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Kinderrechte in der Kita Längenholz - Jedes Kind ist wichtig!


Kinder betrachten fair gehandelte BälleDie Kita Längenholz beschäftigte sich im Kindergartenjahr 2018/2019 mit dem Thema Kinderrechte. Die Kinder sollten verstehen, welche Rechte sie selbst haben, welche Rechte die anderen Kinder haben und wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.

Als Eltern haben wir dieses Projekt der Erzieherinnen durch ehrenamtliche Vorlesestunden unterstützt. Mit Büchern zu den Themen Toleranz, Respekt, Konfliktlösung ohne Gewalt und Rechte auf Meinungsäußerung und durch das Organisieren einer Trainingseinheit Krav Maga im Sinne der Selbstverteidigung, sowie durch die Gestaltung eines Elterncafés mit den Bananologen der Stadt Herrenberg. Es ging um zwei Schwerpunkt-Themen: „Welche Rechte habe ich als Kind?“ und „Wie kann ich mich für die Rechte von anderen Kindern einsetzen?“.
Im April standen einen ganzen Kita-Tag lang das Thema Selbstverteidigung und die eigene Rechte im Vordergrund. Die Selbstverteidigungsschule Fine Fitness GmbH aus Calw sensibilisierte die Kinder in einer Trainingseinheit des Krav Maga, einer israelischen Selbstverteidigungstechnik, wie sie sich in Gefahrensituationen richtig verhalten und auf sich aufmerksam machen können. Spielerisch wurden Übungen zur körperlichen Fitness gemacht, das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert und unter Anleitung von Trainer Markus Bürkle die Abwehr einer Ohrfeige und das anschließende Entziehen aus der Situation geschult. Je nach Altersgruppe wurde die Trainingsintensität angepasst. Das Training kam bei den Kindern und den Erziehern sehr gut an. Auch Markus Bürkle, Inhaber und Gründer von Fine Fitness in Calw ist begeistert:

„Seit vielen Jahren arbeite ich mit Kindern von ganz klein bis ganz groß und ich bin immer wieder fasziniert, wie schnell sie Dinge umsetzen und lernen können. Krav Maga, wie wir es betreiben, ist nicht nur eine reine Selbstverteidigung, sondern stärkt auch die Disziplin, den Teamgeist und die körperlichen Fähigkeiten. Umso früher die Kids beginnen, umso schneller können Sie Bewegungsabfolgen erlernen und sind deutlich entspannter in Stresssituationen jeglicher Art. Ich möchte mich bei der Kita Längenholz ganz herzlich für die Einladung bedanken. Alle Kids haben super mitgemacht, und ich bin über die Fortschritte in der kurzen Zeit begeistert. Ein tolles Elternbeiratsprojekt, das ich sehr gerne wiederholen möchte.“

Im Juli fand ein Elterncafé in der Kita mit Fairtrade-Kaffee und anderen fairen Leckereien statt. Während die Eltern Kaffee trinken konnten, durften die Kinder an zwei Workshops teilnehmen: einen zum Thema „Fußball“ und einen zum Thema „Bananen“. Auf sehr anschauliche Weise wurde den Kindern erklärt, wie wichtig bewusster Konsum ist und wie man sich schon als Kind durch sein Konsumverhalten für die Rechte von Kindern in anderen Ländern einsetzen kann. Auf großen Karten wurde der Weg einer Banane von der Plantage bis auf den Teller nachgefahren und die Arbeitsbedingungen mit Bildern anschaulich erzählt.
Während die Kinder genüsslich eine Fairtrade-Banane aßen, bekamen auch alle interessierten Eltern und Geschwister noch viele Informationen.
Ein Kind erzählt vom zweiten Workshop: „Wir haben im Spiel eine Familie aus Pakistan kennengelernt, wo alle Bälle nähen, auch die Kinder. Beim Selbernähen haben wir gemerkt, wie schwer das ist. Wir könnten keine 3-4 Bälle am Tag schaffen. Dann haben wir Geld bekommen, den Lohn für 2-4 Bälle, und versucht, damit in einem kleinen Kaufladen genug Essen für unsere neunköpfige Familie zu kaufen. Wir haben es kaum geschafft. Und es blieb kein Geld für Kleider, Urlaub, Haus, Spielsachen. Deshalb müssen alle arbeiten! Danach haben wir eine andere Familie in Südamerika kennengelernt. Hier näht nur die Mutter Bälle und kriegt genug Geld für die Familie. Die Kinder können zur Schule gehen. Auf dem Ball ist ein Fairtrade-Zeichen. Das haben wir zum Schluss dann nochmal im Kaufladen gesucht.“ Der Höhepunkt war dann die Übergabe des fairen Fußballs, den die Kita als Geschenk behalten durfte. Die Kinder waren begeistert.
Nicht nur die Kinder, sondern auch wir Eltern haben ganz neu über Kinderrechte nachgedacht.
Die Ziele unseres Projektes waren, im engeren Sinne den Kindern zu vermitteln, wie wichtig Respekt voreinander und Verantwortung füreinander sind, wie sie in Gefahrensituationen auf sich aufmerksam machen und sich zur Wehr setzen können und zu verstehen, dass der beste "Kampf" ein nicht stattgefundener Kampf ist. Im weiteren Sinne sollte es darum gehen, die Kinder zu selbstbestimmten Bürgern zu erziehen, die mutig für ihre Rechte und für die Rechte ihrer Mitmenschen einstehen - nicht nur vor Ort, sondern auch mit globaler Perspektive im Hinblick auf Kinder aus armen Ländern. Dabei sollte ein Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft hier geschaffen werden und ein Bewusstsein dafür, welche Auswirkungen unser Handeln auf Menschen anderswo in der Welt hat.
Mit unserem Projekt ist ein erster Schritt getan und wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass noch viele weitere Schritte folgen müssen.