Projektepool

Interkulturelle Schreibwerkstatt in Herrenberg 2019


Teilnehmerinnen der Interkulturellen SchreibwerkstattVon März bis Dezember 2019 fand im Herrenberger Klosterhof die Interkulturelle Schreibwerkstatt statt. Acht Frauen und Männer zwischen 35 und 65 Jahren nahmen einmal im Monat daran teil. Sie kommen ursprünglich aus Rumänien, dem Iran, Vietnam, Afghanistan, Syrien und den USA. Zwei Frauen sind seit vier Jahren in Deutschland, die anderen seit Jahrzehnten. Mit Schreibübungen ("Elfchen"), Brainstorming und kürzeren Artikeln wurde mit der deutschen Sprache experimentiert, die für alle Anwesenden nicht die Muttersprache ist. Creative writing ist an Hochschulen in den USA schon lange in den Curricula verankert. In der Antike galt es als Reinigung der Seele.

Als "Hausaufgabe" schrieben die Teilnehmenden längere Artikel, die redigiert dann bei drei Schreibwettbewerben eingereicht wurden und auch Preise erhielten.

Minh Ong, Fariba Amin und Elena Lenz präsentierten ihre preisgekrönten Artikel am 4.Dezember 2019 vor 40 Zuhörerinnen und Zuhörern beim Abschluss des Runden Tischs der Nationen im Herrenberger Ratssaal. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herrenberg, Birgit Kruckenberg-Link, hatte sie dazu eingeladen. Die drei Frauen haben in Deutschland studiert und zum ersten Mal ausprobiert, wie es ist, die eigene Geschichte auf deutsch zu formulieren und darin Gefühle auszudrücken: Gefühle über Heimat und Identität, über schöne Momente des Lebens, über Liebe und Loslassen müssen.

Elena Lenz, die der aroumischen Minderheit in Rumänien angehört, erhielt für ihren Text „Überall und Nirgendwo“ im Herbst 2019 einen Preis des Seniorenrats Althengstett, für einen weiteren Text einen Preis der Pforzheimer Stiftung „Mit Herz und Hand“. Ihre Kindheit in Teheran beschreibt Fariba Amin in einem lyrischen Beitrag über Heimat und Familie, der ebenfalls in Althengstett ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit ihrem Mann in Herrenberg und ist in drei Kulturen zu Hause: der deutschen, der persischen und der amerikanischen. Ming Ong, gebürtige Vietnamesin und geflüchtet mit den Boat-People in den 70er Jahren, hat für ihren Beitrag „Viele Wege führen ins Leben“ den Sonderpreis des Gäuboten beim Schreibwettbewerb des Kreisseniorenrats Böblingen erhalten. Ebi Wedad, der Ehemann von Fariba Amin, schrieb über sein Gefühl, in drei Kulturen zu Hause zu sein und erhielt ebenfalls einen Preis.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit erschienen mehrere Artikel zur Schreibwerkstatt im Amtsblatt Herrenberg, ein Porträt von Minh Ong als ganze Seite im Gäuboten. Ein Artikel erschien im Schwarzwälder Boten über die Preisverleihung in Althengstett.

Die Interkulturelle Schreibwerkstatt sollte interkulturelles Verständnis, Offenheit und eine nachhaltige Vernetzung der Teilnehmenden fördern. Minh Ong meinte gar, mit dem Schreiben Traumata verabeitet zu haben und möchte ein Buch über ihr Leben schreiben.

Der Kurs wurde aus dem Projektepool der Stadt Herrenberg gefördert in Kooperation mit dem Evangelischen Jugendwerk Herrenberg und dem Türkischen Arbeitnehmerverein. Geleitet wurde die Schreibwerkstatt von der Sprachdozentin und Journalistin Ingrid Kahlig.

Ein Leseheft, gefördert vom Gleichstellungsbüro, soll im April 2020 erscheinen.