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Respektvollen Umgang lehren- eine Aufgabe für alle


Kinder auf dem Weg in die SchuleAls Thema stand bei den Sechstklässler/innen des Andreae-Gymnasiums Herrenberg (AGH) am 14. November Respekt auf der Tagesordnung. Wie man respektvollen Umgang vermittelt, ist nicht einfach. Eltern und Pädagogen sehen sich mit der Frage tagtäglich konfrontiert. Eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern hat sich am AGH vor einiger Zeit intensiv damit auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei das Konzept eines Leitbildtages unter dem Motto „Respekt- Jeder hat das Recht sich wohlzufühlen“.  Zu theoretischen Idealen -  wie auch dem respektvollen Umgang -  bekennt man sich ja schnell. Daher überlegten sich die Pädagoginnen und Pädagogen, dass so etwas wie eine praktische Anwendung her müsste, bei der man übt, wie das respektvolle Miteinander aussieht. Im Rahmen eines Theaterworkshops testeten die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler das aus. Unter Anleitung erfahrener Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, den Themenbereich spielerisch zu erkunden. Sie erproben nicht nur, wie man respektvoll miteinander umgeht, sondern auch, wie es sich anfühlt, der Stärkere zu sein, oder was es mit einem macht, wenn sich alle von einem abwenden. In Rollenspielen wurde somit auch ihre Empathiefähigkeit gefördert: Durch den Blick- bzw. Perspektivwechsel wird das Verständnis für andere (u.a. auch für Schwächere) ermöglicht und die Sozialkompetenz geschult. In den Rollenspielen übten die Kinder nicht nur, sich fair und respektvoll zu verhalten, sondern darüber hinaus rücksichtsvolles Verhalten auch für andere einzufordern bzw. andere zu unterstützen.

„Was für ein Verhalten die Erwachsenen erwarten, ist den Schülerinnen und Schülern sehr wohl bewusst“, so Theaterpädagoge Otto Seitz. Sind die Jugendlichen jedoch in einer Situation, die sie emotional berührt, sieht die Reaktion oft sehr viel impulsiver aus:  Meist war die erste Wahl als Reaktion auf respektloses Verhalten das Heimzahlen mit gleicher Münze. Die Herausforderung war, andere Wege zu finden und zu erkunden.

Selbstbewusste, empathiefähige Menschen stärken die Zivilgesellschaft, indem sie zu einem harmonischeren Miteinander beitragen. Wie grundlegend das für einen respektvollen Umgang ist, steht außer Frage.  Warum sonst sind in den Leitbildern der Schulen, die von Eltern, Schülern und Lehrkräften erarbeitet wurden, solch hehre Ziele zu finden? An der Grundschule in Haslach fasst man es beispielsweise mit den Worten, „in Achtung miteinander leben“, an der Jerg Ratgeb Schule findet man es in den Worten „Unser Zusammenleben ist geprägt von [...] Höflichkeit und Freundlichkeit, Gewaltlosigkeit und Hilfsbereitschaft“ und am AGH bekennt man sich zu „gegenseitigem Respekt, Team- und Konfliktfähigkeit, Mitverantwortung, [...] Verantwortungsbewusstsein“, um nur ein paar zu nennen.

Mitte November wurde durch das Projekt der Versuch unternommen, diese Ideale beim Leitbildtag nachhaltig in Erinnerung zu rufen und sie mit Leben zu füllen.

Die Umsetzung im Alltag steht auf einem anderen Blatt. Wir alle sind gefragt, beim Einfordern des respektvollen Umgangs und nicht zuletzt im eigenen - im Idealfall- vorbildlichen respektvollen Verhalten.

Ermöglicht wurde dieser Aktionstag mit der finanziellen Unterstützung des Herrenberger Projekte-Pools und des Fördervereins des AGH (efa).