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19.04.2017
Reformationsjubiläen: Ausstellung im Stadtarchiv ab 4. Mai

Öffentliche Führungen im Mai und Juni

Anweisung für die württembergischen Pfarrer zur Begehung des Reformationsjubiläums im Jahr 1717, aufbewahrt im Pfarrarchiv Kuppingen. Bild: Stadtarchiv Herrenberg

Mit Martin Luthers Thesenveröffentlichung am 31. Oktober 1517 nahm die Reformation ihren Anfang. Das Gedenken an diese historische Zäsur am Beispiel Herrenbergs steht im Mittelpunkt einer Ausstellung des Stadtarchivs unter dem Titel „Die Reformationsjubiläen in Herrenberg seit dem 17. Jahrhundert". Eröffnet wird sie mit einer Vernissage am Donnerstag, 4. Mai, um 18.30 Uhr in den Räumen des Archivs, Marienstraße 21.

Außer Grußworten von Oberbürgermeister Thomas Sprißler und Dekanstellvertreter Pfarrer Thomas Cornelius erwartet die Besucherinnen und Besucher eine Einführung in das Thema durch Ausstellungskuratorin Michaela Couzinet-Weber. Musikalisch umrahmt wird der Abend von einem Ensemble der Musikschule Herrenberg.

Einführung der Reformation in Herrenberg

Im Jahr 1534 erreichte die Reformation das Herzogtum Württemberg. In Herrenberg führte der Theologe Kaspar Gräter die ersten mit ihr verbundenen Veränderungen durch. Zudem veröffentlichte er einen Katechismus, der sich eng an den Schriften von Luther und dem aus Weil der Stadt gebürtigen Reformator Johannes Brenz orientierte. In der Ausstellung wird ein Original-Exemplar aus der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart zu sehen sein.

Ursprung und Leitideen der Reformationsjubiläen

1617 gaben die Kurpfalz und das Kurfürstentum Sachsen fast gleichzeitig den Anstoß zur ersten Jahrhundertfeier der Reformation. Die in Kursachsen ergangene landesherrliche Anordnung regelte den Ablauf des Festes in allen Einzelheiten. Sie wurde zum Vorbild für die Gestaltung des Reformationsjubiläums in ganz Deutschland und blieb es bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Bei den Säkularfeiern von 1617 und 1717 ging es den Verantwortlichen darum, sich vom Papsttum abzugrenzen. Evangelisch sollte gefeiert werden. Das heißt, „mit betten, loben und dancken für die grosse Wohl- und Gutthat hierinn uns erwiesen“, wie eine Instruktion für die württembergischen Pfarrer von 1717 es ausdrückte. 1817 und vor allem 1917 wurde Martin Luther dann instrumentalisiert, um Deutschland als Nation aufzuwerten.

Herrenberg und die Reformationsjubiläen
Wie die Reformationsjubiläen in der Gäustadt begangen wurden und in welches politische wie gesellschaftliche Umfeld sie eingebettet waren, zeigt die Ausstellung anhand zeitgenössischer Exponate auf. Die Dokumente und Bilder stammen teils aus den Beständen des Stadtarchivs, teils aus dem Fundus verschiedener Leihgeber. Außer der Württembergischen Landesbibliothek sind hier insbesondere das Hauptstaatsarchiv Stuttgart, das Landeskirchliche Archiv Stuttgart und die Pfarrarchive Kayh und Kuppingen zu nennen. An den Ausstellungsvorbereitungen wirkte Pfarrer Dr. Matthias Deuschle aus Kuppingen mit.   
Im heutigen Herrenberger Teilort Kayh hielt Pfarrer Wolfgang Fabri am 2. November 1617 die erste Jahrhundertfeier der Reformation ab. Dies bezeugt eine dort erhalten gebliebene Chronik. Wenig später begann der Dreißigjährige Krieg. Auch das zweite Reformationsjubiläum 1717, das kurz nach der Schlacht von Belgrad stattfand, die für die kaiserlichen Truppen unter Prinz Eugen von Savoyen siegreich geendet hatte, hinterließ Spuren in den
Pfarrarchiven des Herrenberger Raumes. In Kuppingen finden sich eine Anweisung für die württembergischen Pfarrer zur Begehung des Festes und ein Sammelband, der die wichtigsten Dokumente sowie eine Reihe von Predigten enthält.

1817 war Herrenberg, wie ganz Württemberg, von Lebensmittelknappheit und Teuerung betroffen. Dennoch wurde der 300. Jahrestag der Thesenveröffentlichung Luthers detailliert vorbereitet. In der Stiftskirche erhielten die Netzgewölbe samt Schlusssteinen einen weißen Anstrich. Der Geistliche Karl Gottlieb Friedrich Sarwey beauftragte einige Lehrer aus dem Kirchenbezirk Herrenberg mit der Ausarbeitung von Unterrichtsmaterialien, anhand derer den Schülern die Person Luthers und die Geschichte der Reformation nahegebracht werden sollten. Über die Feierlichkeiten selbst erstattete Dekan Magnus Friedrich Zeller dem Oberkonsistorium ausführlich Bericht.

Die vierte Säkularfeier 1917 fiel in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Trotzdem waren die Aktivitäten in Herrenberg wiederum beachtlich. So fand unter dem Motto „Reformationsdank“ eine Spendenaktion statt, bei der ein ansehnlicher Geldbetrag zusammenkam. Am 31. Oktober gab es vormittags eine Feier mit den Schulen in der Stiftskirche und abends einen Gottesdienst in der Spitalkirche. Die Lokalzeitung, damals der ‚Gäu- u. Ammertalbote‘, berichtete regelmäßig über Veranstaltungen und Themen rund um das Jubiläum.

Führungen durch die Ausstellung
Die Ausstellung kann bis 30. Juni zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs besichtigt werden (Montag bis Freitag 8.30 bis 12 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 14 bis 17 Uhr). Am 18. Mai und 29. Juni wird jeweils um 16 Uhr eine Führung angeboten. Interessierte melden sich an bei der VHS Herrenberg unter Telefon 07032 2703-0 oder per E-Mail an:
anmeldung@vhs.herrenberg.de.

PLAKAT zur Ausstellung

Ihre Ansprechpartnerin für weitere Fragen:
Dr. Stefanie Albus-Kötz
Stadtarchiv Herrenberg
Telefon: (07032) 954 633-0
E-Mail: s.albus-koetz@herrenberg.de