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Vom Rasen zur Streuobstwiese


Gemeinschaftliche Pflanzaktion in der SchwarzwaldsiedlungKennengelernt hatte man sich letztes Jahr in den Initiativen zum Erhalt der Quartiersspielplätze. Nachdem hier keine Aktivität mehr nötig war, wollte man sich weiter gemeinsam in der Mitmachstadt engagieren. Schnell war ein geeignetes Projekt in der Schwarzwaldsiedlung gefunden. Auf einem städtischen Grünstreifen am Schauinslandweg, der bislang außer Rasen nicht viel zu bieten hatte, sollte eine kleine Streuobstwiese entstehen. Das Stück liegt sehr günstig in Südhanglage und bietet sich förmlich zum Anbau von Obst an.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde zunächst mit der Stadt Kontakt aufgenommen. Mit der Referentin für Bürgerprojekte, Frau Vanessa Watkins, hatte man von Anbeginn an eine kompetente Ansprechpartnerin. Sie klärte mit dem Liegenschaftsamt und den zuständigen anderen Stellen, wie den Technischen Diensten (TDH) ab, ob ein solches Ansinnen möglich wäre.

Bei zwei Vorort-Terminen wurden die Pläne mit dem Leiter der Gartenbau-Abteilung, Herrn Siegfried Jauch, abgestimmt. Bei der Stadt rannte man hier offene Türen ein. Die Zusammenarbeit erfolgte stets sehr wohlwollend und kooperativ. Sie mündete in eine Grünflächen-Pflegevereinbarung zwischen den Obstbaumfreunden und den Technischen Diensten. Zusätzlich wurde von der Stadt auch eine beantragte Förderung des Projekts genehmigt.

So konnte man sich also Gedanken machen, was man nun konkret anpflanzen wollte. Rat holte man sich nicht nur bei kundigen Obstbaum-Experten. Viele Tipps konnten auch dem über hundert Jahre alten Württembergischen Obstbuch von 1914 entnommen werden.Zur Beratung ging es schließlich an einem eisigen Wintertag nach Tailfingen zur Baumschule Kienzle. Halbstamm-Apfelbäume robuster, regionaler Sorten sollten es sein. Herausgekommen sind nun Topaz, Brettacher, Boskoop und Berlepsch Renette. Die Obstbaumfreunde konnten es nach dem kalten Winter kaum mehr erwarten, bis der Boden endlich auftaute, um die Pflanzung zu beginnen.

Letzte Woche nun konnten die Baum-Setzlinge in Tailfingen abgeholt werden. Am Samstag, bei idealem Wetter, wurde man auf dem Stückle aktiv. Alteingesessene, Hinzugezogene und ein junger Mann aus dem Irak fanden sich am Schauinslandweg mit Bollerwagen, Spaten, Grabgabel, Pickel, Vorschlaghammer und Gartenschlauch ein. Die fünf Apfelbäume wurden, sauber mit Pflanzpfählen und Verbissschutz gesichert, in die ausgehobenen und mit Komposterde aufgefüllten Gruben gesetzt. Zusätzlich wurden auf einem abgetrennten Teilstück noch Johannisbeeren, Josta- und Aronia-Beeren gepflanzt. Dass man nach getaner Arbeit noch gemütlich bei Butterbrezeln und Kuchen zusammensaß, verstand sich von selbst.

Da man in der Initiative nicht nur die Ernte von frischem Obst im Auge hat, sondern vielmehr an den kommunikativen Aspekt denkt, der hier lebende Menschen einander näher bringen soll, wurde von den Obstbaumfreunden über das Herrenberger Bänkle-Projekt gleich noch eine Parkbank gestiftet. Damit hätte man in der Schwarzwaldsiedlung neben dem Haus der Begegnung auch noch einen Platz der Begegnung. Die Bank soll demnächst von den TDH installiert werden. Dort kann man künftig nicht nur den Äpfeln und Träuble beim Wachsen zusehen, sondern auch noch entspannt sitzend den Blick übers Land schweifen lassen. Eine weitere ökologische Aufwertung soll noch dadurch erzielt werden, dass ein gegenüber wohnender Imker für seine Bienen Krokusse auf der Wiese pflanzen möchte.

Die Obstbaumfreunde Schauinslandweg, wie man sich mittlerweile nennt, sind keine geschlossene Gruppe. Interessierte sind jederzeit willkommen.
Vielleicht ermuntert dieses Bürger-Projekt ja auch andere Herrenberger, weniger attraktive, bislang ungenutzte Brachflächen in ihrer Umgebung zu ökologischen Biotopen zu verwandeln.

Author: Wolfgang Zwick