Geschichten aus dem Gedächtnis der Stadt

Das Stadtarchiv als historisches Gedächtnis der Stadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, in regelmäßigen Abständen interessante Unterlagen aus seinen Beständen vorzustellen und dabei spannende Geschichten aus der Geschichte der Stadt zu erzählen.

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Neues aus dem Stadtarchiv

Von Konstantinopel nach Gültstein


Belgrad, Konstantinopel, Tripolis, Aleppo, Yunnan in China – die Lebensstationen von Otto Kapp von Gültstein erscheinen überraschend für einen am 1. August 1853 geborenen Rottenburger Lehrerssohn. Nach einem Leben als Weltbummler zog er sich nach Stuttgart und Gültstein zurück. Begraben wurde er in Gültstein in einem eigens erbauten Familienmausoleum, entlang der Bahnlinie gelegen.
 
Sein Vater Johann Martin Kapp, der in Gültstein geboren wurde, war seit 1847 evangelischer Religionslehrer in Rottenburg und bewohnte mit seiner Frau Regine Magdalena, geborene Lutz, das evangelische Pfarrhaus in Rottenburg am Moritzplatz 2. Dennoch ergriff Otto erstaunlicherweise nicht den auch vom Großvater ausgeübten Lehrerberuf, sondern entschied sich, inspiriert durch einen Freund seines Vaters, der als Eisenbahnbauer unter anderem an der Geislinger Steige mitarbeitete, für ein Studium zum Bauingenieur an der Polytechnischen Schule in Stuttgart.
 
Nachdem er erste Berufserfahrungen bei den Württembergischen Eisenbahnbauämtern Herrenberg und Dornstetten sowie beim Marinebauamt Wilhelmshaven gesammelt hatte, gelang es ihm, eine Stelle im Planungsbüro der Serbischen Bahnen, zunächst allerdings nur als technischer Zeichner zu bekommen. Bereits nach zwei Monaten war er Büroleiter. Aus finanziellen Schwierigkeiten wurde das Büro 1882 geschlossen. Dennoch erhielt er  1884 bei der französischen Baufirma Régie générale des chemins de fer et travaux publics, die für das serbische Eisenbahnnetz verantwortlich zeichnete, eine Stelle als Ingenieur. Weitere wichtige Projekte waren 1887/88 Bauarbeiten am Kanal von Korinth und die Bauausführung von Teilen der Bagdadbahn zwischen 1889 und 1899. Für seine erfolgreiche Arbeit wurde er 1901 von Kaiser Wilhelm II. zum Kaiserlichen Geheimen Baurat ernannt. Weitere Strecken plante Kapp in Syrien, China oder Chile, im Vorderen Orient und am Schwarzen Meer. Dazu kamen – nach politischen Angriffen deutscher Diplomaten beim Bau der Hedjazbahn – Wasserbauprojekte, unter anderem an der Drina im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien.
 
1905 erhielt er von König Wilhelm II. einen erblichen Adelstitel, wofür er sich aus Verbundenheit mit der Familie seines Vaters „von Gültstein“ aussuchte. 1907/08 ließ Kapp in Gültstein, das für ihn „zum schönsten Ort der Welt“ geworden war, eine Villa mit Torwarthaus im Stil des Historismus bauen und kaufte auch einen Begräbnisplatz direkt neben der Bahnlinie.
 
1912 starb in Gültstein sein Frau Olga, mit der er seit 1888 verheiratet war. Zwei der vier gemeinsamen Kinder waren ebenso früh verstorben, der jüngste Sohn kam im Mai 1918 in Frankreich ums Leben. Dies waren persönlich schwierige Jahre im Leben Otto Kapps und auch beruflich ging es ihm in dieser Zeit nicht gut, denn durch den Beginn des ersten Weltkriegs verlor er, der 30 Jahre als leitender Ingenieur in der französischen Firma „Régie générale“ tätig gewesen war, als Deutscher und damit Feind seine Arbeitsstelle und auch die Freundschaft von deren Besitzer Graf Vitali. All dies nahm ihn so schwer mit, dass sich sein Gesundheitszustand stark verschlechterte. Zudem musste ihm wohl aufgrund einer Diabeteserkrankung sein Bein amputiert werden. Die ihm verbleibende Zeit bis zu seinem Tod am 19. Oktober 1920 verbrachte er abwechselnd in Stuttgart und in der Sommerfrische in Gültstein, wo er auch in der für sich und seine Familie erbauten neuromanischen Grabkapelle – bezeichnenderweise direkt an der Bahnlinie gelegen – bestattet wurde. Otto Kapp von Gültstein starb im Alter von 67 Jahren.
 
Neben seinen großen Verdiensten um den Eisenbahnbau, engagierte sich Otto Kapp auch stark für Bildungsthemen. So stiftete er der Hochschule Stuttgart, an der er selbst studiert hatte, Geld, um dem Ingenieursnachwuchs Reisen zu ermöglichen. Dafür erhielt Otto Kapp den Ehrentitel eines Doktor-Ingenieurs. Während der Zeit seiner Arbeit in Konstantinopel unterstützte er unter anderem den Bau einer deutschen Schule. Zum Dank für die Förderung wohltätiger Einrichtungen in Gültstein erhielt er am 1. August 1913 die dortige Ehrenbürgerschaft. Und auch in Stuttgart – etwa für die Ludwigsspitalstiftung Charlottenhilfe – war er karitativ tätig. In Gültstein bleibt er unter anderem wegen des Baus seines „Schlössles“ unvergessen. Heute ist die ehemalige Kapp-Villa Teil des Tagungszentrums des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg.  

Abbildung der Ehrenbürgerurkunde für Otto Kapp
Abbildung der Ehrenbürgerurkunde für Otto Kapp von Gültstein aus dem Jahr 1913. In diesem Jahr jährt sich sein Todestag zum 100. Mal.

Vom Herrenberger Lateinschüler zum Maler in Düsseldorf


Am 17. Juni jährte sich der Todestag des Malers Theodor Schüz zum 120. Mal. Schüz verbrachte seine Kindheit und Jugend in Nufringen und ging auf die Herrenberger Lateinschule. Später lebte er in Stuttgart, München und Düsseldorf. Seiner schwäbischen Heimt blieb er zeitlebens verbunden und reiste in den Sommermonaten immer wieder ins Gäu. Heute erinnert die Herrenberger Theodor-Schüz-Realschule an diesen großen Sohn der Stadt.
 
Theodor Schüz wurde 1830 als Sohn des Pfarrers Magister Georg Christoph Schüz in Thumlingen bei Freudenstadt geboren. Die Familie zog bald nach Nufringen. Theodor besuchte in Herrenberg die Lateinschule. Ein Bruder seines Vaters war dort Apotheker. Er schreibt darüber in einem Vortrag für einen Düsseldorfer Freundeskreis zurückblickend: „Es war doch eine schöne Zeit, dieser Herrenberger Schulbesuch! Von Frühjahr bis Herbst wanderten wir von Nufringen morgens früh zur Stadt, den Mittagstisch hatten wir beim Onkel, abends ging’s heim. Im Winter blieben wir die ganze Woche in der Stadt, nur Samstag bis Montag früh zu Haus. … Dann, vor dem Abstieg der Stadt kam man an einer alten Schloßruine vorbei und durch ein altes Tor an der alten schönen gotischen Kirche vorbei, deren Umgebung einen oftbesuchten Spielplatz bot, von dem aus nach beiden Seiten lange, breite Steintreppen hinab auf den Marktplatz führten. Davor ein großer runder Röhrenbrunnen, mit immer fließendem Wasser, auf dem in der Mitte auf einer Säule ein Löwe saß. Wenn ich nicht irre, sperrte er manchmal im Jahre seinen Rachen gegen das Rathaus auf und streckte den Schwanz nach der königlichen Post oder umgekehrt, wenn’s die Herren verdroß“.
 
Berufsausbildung
Nach dem Schulabschluss begann Schüz auf Wunsch des Vaters und entgegen seiner Begabung und Liebe zur Kunst zunächst in Herrenberg und dann in Göppingen bei Gerichtsnotar Judler eine Ausbildung zum Notar, mit der er sich allerdings so sehr quälte, dass der Vater schließlich doch den Berufswechsel in die Kunst erlaubte. So durfte Schüz anfangs an der Universität Tübingen Zeichenkurse bei Professor Heinrich Leibnitz (1811-1889) belegen, bevor er dann im Herbst 1848 sein Studium an der Kunstschule in Stuttgart aufnahm und unter anderem die Klassen von Gottlob Friedrich Steinkopf (1779-1860, Landschaftsmalerei) und Heinrich Franz Gaudenz von Rustige (1810-1900, Porträt und Genremalerei) besuchte.
 
Nächste Stationen
1854, nach dem Tod seiner Mutter, wechselte Schüz nach München, wo er jedoch zunächst - trotz der Anregungen durch Alpenlandschaften als Motiv - in eine ernste Schaffenskrise geriet, die sich erst durch Aufenthalte im Kreis der Familie in Unterlenningen und Nufringen wieder beheben ließen. Im Jahr 1856 kehrte Schüz wieder nach München zurück und wurde dort Schüler des Historienmalers Karl von Piloty in München, zu dessen engstem Kreis er unter anderem mit später so bekannten Malern wie Franz von Lenbach (1836-1904), Hans Markart (1840-1884) oder Franz von Defregger (1835-1921) gehörte. 1858 folgte Theodor Schüz der Einladung Pilotys nach Rom. Dort beschäftigte er sich vor allem mit Porträtstudien.
 
Werke
Sein heute wohl bekanntestes Bild, das in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellte Gemälde „Mittagsruhe in der Ernte“, entstand 1861 ebenfalls in seiner Münchner Zeit.
Bereits 1862 löste sich Schüz allerdings immer mehr von seinem Lehrer von Piloty, indem er beispielsweise aus dessen Atelier auszog. Grund dafür war wohl die eher freie Geisteshaltung von Pilotys, während Schüz wohl auch aufgrund seiner Herkunft aus einer Pfarrersfamilie von einem tiefen evangelischen Glauben erfüllt war. In München gehörte Schüz nach 1860 einer Künstlervereinigung namens „Kassandra“ an, zu der auch Albert Kappis (1836-1914), Anton Braith (1836–1905) und Christian Mali (1832–1906) zu zählen sind.
 
Foto des Gemäldes "Kirchenportal" von Theodor Schüz.
Aus dem Bestand des Herrenberger Stadtarchivs: Auf dem Gemälde „Kirchenportal“ von Theodor Schüz ist ein Seitenportal der  Stiftskirche zu sehen.


Familienleben
1866 kehrte Schüz München jedoch den Rücken und ging nach Düsseldorf, wo er sich neue Impulse für seine Malerei durch Andreas Achenbach, Benjamin Vautier (1829-1898) oder Ludwig Knaus (1829-1910) versprach und optimale Arbeitsbedingungen vorfand. Er blieb auch in Düsseldorf und ließ sich dort mit der Tochter Anna des Tübinger Professors der Philosophie Immanuel Tafel nieder. Der Ehe entstammen die Kinder Friedrich, Elisabeth, Martin und Hans. Dennoch blieb er seinen schwäbischen Wurzeln nicht nur in der Wahl seiner Bildthemen weiterhin verbunden, er reiste auch jährlich zur Sommerzeit dorthin. Während dieser Reisen fertigte er sorgfältige Landschafts- und Figurenskizzen an, die er dann in der Tradition der Düsseldorfer Genremalerei umsetzte. Bei ihm überwiegen ländlich-idyllische Motive, zum Beispiel Szenen am Sonntagmorgen beim Kirchgang oder bei der Arbeit, meist in sehr idealisierter Form. So tragen die dargestellten Bauern eher Sonntagskleidung.
 
Erinnerungen in Herrenberg
Die Genremalerei ist neben der Landschaftsmalerei, der Illustration und der Porträtmalerei eine der Stärken von Theodor Schüz, wie Professor Helge Bathelt in seiner Biographie über den Maler im 1999 erschienen Band der „Herrenberger Persönlichkeiten“ schrieb. Bathelt bezeichnete Schüz als den „Schilderer und „Photograph“ Schwabens“. Theodor Schüz verstarb vor 120 Jahren am 17. Juni 1900 in Düsseldorf.  Zur Erinnerung an Theodor Schüz‘ Schulzeit in Herrenberg wurde die 1975 eingeweihte Realschule im Längenholz nach ihm benannt. Im selben Jahr fand im Verwaltungsgebäude Markplatz 1 auch eine Gemäldeausstellung zu Schüz‘ Ehren statt.
 
Interesse an der Archivarbeit
Haben Sie Fragen an das Stadtarchiv oder möchten Sie alte Unterlagen, Briefe, Fotos oder Tagebücher oder Ähnliches abgeben? Dann wenden Sie sich gerne unter der Telefonnummer 07032/954633-0 oder E-Mail archiv@herrenberg.de an das Team des Herrenberger Stadtarchivs, Marienstraße 21.

Dokumentation der Corona-Krise in Herrenberg


Als Gedächtnis der Stadt hat das Archiv die Aufgabe, die Geschichte von Herrenberg in möglichst vielen Facetten festzuhalten. Auch die derzeitige Corona-Krise wird vom Stadtarchiv dokumentiert. Die Herrenbergerinnen und Herrenberger sind aufgerufen, persönliches Material zur Corona-Krise ans Stadtarchiv zu geben.
 
Das Stadtarchiv Herrenberg dokumentiert als Gedächtnis der Stadt die Geschichte Herrenbergs in möglichst vielen Facetten. “Deshalb bemühen wir uns, zusätzlich zur amtlichen Überlieferung mit ihren Verordnungen, Verfügungen und Beschlüssen die persönliche Lebenswirklichkeit der Herrenbergerinnen und Herrenberger abzubilden und übernehmen aussagekräftige Unterlagen von Privatpersonen, Vereinen und Gruppierungen”, erklärt Herrenbergs Stadtarchivarin Dr. Stefanie Albus-Kötz dazu. “Durch die Corona-Pandemie hat sich unser Alltagsleben so stark und einschneidend geändert wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr”, so Albus-Kötz weiter. Die Auswirkungen dieser Veränderungen möchte das Stadtarchiv Herrenberg umfassend für die Nachwelt festhalten. Denn eines ist sicher: Irgendwann wird ein Historiker oder eine Historikerin über Pandemien und ihre Folgen im 21. Jahrhundert forschen.
 
Entsprechend dem gesetzlichen Auftrag übernimmt das Stadtarchiv die im Rahmen der Krisenbewältigung amtlich entstandenen Unterlagen, so zum Beispiel die Protokolle des Corona-Krisenstabs der Stadtverwaltung Herrenberg. Darüber hinaus möchte das Stadtarchiv die veränderte konkrete Lebenswelt der Einwohnerinnen und Einwohner von Herrenberg festhalten. Das Stadtarchiv bittet deshalb um Mithilfe: “Bewahren Sie für diese besondere Zeit typische oder aussagekräftige Unterlagen auf und bieten Sie sie dem Stadtarchiv per Post oder E-Mail zur Archivierung an”, lädt Albus-Kötz ein. Als Beispiele nennt sie Aushänge über die Schließung von Geschäften, Schulen oder Kindertageseinrichtungen, Flyer über die Umstellung der Restaurants und Geschäfte auf Abhol- und Lieferservice, Aufforderungen zur Einhaltung der Hygieneregeln, aber auch persönliche Aufzeichnungen wie Tagebucheinträge und Notizen, Aufsätze und Essays, Gedichte oder Zeichnungen, Fotos oder Videos, die Menschen vor Ort im Zusammenhang mit der Corona-Krise angefertigt haben oder noch anfertigen werden. “Natürlich können wir nicht alles aufbewahren, aber eine Auswahl besonderer oder typischer Stücke würden wir gerne übernehmen, um nachfolgenden Generationen einen Eindruck der momentanen Lebenssituation in Herrenberg zu vermitteln”, so Albus-Kötz.
 
Persönlich erstellte Dokumente sollten unbedingt mit Namen und Datum versehen sein und eine Kurzbeschreibung und Notizen zum Entstehungshintergrund enthalten. Beigefügt werden sollte auch die Erlaubnis zur Aufbewahrung und Nutzung, mit der Angabe, in welcher Form die eingereichten Dokumente/Bilder genutzt und gegebenenfalls veröffentlicht werden dürfen – etwa: anonym, mit Namensnennung oder nur Nennung des Vornamens. Das Stadtarchiv weist darauf hin, dass es dabei ganz wichtig ist, dass die Urheberrechte anderer respektiert werden und nur Material angeboten wird, zu welchem Urheberrechte vorhanden sind.
 
Bei Fragen steht das Stadtarchiv gerne zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen freuen sich auf verschiedene Beiträge von Herrenbergerinnen und Herrenberger und bedanken sich im Voraus für diese Mithilfe: Telefon 07032 9546330, E-Mail archiv@herrenberg.de.

Quellen zum Nationalsozialismus unter die Lupe genommen


20 Schülerinnen und Schüler des Schickhardt-Gymnasiums haben in der vergangenen Woche Archivluft geschnuppert: Bei einem Workshop mit dem Historiker Dr. Marcel vom Lehn haben sie einen digitalen Stadtrundgang zur Geschichte Herrenbergs im Nationalsozialismus entwickelt.
 
Während des fünftägigen Workshops haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 und der Jahrgangsstufe 1 des Schickhardt-Gymnasiums intensiv mit der lokalen NS-Geschichte der Stadt auseinandergesetzt. Ziel des Projekts war es, Texte und Audiodateien für einen digitalen Stadtrundgang zu entwickeln. Stadtarchivarin Dr. Stefanie Albus-Kötz ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Die Schülerinnen und Schüler konnten nicht nur viel für sich selbst mitnehmen; das Tolle ist, dass den Online-Stadtrundgang künftig auch andere Schulklassen und Interessierte nutzen können, die sich über die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt informieren möchten.“ Der Stadtrundgang wird aus zehn Stationen – vor allem in der Herrenberger Innenstadt - bestehen. Themen sind unter anderem die Rolle der Kirche und der Schule im Nationalsozialismus, die Jugendorganisationen, der Holocaust oder der Zweite Weltkrieg.

Mit Originalquellen gearbeitet

Dass das Projekt bei den Schülerinnen und Schülern gut ankam, können die beiden Lehrkräfte, die das Projekt betreut haben, bestätigen: „Mit welchem Engagement die Schülerinnen und Schüler dabei waren, hat uns sehr gefreut“, sagen Jan Lenz und Anja Epple. „Für die Schülerinnen und Schüler war es faszinierend, die Originalquellen und -materialien in Händen zu halten“, berichten sie. Außerdem haben die Jugendlichen mit Fachliteratur gearbeitet, die der Historiker Dr. Marcel vom Lehn zusammengestellt hat.
 
In den kommenden Wochen werden die Texte und selbst produzierten Audiodateien in die städtische Homepage eingearbeitet, sodass der Online-Stadtrundgang direkt über www.herrenberg.de aufgerufen werden kann.

Gemeinderat stellte Geld bereit

Mit dem im November 2017 erschienen Buch „Herrenberg im Nationalsozialismus. Stadt und Gesellschaft (1933-1945)“ von Dr. Marcel vom Lehn wurde auch die Basis für eine weiterführende Beschäftigung der Herrenberger Schulen mit diesem Zeitabschnitt der lokalen Geschichte geschaffen. Letztes Jahr stellte der Gemeinderat noch einmal 5.000 Euro bereit, mit denen nun das Schülerprojekt finanziert werden konnte.

Mehr erfahren: www.herrenberg.de/nationalsozialimus


Vom Krämer zum Handelsmann


Neues aus dem Archiv:
Zum 400. Geburtstag von Hans Jakob Khönle


Der Geburtstag von Hans Jakob Khönle jährt sich am 25. März 2018 zum 400. Mal. Als Initiator der Handelsfamilie Khönle versorgte er Mitte des 17. Jahrhunderts Herrenberg und Umgebung mit Eisenwaren und Produkten aus Übersee. Die Erfolge dieser Persönlichkeit aus Herrenberg sind Thema dieses Beitrags aus dem Stadtarchiv.
 
Hans Jakob Khönle kam am 25. März 1618 drittes Kind des Schreiners und Obermüllers Michael Khönle in Hildrizhausen zur Welt. Er war der Stammvater der Handelsfamilie Khönle, die im 17. und 18. Jahrhundert Herrenberg und das Gäu mit überseeischen Produkten belieferte.
 
Epitaph Hans Jakob Khönle

Startbedingungen

Nach Herrenberg kam Hans Jakob Khönle 1651 durch seine Heirat mit der Bäckerstochter Rosina Ruthardt. Auskunft über die Heirat sowie das Vermögen, das beide in die Ehe mitbrachten, gibt die vom 5. Oktober 1651 stammende sogenannte Beibringensinventur, die im Stadtarchiv Herrenberg verwahrt wird. Die Mitgift von Rosina umfasste nur bescheidene 77 Gulden. Sie bestand nicht etwa aus Bargeld oder Immobilienbesitz, sondern lediglich aus Kleidern, Leinwand, Bettzeug, Möbeln wie Tisch und Bettlade sowie Nutztieren, nämlich je einer Kuh, einem Schwein, einem Bienenstock und zwei Hühnern. Damit war sie nicht gerade eine gute Partie. Hans Jakob dagegen hatte sein Vermögen in Höhe von 1000 Gulden in Eisenwaren angelegt, war er doch Eisenkrämer mit Niederlassungen in Frankfurt und Straßburg. Weiteres Geld oder auch Kleidung über das hinaus, was er am Leib trug, besaß er laut Inventur nicht, hatte aber auch keine Schulden.

Sortiment

Seine Eisenwaren waren offenbar gefragt – in einer Zeit, in der man in Herrenberg nach dem verheerenden Stadtbrand von 1635 und dem Ende des 30-jährigen Krieges mit dem Wiederaufbau beschäftigt war. Bereits im Januar 1652 konnte er sich eine Hofstatt am Marktplatz, wo nur die Herrenberger Führungsschicht wohnte, kaufen; dort erbaute er sein erstes Haus. Die angrenzende Hofstatt zur Schuhgasse hin folgte 1657 und wurde 1663 bebaut, 1664 und 1667 erwarb er eine weitere bisher unbebaute Hofstatt sowie das Haus des ehemaligen Vogts Johann Georg Vischer.
Khönle baute auch sein Warensortiment weiter aus, selbst wenn sein Kerngeschäft immer noch der Eisenhandel blieb. Eine Übersicht der Waren, die er in seinen Niederlassungen in Frankfurt, Straßburg und Herrenberg vertrieb, findet sich in der Realteilung, die anlässlich seines Todes erstellt wurde. Das Sortiment war – wie man es sich bei einem Krämer vorstellt – bunt gemischt und reichte von Messern oder Mistgabeln über Scheren, Hüte, Bänder aus Atlas oder Taft bis hin zu Gewürzen wie Muskat oder Pfeffer, Farben wie Goldpigment oder Rot, gewonnen aus den Cochenille-Läusen, hinzu kamen Knöpfe, Nadeln, Glas, Spiegel oder Flaschen. Bereits der Umfang der zu einem dickeren Band gebundenen Realteilung im Vergleich zu der nur sechs Blatt umfassenden Inventur zeigt, wie sehr sein Vermögen gewachsen war: Er verfügte nach Abzug der Schulden über das stattliche Vermögen von 29.552 Gulden, das unter seiner Witwe Rosina Khönle sowie seinen drei überlebenden Kindern Hans Jakob, 25 Jahre, Anna Ottilia, 20 Jahre, und Anna Rosina, 6 Jahre, aufgeteilt wurde.

Ehrenamtliches Engagement

Ein Blick in die Chronik von Vogt Gottlieb Friedrich Heß zeigt, dass Hans Jakob Khönle parallel zu seinem materiellen Erfolg auch sein Sozialprestige in der Stadt steigern konnte: Von 1660 bis zu seinem Tod 1675 war er Mitglied des Rates. Daran änderte auch die Anklage wegen Zollvergehen im Jahr 1669 nichts, für die er auf herzoglichen Entscheid vom 4. März 1669 einen Gulden Strafe zahlen musste.
 
Hauszeichen KhönleHauszeichen der Familie Khönle

Lebensende

Nach einem erfüllten Leben starb Hans Jakob Khönle am 10. März 1675 im Alter von 57 Jahren. Davon zeugt noch heute sein Epitaph in der Vorhalle der Stiftskirche. Neben seiner Witwe überlebten ihn drei seiner elf Kinder, von denen der älteste, Hans Jakob, die väterlichen Geschäfte übernahm. Er baute das Unternehmen weiter aus und hinterließ bei seinem Tod das erneut vermehrte Vermögen von 70.000 Gulden.

Information des Stadtarchivs

Haben Sie Fragen an das Stadtarchiv? Oder möchten Sie alte Unterlagen (Briefe, Fotos, Tagebücher etc.) zur Geschichte Herrenbergs und seiner Stadtteile abgeben? Dann wenden Sie sich gerne an das Archiv unter Telefon 07032 954633-0 oder E-Mail archiv@herrenberg.de.
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Dank über die meisterhafte Ausführung der Wasserleitung


Baurat Hermann Ehmann wird 1894 Ehrenbürger von Kayh


Eine zentrale Rolle bei der Errichtung der Wasserversorgung in Kayh spielte Baurat Hermann Ehmann. Für seine Verdienste verlieh ihm die damals selbstständige Gemeinde im Jahr 1894 das Ehrenbürgerrecht. Bei Ordnungsarbeiten im Stadtarchiv wurde vor kurzem die Ehrenbürgerurkunde aufgefunden – Anlass, die Persönlichkeit Ehmanns und sein Wirken in Kayh vorzustellen.  

Ein Kurzporträt über Hermann Ehmann mit den wichtigsten Lebensdaten findet sich im Zentralblatt der Bauverwaltung vom 16. Dezember 1905. Er wurde am 10. Juni 1844 in Möckmühl im württembergischen Oberamt Neckarsulm geboren. Von 1861 bis 1866 studierte er Ingenieurwesen an der Polytechnischen Schule in Stuttgart, einem Vorläufer der heutigen Universität. Wenig später trat er in die staatliche Wasserbauverwaltung, ebenfalls in Stuttgart, ein, an deren Spitze sein älterer Verwandter Karl Ehmann stand. Dort brachte er es bis zum Staatstechniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen.

Einen Namen machte sich Hermann Ehmann vor allem beim Bau der Wasserversorgung auf der Schwäbischen Alb, im Nordschwarzwald und auf den Fildern nahe Stuttgart. Von „weiteren größeren und kleineren Aufgaben der Wasserversorgung, die v. Ehmann selbst auszuführen hatte oder zu denen sein bewährter Rat eingeholt wurde“, ist in der erwähnten Biografie die Rede. Dazu kann seine Tätigkeit in Kayh gerechnet werden.   

Quelle von Altinger Mühle


Das Dorf am südlichen Hang des Schönbuchs hatte schon immer unter Wassermangel zu leiden gehabt. Die wenigen vorhandenen Quellen waren gipshaltig und kaum ergiebig.  Wiederholt hatte sich die Gemeinde vergeblich um Abhilfe bemüht. Der Kontakt zu Hermann Ehmann kam zustande über den Herrenberger Oberamtmann Theodor Völter. Baurat Ehmann nahm vor Ort eine Bestandsaufnahme vor und fand die Lösung des Problems. In der ‚Beilage zum Gäuboten‘ vom 24. Dezember 1892 heißt es: „Er schlug vor, eine Quelle in nächster Nähe der Altinger Mühle zu fassen und sie [nach Kayh] hinaufzuleiten.“ Zur Umsetzung des Projekts musste allerdings noch eine Quelle bei Tailfingen erworben werden, „da bezweifelt wurde, ob die erste in allen Zeiten die Gemeinde vollständig versorge“.

Wasserversorgung in Kayh


Die Bauarbeiten an der Kayher Wasserversorgung begannen im Mai 1892 und gingen zügig voran. Bereits im November konnte der Betrieb aufgenommen werden, was laut ‚Gäubote‘ „Viele kaum zu hoffen wagten und was vor verhältnismäßig kurzer Zeit selbst Technikern unmöglich schien“. Die Kosten beliefen sich auf rund 48.000 Mark. Der württembergische Staat und das Oberamt Herrenberg steuerten einen bedeutenden Teil bei. Bemerkenswert ist, dass die Summe nur unwesentlich über dem von Baurat Ehmann im Januar 1892 ausgerechneten Betrag in Höhe von 45.900 Mark lag.

Ehrungen für Ehmann


Hermann Ehmann hatte sich „durch die Sicherheit, mit der die versprochenen Leistungen der gebauten Werke zutrafen, und durch die Zuverlässigkeit seiner Kostenvoranschläge, die er stets einhielt, allgemeinstes Vertrauen erworben“, charakterisiert das genannte ‚Zentralblatt der Bauverwaltung‘ seine Arbeitsweise und die Resonanz darauf. Die Gemeinde Kayh zeigte ihm ihren „innigsten Dank über die meisterhafte Ausführung der Wasserleitung“, indem sie ihn am 17. Mai 1894 zum Ehrenbürger ernannte. In den darauffolgenden Jahren wurden ihm weitere Ehrungen zuteil. Unter anderem wurde er zum Oberbaurat befördert und in den Personaladel erhoben. Am 7. Dezember 1905 starb der Wasserbauingenieur im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines Herzschlags. Dass er in Kayh nicht vergessen wurde, davon zeugt ein Aufsatz über die Wasserversorgung im Ortsbuch, das 1990 aus Anlass der 800-Jahr-Feier erschien.

Gültsteiner Hebammen machten ihre Sache gut


Eine Hebamme auf dem Land war bis Ende des 18. Jahrhunderts selten hauptberuflich tätig. Die Dorfhebamme wurde von den verheirateten Frauen gewählt und nur schlecht bezahlt. Erst im 18. Jahrhundert versuchten die Landesherren, eine verbindliche Hebammenausbildung einzuführen. Das Stadtarchiv Herrenberg berichtet aus einem Tagebuch der Gültsteiner Hebammen.

Hebammenbuch Umschlag
Umschlag des Hebammenbuchs im Stadtarchiv

Vierzehn Jahre lang wurde das Tagebuch der beiden Gültsteiner Hebammen geführt, vom 1. Juli 1858 bis zum 17. September 1872. Maria Agnes Mayer und Frau Kapp, deren Vorname nicht genannt wird, verzeichneten hier fast 300 Geburten. Das Tagebuch ist in Vorbereitung auf das 1200. Ortsjubiläums von Gültstein, das 2019 gefeiert wird, aufgetaucht. Das Ortsarchiv, das gerade neu erschlossen wird, ist mit 80 Metern Umfang das zweitgrößte Teilortsarchiv Herrenbergs. Das Tagebuch der diensthabenden Gültsteiner Hebammen, Signatur OrtsA Gültstein B 281, ist ein vom Verleger Andreas Braun vorgedrucktes „Tage-Buch der vorgekommenen Geburten“ mit 16 Rubriken; darunter das Alter der Gebärenden, die Zahl der vorherigen Geburten, die Dauer der Geburt oder die Art der Hilfe bei der Entbindung. Am Ende erfolgte durch den jeweiligen Pfarrer die Beurkundung der Übereinstimmung des Hebammenbuchs mit dem Taufregister. Zudem unterschrieb der zuständige Herrenberger Oberamtsarzt oder, wie es damals hieß, „Oberamtsphysikat“ Welsch.

Ältere Mütter keine Seltenheit


Bei insgesamt 298 verzeichneten Geburten starben 19 Kinder bei oder vor der Geburt. Der größte Teil der Mütter war zwischen 20 und 40 Jahren alt, nur drei Frauen waren unter 20 Jahre alt, die jüngste Mutter war 17. Erstaunlich ist die relativ große Anzahl der Mütter über 40 Jahren: immerhin bei 42 der 298 Geburten. Die älteste Gültsteiner Mutter war Martha Bühler: Sie bekam am 15. Mai 1866 mit 48 Jahren ihr zehntes Kind, einen Knaben. Die 47-jährige Friederike Krauß brachte bei ihrer zwölften Geburt in acht Stunden ein lebendes Mädchen zur Welt.

Hebammenbuch Beispielseite
Beispielseite aus dem Hebammenbuch

Wenn die Hebamme es nicht allein schaffte, zog sie noch einen Geburtshelfer, in Gültstein die Herren Grundler oder Klein, hinzu. In einem Fall – zumindest ist es so verzeichnet – kam es zu einer Steißgeburt (bei der das Kind umgekehrt liegt), das Kind war offenbar bereits vor der Geburt verstorben. In vier Fällen mussten Zwillinge entbunden werden, die offenbar auch alle lebend zur Welt kamen und nur in einem Fall nicht allein von der Hebamme, sondern mit Hilfe von Geburtshelfer Grundler geholt wurden. 29 Kinder kamen unreif, also als Frühchen, zur Welt, wovon die meisten auch überlebten. Zu Komplikationen kam es immer wieder, weil sich etwa die Nachgeburt nicht löste, was zu starken Blutungen führte. Am 17. Mai 1868 musste bei der 28-jährigen Maria Johanna Schanz wegen einer Schieflage des kindlichen Kopfes mit der Zange nachgeholfen werden, dennoch überlebten Mutter und Kind.

Dramatische Geburt verläuft tödlich


Eine sehr dramatische Geburt spielte sich am 14. September 1872 ab: Die 30-jährige Heinrike Hahn brachte ihr viertes Kind zur Welt. Nach einer halben Stunde Wehen rief man die Gemeindehebamme Kapp, nach 18 Stunden Geburtshelfer Grundler. Das Kind, ein reifer Knabe, lag falsch, außerdem gab es offensichtlich Probleme mit der Lage der Plazenta, weshalb man versuchte, das Kind „mit künstlicher Hilfe“ auf die Füße zu wenden. Dies scheint aber misslungen zu sein. Eine daraufhin einsetzende starke Blutung führte zu Ohnmacht und großer Schwäche der Mutter, der man mit Zinntinktur und Hoffmannstropfen – fachsprachlich Spiritus aethereus, bestehend aus Ethanol- und Diethylether – entgegenzuwirken suchte. Dennoch verstarb Heinrike Hahn – als einzige Mutter im vorliegenden Aufzeichnungszeitraum – eine halbe Stunde nach der Geburt, und auch ihr Sohn starb offenbar noch im Mutterleib. In vielen Fällen glückte aber auch eine Wendung des Kindes, die zum Beispiel wegen einer vorliegenden Nabelschnur oder Querlage nötig geworden war – die Gültsteiner Dorfhebammen machten ihre Sache also durchaus gut.

Hebamme war nur Nebentätigkeit


Wie sah die Hebammenausbildung im 19. Jahrhundert überhaupt aus? Im Gegensatz zu den Städten, in denen verstärkt ab dem 16. Jahrhundert ein geregelter Hebammenunterricht einsetzte, wurde das Hebammenwesen auf dem Land bis zum Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund der schlechten Bezahlung und der Tatsache, dass die Tätigkeit als so etwas wie Nachbarschaftshilfe galt und die Dorfhebamme von den verheirateten Frauen gewählt wurde, eher als Nebentätigkeit angesehen. Oft führte die Hebamme auf dem Dorf auch noch den Haushalt der Wöchnerin und kümmerte sich intensiv um Säugling und Mutter.

Erst im 18. Jahrhundert versuchten die Landesherren, eine Hebammenausbildung verbindlich einzuführen. So enthält die erste württembergische Medizinalordnung „Des Herzogtums Wirtemberg wiederholt erneuerte Apotheken-Ordnung und Tax“ von 1720 auch Vorschriften für den Hebammenberuf. Eine schulmäßige Ausbildung gab es erstmals zwischen 1787 und 1793 auf der Hohen Karlsschule. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Führung von Hebammentagebüchern festgelegt. Verschiedene Hebammenschulen, in Stuttgart angegliedert an das Katharinenhospital und in Tübingen angeschlossen an die dortige Klinik, wurden eröffnet.


Landeshebammenschule eingerichtet


1837 setzte in Württemberg der staatlich geregelte Hebammenunterricht ein. Die Prüfungen wurden nach einem dreimonatigen Kurs in Stuttgart oder Tübingen von einem Mitglied des Medizinalkollegiums bzw. der medizinischen Fakultät abgenommen. Seit 1847 fand die Ausbildung mit vier jährlichen Kursen nur noch in Stuttgart statt, 1863 wurde per Statut die Landeshebammenschule in Stuttgart errichtet. Voraussetzung für eine Aufnahme war das Bestehen einer Vorprüfung. Nach der Ausbildung sollten alle drei Jahre Repetitionskurse besucht werden, bei denen auch die mitgebrachten Tagebücher, Gerätschaften etc. überprüft wurden.

Auch die beiden Gültsteiner Hebammen Mayer und Kapp dürften demnach an der Stuttgarter Hebammenschule ausgebildet worden sein, was aber bisher nicht belegbar ist. Ihre offensichtliche Kompetenz zeigt sich an der großen Anzahl schwieriger Geburten und der Tatsache, dass es ihnen außer in einem Fall immer gelang, das Leben der Mütter zu retten.