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16.03.2017
Wohncontainer dienen nur als Übergangslösung

Konzepte für langfristige Unterbringung und wohnungsbaupolitische Ausrichtung werden zeitnah vorgelegt

Die Unterbringung von Flüchtlingen stellt die Stadt Herrenberg vor Herausforderungen: Für insgesamt 90 Menschen muss kurzfristig in 2017 eine Unterkunft bereitgestellt werden. Die Stadtverwaltung schlägt eine Zwischenlösung für 12 bis 18 Monate mit Wohncontainern vor, um schnell reagieren zu können. Ein Konzept für die anschließende Unterbringung ist seit November in Arbeit und wird zeitnah vorgelegt. Der Gemeinderat berät am kommenden Dienstag.

Im vergangenen November war bekannt geworden, dass das Land die Pläne für die Einrichtung einer Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Herrenberg nicht weiter verfolgt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stadt Herrenberg von der Verpflichtung in der kommunalen Anschlussunterbringung befreit worden. Daher waren in 2016 keine weiteren Personen unterzubringen. Der Kreis Böblingen stellte auf Basis der neuen Situation ohne LEA jedoch klar, dass Herrenberg ab 2017 – wie alle anderen Kreisgemeinden – seine Quote wieder erfüllen muss. Konkret bedeutet das: Für insgesamt 90 Menschen muss die Stadt in diesem Jahr Wohnraum schaffen, im ersten Quartal 2018 voraussichtlich für weitere sieben Personen.
Als sich abzeichnete, dass die Einrichtung einer LEA auf der Kippe steht, hatte die Stadt bereits vorsorglich einen Vermietungsstopp für die städtischen Wohnungen verhängt. Allerdings bieten die hier verfügbaren Wohnungen nur Platz für etwa 30 Personen. Die Kapazitäten werden bereits Mitte des Jahres erschöpft sein. Die Verwaltung arbeitet deshalb seit November parallel an einem Konzept für den Neubau von städtischen Wohnungen, da die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum in Herrenberg hoch ist. Ziel ist es, nach spätestens 18 Monaten die Container wieder abzubauen und diesen Zeitraum für den Bau von neuen städtischen Wohnungen zu nutzen. Am 4. April wird die Verwaltung außerdem die wohnungsbaupolitische Strategie für die Gesamtstadt im Technischen Ausschuss vorstellen.

Akuter Handlungsbedarf
Als kurzfristig realisierbare Zwischenlösung schlägt die Stadtverwaltung vor, eingeschossige Wohncontainer-Einheiten an der Ecke Nagolder Straße und Kalkofenstraße aufzustellen. Nur auf diese Weise ist es möglich, den akuten Bedarf überhaupt zu decken. Die vorgesehenen Container-Einheiten bestehen aus mehreren Elementen, die von vier oder sechs Personen genutzt werden können. Die Grundrisse sind dabei so angeordnet, dass eine Privatsphäre ermöglicht wird. Maßgeblich für die Standortwahl waren die zentrale Lage, die sofortige Verfügbarkeit des Grundstücks und das bestehende Planungsrecht. Die Weiterentwicklung des BayWa-Areals, das im Fahrplan Innenstadt hohe Priorität hat, wird sich durch die Übergangslösung nicht verzögern.
Die Zeit drängt: Ab Juli müssten die Container bereits bezugsfertig sein und könnten dann für bis zu 80 Menschen eine Unterkunft bieten. Die Wohncontainer sollen nur gemietet werden, die Kosten belaufen sich auf etwa 400 000 Euro.


Ehrenamt außerordentlich wichtig
Mit Blick auf die ehrenamtliche Unterstützung ist Herrenberg bestens aufgestellt. Dies wurde bei den Planungen zur LEA deutlich. Auch bei der Aufnahme von 90 Menschen in diesem Jahr ist der vielfältige Einsatz von Ehrenamtlichen sehr wichtig. „Dank dem unermüdlichen Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger sind wir bereit für die Einbindung von Flüchtlingen in unsere Stadtgemeinschaft. Die Integration kann beginnen“, betont Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Das Ehrenamt trage maßgeblich dazu bei, dass die zugewanderten Menschen bei uns dazu gehören können. Um die kulturelle Vielfalt in Herrenberg zu stärken, appelliert er, sich weiterhin für die Integration einzusetzen.

Der Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 21. März, mit der Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigen.


Ihr Ansprechpartner für weitere Fragen:
Bert Rudolph
Leiter Gebäudemanagement
Telefon 07032 924 274
Email b.rudolph@herrenberg.de