Der "Untere Buchgraben" – Ein wertvolles Stück Natur in Herrenberg
Das flächenhafte Naturdenkmal „Steinbruch und Pflanzenstandort Unterer Buchgraben“ südöstlich von Herrenberg-Haslach beeindruckt durch seine vielfältigen Biotoptypen und bietet eine wertvolle Lebensgrundlage für zahlreiche, teils selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Große Bereiche des Gebiets bestehen aus artenreichem Magerrasen, der durch die Beweidung erhalten wird. Dennoch sind einige Bereiche durch das Wachstum von Bäumen und Sträuchern beschattet, was den Lebensraum für bestimmte Halbtrockenrasen-Arten stark einschränkt. Auf den sonnenexponierten Flächen des Buchgrabens finden sich wertvolle Pflanzenarten wie der Große Ehrenpreis, Wilder Thymian und die Karthäusernelke. Der Magerrasen bietet zudem seltenen Tagfaltern wie dem Wegerich-Scheckenfalter und dem Magerrasen-Perlmuttfalter einen Rückzugsort. Diese Vielfalt ist besonders in Zeiten des Klimawandels von großer Bedeutung, da sie die Grundlage für stabile Tier- und Pflanzenpopulationen bildet.
Dieses besondere Stück Natur entspringt einer ehemaligen Nutzung als Steinbruch. Noch im frühen 20. Jahrhundert wurde hier Muschelkalk abgebaut und Lehmziegel hergestellt. Heute zeugen davon nur noch die steilen Felswände entlang des Grabens. Durch die West-Ost-Ausrichtung sind die nördlichen Felswände von der Sonne beschienen und dienen heute selten gewordenen Wildbienenarten als Lebensraum. Die schattigen, steilen Felswände am südlichen Rand des Naturdenkmals könnten Fledermäusen wertvolle Nistmöglichkeiten bieten.
Das Naturdenkmal beherbergt zudem mehrere markante Bäume, darunter alte Stieleichen, Walnuss- und Streuobstbäume, die aufgrund ihrer Höhlenstrukturen eine hohe ökologische Bedeutung haben. Diese Bäume werden gezielt freigestellt, um beispielsweise Fledermausarten die Nutzung der Habitatstrukturen zu ermöglichen. Auch das Gehölz, wie der Schwarzdorn, wird im Buchgraben erhalten, um verschiedenen Vogelarten wie dem Neuntöter und dem Bluthänfling Brutplätze zu bieten.
Außerdem liegt das Naturdenkmal im Biotopverbund und stellt eine wertvolle Kernfläche des trockenen Anspruchtyps auf der Ausbreitungsachse südlich von Haslach dar.
Luftbild des Buchgrabens im Jahr 2022
Ziele und Maßnahmen zur Erhaltung des Naturdenkmals
Das Ziel der Maßnahmen ist es, die ökologischen Funktionen der verschiedenen Biotope wiederherzustellen und den ansässigen Arten einen stabilen Lebensraum zu bieten. Besondere Priorität hat die Freistellung der Magerrasen-Bereiche, um bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen sicheren Rückzugsort zu schaffen.
Der Buchgraben bietet durch seine Größe und die mosaikartige Struktur ideale Bedingungen, um eine hohe Artenvielfalt zu bewahren und neu anzusiedeln. Als wichtiger Bestandteil des regionalen Biotopverbunds der Stadt Herrenberg schafft das Naturdenkmal Verbindungen zu weiteren Trockenstandorten in der Umgebung.
Erhaltungsmaßnahmen und Fortschritte
Die Pflegearbeiten im Buchgraben nahmen im Sommer 2022 konkrete Formen an. Ehrenamtliche des NABU und die Familie Gräther führten im Frühjahr 2023 erste Rodungen durch, entasteten die Bäume und transportierten das Schnittgut mithilfe von Seilwinden und Traktoren ab. Anschließend wurde das Material von einem Häcksler, finanziert durch die Stadt Herrenberg, zu Hackschnitzeln verarbeitet. Im Herbst 2023 fanden weitere Pflegeaktionen statt, um die Artenvielfalt langfristig zu sichern.
Für die nächste Pflegeperiode ab Herbst 2024 werden dem Gebiet großflächig ökologisch weniger wertvolle Gehölze entnommen. Dadurch soll die Beweidung im schwer zugänglichen Gebiet vereinfacht werden. Damit soll das Naturdenkmal wird Schritt für Schritt in seinen ursprünglichen Zustand versetzt – mit dem Ziel, die Artenvielfalt zu erhöhen und langfristig zu sichern.
Die Maßnahmen im Buchgraben leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt und zeigen, wie Naturschutz in der Region aktiv gestaltet und gefördert werden kann.
Luftbild des Buchgrabens aus dem Jahr 1968