Ziegen gegen Dornen und Müll
Auf dem Schlossberg wird man in nächster Zeit ungewöhnliche Besucher beobachten können: Eine kleine Ziegenherde wird zehn Tage lang auf der Fläche unterhalb des Pulverturms weiden. Damit möchte die Stadt dem Dornen-Müll-Problem entgegenwirken.
Früher hätte man die wuchernden Gestrüppe mit Mähmaschinen in Schach halten können. Heute wächst auf der städtischen Fläche unterhalb des Pulverturms hohes Dornengestrüpp, dem die Stadt immer schlechter Herr wird. Der Grund: Klassisches Mähen oder Mulchen ist momentan nur erschwert möglich, da das Gelände zunehmend mit weggeworfenen Flaschen und Müll übersäht ist. In einer einmaligen, aufwändigen Säuberungsaktion hat die Stadt nun den Müll entsorgt. Übrig geblieben sind die Dornen – diese sollen jetzt mit tierischer Unterstützung entfernt werden.
Dornenmäher auf vier Beinen
Die Stadtverwaltung lässt auf der unschönen Fläche in den kommenden Tagen eine Ziegenherde weiden. Die kulinarischen Vorlieben von Ziegen sind vor allem dornige oder bittere Gewächse. Bis zu 60 Prozent ihres Futterbedarfs können die Buschbeweider über Gehölze decken, was sie zuidealen „Dornenmähern“ auf vier Beiden macht. Die Ziegen beißen die Dornen innerhalb der geplanten zehn Tage weg. Eine „win-win“ Situation für die Stadtverwaltung, die Ziegen und deren Halter. Letztere sind Privatpersonen, die ihre Tiere sonst auf einer Wiese weiden lassen.
Dornen und Müll – ein Teufelskreis
Die Aktion soll vor allem auf das Müllproblem am Schlossberg aufmerksam machen und dem nachhaltig entgegentreten. Einige Besucherinnen und Besucher des Schlossbergs werfen ihren Müll vom Pulverturm und verunreinigen damit die Fläche am Rand der Stadtmauer. Eine Art Teufelskreis entsteht: Über den Müll wuchern dornige Gestrüppe, die verhindern, dass die alten Flaschen und Plastikverpackungen eingesammelt werden können. Die Dornen wiederum können nicht gemäht werden, da der Müll die Mähmaschinen kaputtmachen würde und dabei die Glassplitter der Flaschen über die gesamte Fläche verteilt würden. Dies birgt eine hohe Verletzungsgefahr. Die Ziegen-Aktion soll den Teufelskreis jetzt durchbrechen.
„Auch wir wollen uns tierisch wohlfühlen“
Stadtkämmerer Tim Deininger hofft, dass das Projekt nachhaltig Wirkung zeigt: „Während die Ziegen dort weiden, wird weniger Müll als zuvor auf der Fläche landen. Wenn diese Testphase erfolgreich verläuft, werden wir die Ziegen zwei- bis dreimal im Jahr für mehrere Wochen dort einsetzen. Mit der Aktion können wir hoffentlich an das Gewissen der Menschen appellieren, einen Weideplatz nicht zu verunreinigen“, so Deininger. „Zusätzlich planen wir, Hinweisschilder und einen weiteren Mülleimer aufzustellen, um die Menschen auf einen angemessenen Umgang mit der Natur hinzuweisen. Wir wollen uns schließlich alle auf dem Schlossberg tierisch wohlfühlen können.“