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Interkultureller Literaturspaziergang


Interkultureller Literatur-Spatziergang über den Gülsteiner StreuobstwegEin weiteres Vorhaben: Die Engagierten des Interkulturellen Gartens Herrenberg zu unterstützen, die gleichzeitig um die Gartenkultur und den interkulturellen Austausch bemüht sind und die als Kooperationspartner wirkten. Der zweite Partner waren die Literaturspaziergänge Hahn, Kusiek und Laing aus Marbach: Sie erhalten die Erinnerung an die Dichter der Region Stuttgart lebendig. 22 neugierige Teilnehmer*innen hatten sich dem Spaziergang angeschlossen, darunter auch Vertreter des Schwäbischen Tagblatts und des Gäuboten. Startpunkt der Führung war der Beginn des Streuobstwiesenwegs Herrenberg / Gültstein am Grasigen Weg. Von dort aus legten wir drei Viertel des Pfads bis zum Hutner-Häusle zurück – unser Umkehrpunkt.

Anschließend ging es den Weg zurück und dann durch das Wohngebiet Ziegelfeld und die Hildrizhauser Straße in den Interkulturellen Garten. An den Schautafeln des Streuobstwegs und den Erlebnisstationen für Kindern tauchten wir in die Kulturlandschaft der Obstwiesen mit ihren charakteristischen Tieren, Pflanzen und Naturkreisläufen ein und erfuhren etwas von der Symbolik der Früchte in der Literatur. Sie können zum Beispiel für Liebe, Unsterblichkeit, Reinheit, Fruchtbarkeit oder die Vergänglichkeit stehen. Dabei wechselten sich die Textarten ab. Die Teilnehmer*innen lauschten Gedichten, Sprichwörtern, religiösen Texten wie der Bibel und dem Koran und Mythen. Auf dem Hinweg lernten wir Dichter aus der Region wie Ludwig Uhland, Reinhard Döhl kennen, hörten aber auch berühmte Gedichte von anderen deutschen Dichtern, etwa von Fontane oder Brecht. Koran- und Bibelpassagen, griechische Mythen und ein Gedicht des französischen Poeten Charles Vildrac waren ebenfalls Teil des Spaziergangs.

Immer wieder spielen in den Texten auch Beziehungen, Freigiebigkeit, Gastfreundschaft und die Verständigung eine Rolle, was den Zielen des Spaziergangs und des Herrenberger Projekte-Pools entspricht. So schließen in einem Gedicht von Charles Vildrac ein sprechender Apfel und eine Schnecke einen Kompromiss: Da die Frucht auf das Schneckenhaus gefallen ist, überwintert das Weichtier einfach in dem Fruchtfleisch und verpflichtet sich dafür, die Apfelkerne auszusäen. Im Gedicht Apfelbaum des Dichters und frühen Demokraten Ludwig Uhlands fungiert der Baum als Symbol der Gastfreundschaft, und in Fontanes Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland setzt sich die Freigiebigkeit des Herrn von Ribbeck sogar über mehrere Jahrhunderte fort.

Im weiteren Verlauf versetzten wir uns außerdem in südländische und südostasiatische Gefilde und in die Savanne und lernten zum Beispiel ein Gedicht über Orangen von Federico García Lorca, japanische Tankas und Haikus und eine Legende über den Affenbrotbaum aus Simbabwe kennen. So tauchten wir auch in die Eigenheiten anderer Kulturen und Bräuche ein. Als wir wieder am Ausgangspunkt angelangt waren, fühlten sich zwei Teilnehmende etwas erschöpft und fuhren dann einfach mit dem Auto zum Garten. Falls der Spaziergang auch bei den kommenden Streuobsterlebniswochen stattfindet, könnte der Ankündigungstext auf diese Möglichkeit hinweisen. Oder man parkt das Auto einfach zwischen dem Beginn des Streuobstwegs und dem Interkulturellen Garten und ist so nach dem Umtrunk schneller am Auto. Vielleicht entschließen sich bei einer etwas gekürzten Spaziergangsvariante auch alle, zu Fuß in den Garten zu gehen. Eine Kürzung aufgrund der Materialfülle wäre ohnehin sinnvoll, zumal manche Teilnehmer*innen stehen bleiben und Fotos knipsen oder Äpfel suchen.

Die verbliebene Gruppe spazierte durch Herrenberg in den Wengertweg und hörte unter anderem noch ein Gedicht der amerikanisch-palästinensischen Schriftstellerin Naomi Shihab Nye, die sich passend zum Spaziergang mit Völkerverständigung auseinandersetzt. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit ließen wir zwei andere Gedichte aus. Als wir im Interkulturellen Garten angelangten, empfingen uns mehrere der Engagierten an einem liebevoll dekorierten Tisch mit selbst gemachter Limonade aus Gartenkräutern, Biscotti und Nüssen. Christa Tesch und eine Mitstreiterin erzählten von den Aufteilungen des Gartens und ihren Aktivitäten – etwa die Vorbereitungen für die Lange Nacht der Kulturen am 3.10. Zudem konnten wir hier auch ein exotisches Bäumchen bewundern – einen Granatapfelbaum. Ein Ehepaar mit türkischen Wurzeln hat den Baum aus der Türkei mitgebracht und im Garten angepflanzt, und es ergaben sich angeregte Gespräche mit den Teilnehmenden des Spaziergangs. Passend dazu hörten wir zum Abschluss ein armenisches Märchen, in dem Granatäpfel eine besondere Rolle spielen, und das Ehepaar steuerte zu guter Letzt noch eine Anekdote über einen anatolischen Hochzeitsbrauch bei. Die Resonanz war sehr positiv, und einige Teilnehmer*innen nahmen Prospekte zur LaKuNa und die Broschüre von Hahn, Kusiek und Laing mit und spendeten für den Interkulturellen Garten.  

Authorin: Anne Abelein