide-Fläche. Dieser wurde im Mai 2019 von einer auf Weidezäune spezialisierten Fachfirma aus der Region erstellt und funktioniert tadellos.
Der lichte Weidewald, der gerade im Herrenberger Stadtwald entsteht, dient selten gewordenen Tieren und Pflanzen als Lebensraum. So war bereits in diesem Frühjahr der Laubfrosch an einem der drei Tränkteiche zu hören, und lichtliebende Vogelarten, wie den Gartenrotschwanz, den Star und den Mittelspecht hat Winfried Seitz beobachtet, der für diesen Bereich zuständige Forstrevierleiter des Kreisforstamts Böblingen. Auch der dort vorkommende Hirschkäfer und die 13 im Stadtwald Herrenberg nachgewiesenen Fledermausarten werden von den lichten Strukturen in der Waldweide profitieren.
Neben der hohen Bedeutung für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und der daraus resultierenden Biodiversität stellt die Waldweide insbesondere für die Besucher des Stadtwalds Herrenberg im Naturpark Schönbuch eine Bereicherung dar. „Eine Waldweide ist auch eine Augenweide“, sagt Reinhold Kratzer.

Spaziergänger und Besucher des Naturparks Schönbuch können die besondere Form der Waldnutzung bestaunen und erleben, wie es wohl bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Wald ausgesehen haben muss: Damals trieben die Bauern ihre Kühe, Schweine, Ziegen und Schafe in den Wald, der ihnen als Weidefläche diente. Die Waldweide ist somit wie ein Fenster zur Vergangenheit, da sie zeigt, wie der Stadtwald jahrhundertelang bewirtschaftet wurde.
In den Sommermonaten von Juni bis Oktober, solange das Futter reicht, denn zugefüttert wird auf der Waldweide nicht.
Dann kehren die Rinder der Waldweide zu ihrer Herde zurück. Die gehört zum landwirtschaftlichen Betrieb „Schlossberg-Rind“ von Karl Seeger und Carsten Mössner und grast ganzjährig in der Natur- und Kulturlandschaft des Heckengäus.
Ja, bisher gibt es fünf  Infotafeln für die Waldbesucher. Weitere Infotafeln sind geplant.