"Demokratie leben!" 2020 - Beteiligung stärken!

2020 hat sich der Herrenberger Begleitausschuss von „Demokratie leben!“ für die zweite Förderphase zusammengefunden und neue Vertreterinnen und Vertreter aufgenommen. Diese wurden bei einem virtuellen Kennenlerntreffen im Mai begrüßt. Insbesondere sind nun auch unterrepräsentierte Gruppen und Personen dabei. Drei Treffen im Jahr 2020 konnten live stattfinden, zwei weitere online. Dabei lag der Fokus vor allem auf den drei Kernzielen Demokratie fördern, Vielfalt gestalten und Extremismus vorbeugen. Zusätzlich beschäftigte sich die Partnerschaft für Demokratie Herrenberg verstärkt mit dem Thema Beteiligung. Welche Aktionen und Projekte dazu konkret umgesetzt wurden, können Sie weiter unten auf dieser Seite nachlesen.

Lia Stöffler, studierte Sozialwissenschaftlerin aus Kuppingen, hat die Fachstelle von „Demokratie leben!“ seit dem Sommer inne. In dieser Funktion begleitet und berät sie als Mitglied des Teams BE Beteiligungsprojekte hinsichtlich „Mehr Vielfalt“. Anfang 2021 wird Helene Schächtele Nachfolgerin für Chris Nagler (Stadtjugendring). Helene Schächtele kümmert sich um Jugendliche und die Weiterbildungsreihe „Jetzt HEBT´S!“. Lia Stöffler und Helene Schächtele bilden zusammen die Herrenberger Fachstelle „Demokratie leben!“.

BGA Bild Videocall
(Foto des virtuellen Kennenlernens am 13. Mai 2020)

Rückblick 2020 - Was ist passiert?

Verschiedene Werkzeuge und die Überschrift "Jetzt HEBT'S" sind zu sehen

Die Erfolgreiche Weiterbildungsreihe "JETZT HEBT'S" in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und dem Stadtjugendring Herrenberg fand 2020 ihre Fortsetzung. Diese Seminare wurden im letzten Jahr angeboten:

„Virtuelle Vereins- und Gremiensitzungen gestalten“ Neue Situationen erfordern neue Lösungen! (21.07.2020)

Durch die Corona-Pandemie müssen viele Gruppentreffen und Vorstandssitzungen online durchgeführt werden. Aber wie macht man das richtig und gibt es Möglichkeiten, die Veranstaltungen interessanter zu gestalten?
In diesem Online-Seminar erhielten die Teilnehmer*innen einen Überblick über praktische, digitale Plattformen, um selbst Video-  und Audiokonferenzen durchzuführen. Neben typischen Moderationsmethoden erklärte die Referentin, welche Voraussetzungen  und Fallstricke bei Onlineangeboten zu beachten sind.


„Umgang mit Verschwörungsideologien“ (04.08.2020)

In Zeiten globaler Krisen und den damit verbundenen Unsicherheiten fi nden Verschwörungsideologien immer mehr Zulauf.  Argumente verlaufen gerne ins Leere. Das macht es schwierig, auf das Wirken einzelner Personen oder Gruppen einzugehen.
In diesem Webinar wurde dargestellt, welche Funktionen Verschwörungsideologien erfüllen und warum sie oft gefährlich sind. Daran anschließend wurden grundsätzliche Handlungsstrategien im Umgang mit Verschwörungserzählungen erarbeitet.

„Ehrenamtliche gewinnen“ (07.11.2020)

Viele Vereine haben damit zu kämpfen, frei werdende Vorstandspositionen neu zu besetzen. Auch die alltäglichen Tätigkeiten bleiben  oft an wenigen Mitgliedern hängen. Aber muss das tatsächlich immer so sein – und wie kann man das Engagement attraktiver gestalten?
In diesem Seminar ging es um die Frage, warum sich Menschen ehrenamtlich engagieren.  Anhand dieser Einflussfaktoren wurden Handlungsstrategien erarbeitet, wie man die Mitarbeit im eigenen Verein steigern kann. Ebenfalls die Auseinandersetzung mit den eigenen Anforderungen und die mögliche Anpassung der vorhandenen Aufgaben waren Teil dieser Schulung.

„Steuerrecht für Vereine“ (12.01.2021)

Oft wird die Meinung vertreten, dass der Status der Gemeinnützigkeit eines Vereins gleichbedeutend mit der Steuerfreiheit ist.  Dies ist allerdings nicht der Fall und die Privilegien der Gemeinnützigkeit sind oft mit steuerlichen sowie finanziellen Pflichten verbunden.
In dieser Veranstaltung wurden die Grundzüge des Steuerrechts für Vereine vermittelt, um zum Beispiel einen rückwirkenden Verlust der Gemeinnützigkeit oder erhebliche Umsatzsteuer-Nachzahlungen zu vermeiden. Außerdem erfuhren die Teilnehmenden,  wie Sie die steuerlichen Regeln zum Vorteil des Vereins anwenden können.
Im Jahr 2020 haben sich im Rahmen von „Herrenberghilft“ innerhalb kürzester Zeit 11 Helfergruppen selbst organisiert um Nachbarschaftshilfe anzubieten.
Eine der Gruppen – die Netzkirche (= Zusammenschluss der evangelischen Jugend aus unterschiedlichen Kirchen) - hatte dabei allein 180 Aufträge in 40 verschiedenen Haushalten.

Darüber hinaus wurden zahlreiche andere Engagement-Projekte gestartet, wie der „Gabenzaun“, „Herrenberg näht“, „Kidsbox“, telefonische Seelsorge im Ehrenamt, zahlreiche Spendenaktionen fürs Krankenhaus, die Tafel, Open-Air-Konzerte, und viele mehr.

Diesen Gruppen wurde mit einem Geschenk für ihre Arbeit und ihr Engagement in dieser Zeit gedankt. Die Engagierten erhielten Gewürzmischungen mit einem für diesen Anlass gestalteten Etikett mit der Aufschrift "Ohne Engagement ist alles fade". Diese Geschenke wurden durch die Förderung im Rahmen von "Demokratie leben!" ermöglicht.

Bozena Smierzchala steht hinter einem Tisch voll mit kleinen Gewürzpackungen, die an die Engagierten verschenkt wurden

Ziel der Kulturkonzeption ist es, gemeinsam mit der Bürgerschaft, den Kulturschaffenden und Jugendlichen die aktuelle kulturelle Situation zu diskutieren und zu reflektieren sowie gemeinsame Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Dazu wurden im Jahr 2020 verschiedene Workshops mit den genannten Gruppen veranstaltet. So sollte ein erster Entwurf für einen Katalog mit Handlungsempfehlungen und Maßnahmenvorschlägen erstellt werden, die zukünftig als Grundlage für die Kultur in Herrenberg dienen sollen. In einem abschließenden Workshop im Jahr 2021 mit der Bürgerschaft, den Kulturschaffenden, den Jugendlichen und der Politik werden die Maßnahmen final definiert, priorisiert und Zuständigkeiten vergeben. Die Kulturkonzeption wird anschließend dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt.
Das Projekt wird von "Demokratie leben!" gefördert.

Ein Screenshot des Online-Workshops im Rahmen der Kulturkonzeption
Mit einem partizipativ entwickelten Zukunftskonzept möchte die Ortsgemeinschaft Oberjesingen e.V. -  gemeinsam mit der Kirchengemeinde, dem Ortschaftsrat und der Dorfbevölkerung - eine Einigung erzielen, wie zukünftig generationenübergreifend Lebens- und Aufenthaltsqualität im Ort umgesetzt werden soll.

Als ein Teilprojekt im ganzheitlichen Zukunftskonzept sollte sich besonders auf die Einbindung beteiligungsferner Zielgruppen konzentriert werden. Dabei wurden drei Formate angeboten, die sich speziell an Zielgruppen richteten, die sich von allein nicht in den Prozess einbringen würden.
Hierzu wurden ein Malwettbewerb an den Grundschulen veranstaltet, persönliche Einladungen an alle Neubürgerinnen und Neubürger verschickt und ein klar strukturierter Webauftritt gestaltet, der vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen sollte. Die Plattform wurde in verständlicher und bildreicher Sprache gestaltet.

Dieses Projekt wurde durch "Demokratie leben!" finanziell unterstützt.
Um städtische Projekte und Themen niederschwellig und bürgernah zu kommunizieren hat der Begleitausschuss von Demokratie leben! in 2020 eine neue Video-Reihe ins Leben gerufen.

Die Videos mit dem Titel "Was macht die Stadt eigentlich zum Thema XY?" sollen städtische Themen attraktiv und kurzweilig darstellen. Außerdem wird den Bürgerinnen und Bürgern auf diese Weise ermöglicht, Tag und Nacht auf diese Informationen zuzugreifen.

Das erste Video (im Rahmen des Pilotprojekts) beschäftigt sich mit bezahlbarem Wohnraum in der Stadt Herrenberg und wird von einer Schülerfirma umgesetzt. Das Video wird 2021 veröffentlicht. Weitere Videos sollen zum Beispiel die Themen Digitalisierung, alternative Mobilität, Vielfalt, Generationengerechtigkeit und viele weitere behandeln.

IdeenIdeen
Ideen

Diese Video-Reihe wird durch die Mittel von "Demokratie leben!" gefördert und ermöglicht.
Als Mitmachstadt hat sich die Stadt Herrenberg im Leitbild 2020 eine transparente und frühzeitige Beteiligung zum Ziel gesetzt. In den vergangenen Jahren haben wir daraufhin viele herausragende Leuchtturmprojekte im Bereich Engagement & Beteiligung umgesetzt. 

Im Jahr 2020 hat das Team BE drei Bausteine für eine gelebte Beteiligungskultur entwickelt:

1. Lernvideos zur Planung von Beteiligung

Gemeinsam mit der Universität Stuttgart wurde als Ergänzung zur städtischen Beteiligungsstrategie eine digitale Lernplattform und Weiterbildungen rund um das Thema Beteiligung für Mitarbeitende der Stadtverwaltung aufgebaut. In dieser Zusammenarbeit entstanden verschiedene Formate, unter anderem der Podcast "Herrenberger Stadtgeflüster".

Screenshot der Digitalen Lernwelt im Intranet


2. Zentrale Eckpunkte zur Beteiligung

Eine Schritt für Schritt Hilfestellung für die Planung und Umsetzung von Beteiligungsprozessen in der Stadtverwaltung Herrenberg wurde erstellt 

3. Weiterbildungsreihe

Drei bis vier Mal im Jahr wird zu neuen Themen und Methoden rund um Beteiligung mit Workshops und Seminaren informiert.

Weitere Podcast-Folgen „Herrenberger Stadtgeflüster“

Annette Kialunda und Vera Köhler, Studentinnen des Masterstudiengangs Planung und Partizipation an der Uni Stuttgart, haben im Rahmen ihres Podcasts mit einigen Mitarbeitenden der Stadtverwaltung über deren Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung in Herrenberg gesprochen. Ergänzt werden diese Geschichten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Arbeit verschiedener Experten und Expertinnen.

Alle Folgen sind auf der Webseite der Universität Stuttgart zu finden.
Wichtige Teile der Gesellschaft..

… fühlen sich von der Politik entfremdet,
… haben das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Politik verloren
… fordern mehr Mitbestimmung und zeigen eine zunehmende Protestbereitschaft
… sind enttäuscht und wenden sich ab von politischer Willensbildung, Wahlen und Bürgerbeteiligung!

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass wir es als Mitmachstadt  schaffen, an den richtigen Orten, mit den richtigen Kanälen, mit der richtigen Sprache zu kommunizieren. Damit sich alle Bürgerinnen und Bürger angesprochen fühlen und das diese erleben, dass es sich gut anfühlt und lohnt ein aktiver Teil unserer Demokratie zu sein.

Dazu wurde 2020 eine Online-Weiterbildungsreihe von Dr. Thomas Kuder (Experte für das Thema Beteiligung) in Kooperation mit dem SInus-Institut veranstaltet. Bei der Weiterbildungsreihe wurde die Frage behandelt, wer die beteiligungsfernen Gruppen sind und welche Gesellschaftsmilieus sich eher beteiligen bzw. zurückhalten. Die gewonnen Erkenntnisse werden in künftige Beteiligungsprozesse einfließen.

Die Verteilung der Sinus Milieus

Der Begleitausschuss von "Demokratie leben!" hat sich zum Ziel gesetzt, mit verschiedenen Aktionen jährlich ein Zeichen für Demokratie und gegen Extremismus zu setzen. Dies geschah 2020 durch "Local Politics", ein Youtube-Format, bei dem zu jeder Veranstaltung jeweils  zwei junge politisch Aktive aus der Region eingeladen wurden.

Das Team von Local Politics, Eric Hämmerle und Samuel Deutsch in Zusammenarbeit mit Johannes Söhner, ermöglicht den Zuschauerinnen und Zuschauern ein Kennenlernen der Politikerinnen und POlitiker auf persönlicher Ebene. Die Politikerinnen und Politiker werden von einem der jungen Moderatoren vorgestellt, beantworten ausgewählte Fragen der Herrenberger Bürgerinnen und Bürger und erzählen ganz persönlich über ihre eigene Motivation sich politisch zu engagieren.

Durch "Demokratie leben!" wurde Eric Hämmerle und Samuel Deutsch eine Moderations-Weiterbildung finanziert.

Ein Screenshot des Youtube-Kanals Local Politics

Der Politiktalk wird sowohl über Youtube als auch über Facebook und Instagram live gestreamt (Local Politics in Herrenberg) und ist danach jederzeit als Video auf Youtube zu finden.