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Lachen verbindet und baut Brücken


Internet-Star Allaa Faham erzählt von Integration und ComedyAm Samstag, den 13.Oktober 2018 fand im Rahmen der Interkulturellen Wochen der Stadtbibliothek Herrenberg die Lesung „German LifeStyle“ statt. Zu Gast war Allaa Faham, der zusammen mit Abdul Abbasi den gleichnamigen YouTube-Kanal gegründet hat. Die beiden Syrer haben sich über das Internet kennengelernt und wollten ihren Beitrag zum Thema „Integration“ leisten. Zunächst war der Plan, mit kurzen, lustigen und humorvollen Videos den anderen syrischen Flüchtlingen die Kultur Deutschlands näher zu bringen. Schnell stellten Faham und Abbasi fest, das „Lachen verbindet und Brücken bauen kann“ und so werden heute die kulturellen Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten Deutschlands und Syriens auf die Schippe genommen.

Durch persönliche Terminschwierigkeiten konnte am Veranstaltungsabend Abdul Abbasi nicht anwesend sein. Jedoch gestaltete Allaa Faham die Lesung auch alleine hervorragend und stellte fest „Seid froh das ich da bin, ich bin viel lustiger als Abdul“. Mit dieser lockeren, offenen und charmanten Art hatte Faham schnell das Publikum für sich eingenommen und ein Lacher folgte dem anderen. Besonders ein Video, das die Unterschiede Deutschlands und Syriens beim Thema Tanzen, Gäste empfangen, Begrüßung usw. darstellte sorgte für heiteres Gelächter und anschließenden Applaus.

Doch nicht nur die heitere Seite wollte Faham an diesem Abend ansprechen, sondern erzählte auch von seiner Ausreise aus Syrien und den Gründen, warum so viele junge Menschen fliehen müssen. Schon wenn du den falschen Nachnamen trägst, kann es sein das du verhaftet wirst, erzählt er. Hier erwähnt er auch die Geschichte seines Freundes, der in Folterhaft starb. Er wurde nur verhaftet, da sein Familienname als Regime-kritisch bekannt ist. Eindringlich und verständlich berichtete Faham hiervon. Im Publikum konnte man das Mitgefühl deutlich spüren. Besonders die vielen syrischen Gäste waren von der Geschichte tief bewegt.

So schuf Faham ein Verständnis und einen Einblick, den man sonst so in den Medien nicht erhält. Faham kritisierte zudem die z. T. einseitige Berichtserstattung der deutschen Medien über die Flüchtlingskrise, gab aber auch zu, dass es von Seiten der syrischen Flüchtlinge ebenfalls Vorstellungen und Vorurteile gab, bevor sie nach Deutschland kamen. Sich selbst eingeschlossen. Als er diese Vorurteile der Deutschen und der Syrer gegeneinander stellte, war das Publikum erneut amüsiert. So unterschiedlich scheinen die gar nicht zu sein.

Ein besonderes Highlight fand am Ende der Lesung statt. Ein junger Syrer hatte sich über Facebook vor der Veranstaltung mit Faham in Verbindung gesetzt. Sein Plan: er wollte seiner Freundin nach der Lesung einen Heiratsantrag machen. Faham stimmte diesem Plan natürlich hocherfreut zu und so wurde der junge Mann unter dem Vorwand, seine eigene Geschichte zu erzählen auf die Bühne gerufen. Aus seiner deutschen Vertrauensperson und Patin wurde nun seine Verlobte.

Faham scherzte, das diese Verlobung nun wirklich das beste Beispiel des von ihm und Abbasi geschaffenen Wortes „Seutsch“ darstellt. Seutsch, eine Kombination aus den Worten „Deutsch“ und „Syrisch“. So sehen sich Abbasi und Faham, denn sie sind beides und darauf sehr stolz. Warum sollen sie sich dafür entscheiden nur eines zu sein, wenn man doch die positiven Aspekte aus beiden Kulturen vereinen kann.

Die Lesung war somit ein großer Erfolg für das gegenseitige Verständnis. Das die Veranstaltung nahezu ausverkauft war spricht für sich und auch wie bunt und durchmischt das Publikum war: junge Leute, Patinnen und Paten und viele syrische Besucher. Ein junger, syrischer Mann dankte dem Veranstaltungsteam überschwänglich, war er doch extra aus Göppingen angereist, um Allaa Faham sehen zu können. Denn die Lesung in Herrenberg stellte die einzige Lesung dar, die das German LifeStyle-Team im Süden Deutschlands anbot.

Die Lesung war eine Kooperation der Volkshochschule und Stadtbibliothek Herrenberg. Ebenso stellte sie ein Projekt im Rahmen des Herrenberger Projekte-Pool dar und wurde mit Hilfe der Stadt Herrenberg finanziert.